Carolin Kebekus Pussy Terror
Selbstzweifel kennt Kebekus gut. Sie hat trotzdem immer weiter gemacht. | Foto: Axel Klein

Promis & Interviews

03.11.2016

Chris Tall

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07. Feb 2017

Sandra Ruppel

Promis & Interviews

Carolin Kebekus: "Als Frau möchte man schon, dass einen alle lieb haben"

"Lustig war ich eh schon immer!"

UNICUM: Carolin, wann war für dich klar, dass du Comedy als Beruf machen willst?
Carolin Kebekus: Eigentlich wollte ich Theaterwissenschaften studieren. Damit ich was zu tun habe, bis meine Wartesemester rum sind, habe ich ein Praktikum beim Fernsehen gemacht. Lustig war ich eh immer schon und wenn man dem Ganzen nicht so ein großes Gewicht gibt und man es nur aus Freude macht, dann ist man auch gar nicht so schlecht. Ich hatte glücklicherweise auch früh gute Kontakte und dann hat sich das alles einfach so gefügt.

Hatten deine Eltern nicht Angst, dass du dich in eine brotlose Kunst stürzt?
Am Anfang haben sie schon gesagt: "Du wirst ja wohl nochmal was studieren!" Aber dann gab es einen Punkt, wo ich schon recht viele Sachen gemacht hatte und mein Vater gesagt hat: "Du bist jetzt 24, mach das doch erstmal. Du kannst ja in einem Jahr immer noch studieren und wenn du uns brauchst, dann sind wir da." Das war total cool. Er hat mir dann einen Monat lang die Miete bezahlt und 500 Euro zum Leben überwiesen. Schon im nächsten Monat konnte ich ihm das direkt wieder zurückzahlen, weil ich ein festes Engagement bei "Was guckst du?!" hatte. Ich habe damals alle Frauen für Kaya Yanar gespielt. Und ab da war ich ein gemachter Mann! (grinst)

"Auf der Bühne zu versagen ist hart"

Carolin Kebekus InterviewZu Beginn hattest du mal eine Phase, wo es auf der Bühne nicht so gut lief, die Lacher sind ausgeblieben. Wie hast du diese Zeit überstanden?
Ganz am Anfang haben viele gelacht, irgendwann merkst du aber, dass du auch an deinen Sachen arbeiten musst. Du musst neue Texte machen, dich hinsetzen, schreiben – und es muss authentisch sein. Nur weil ein Auftritt super war, wird der nächste nicht automatisch auch super. Die Leute erwarten was, die wollen was sehen!

In der Zeit habe ich auch viel gezweifelt. Ich glaube, das ist auch eher ein Frauen-Ding, deswegen gibt’s auch nicht so viele in der Comedy-Welt. Auf der Bühne zu versagen ist hart. Und als Frau möchte man schon, dass einen alle lieb haben. Es ist schwer, mit solchen Rückschlägen umzugehen. Ich glaube, an dieser Stelle scheitern viele und sagen "Ich mache nicht mehr weiter". Ich wollte auch aufhören und nur noch Sketche und Fernsehen machen, weil ich dachte, das mit dem Stand-up kann ich vielleicht doch nicht. Dann war aber wieder ein Auftritt gut und es ging doch irgendwie weiter.

Was möchtest du jungen Frauen mitgeben, die sich deine Show anschauen?
Ich hoffe, dass die ein Bewusstsein dafür bekommen, dass man sich nicht immer so kleinmachen soll als Mädchen. Das hat man so krass gelernt und ich merke das an mir, ich mache das auch immer. Selbst in privaten Situationen hat man Angst, dass der Partner denkt, "Och, was hat sie denn jetzt?!" Dabei sagt man einfach nur mal, was man selber will! Aber nicht nur privat, auch beruflich: Man muss auch mal auf den Tisch hauen können und sagen, "Nein, so nicht! Ich sehe das anders!"

Außerdem glaube ich, dass viele Frauen im Beruf über sexistische Sachen hinweggucken, die ihnen so begegnen. Wenn man nämlich anfängt, sich damit auseinanderzusetzen, ist man den ganzen Tag beschäftigt. Bei mir im Team versuche ich, immer die Sexistischste zu sein. Wenn ich ein Kerl wäre und mein Team nur aus Mädchen bestehen würde – die hätten mich schon längst angezeigt.



Hihi, sie hat Penis gesagt!

Wärst du manchmal gern ein Kerl?
Nee. Ich bin unheimlich gerne eine Frau. Ich finde, es gibt nichts Besseres. Aber die Körperlichkeit von ‘nem Mann hätte ich schon mal gerne. Mich würde interessieren, wie es ist, mit ‘nem Penis rumzulaufen. Ich stell mir das cool vor.

Bestimmt ist der dauernd im Weg, oder?
Nee! Meinste?! Weil die immer so zuppeln?

Ja, und wenn sie die Beine beim Sitzen übereinanderschlagen…
…macht man ja nicht, man sitzt ja so! (rutscht im Stuhl nach unten und setzt sich prollig und breitbeinig hin)

Es gibt schon viele Männer, die die Beine beim Sitzen überschlagen, oder?...
…dann weißte direkt, dass da nichts ist! (lacht schallend) Hab ich mir jetzt so überlegt.

Also, da kann man doch unheimlich viel mit machen, mit so einem Penis. Aber ich glaube, nach einem Tag hätte ich dann auch genug. Da hätte ich dann alles damit gemacht, was man machen kann. (lacht)

"Bei Spielen bin ich ehrgeizig"

Kürzlich hast du mit Luke Mockridge Bierpong gespielt. So richtig oft getroffen hast du da ja nicht: Gibt es einen Partytrick oder ein Partyspiel, in dem du richtig gut bist?
(Streng) Ich hab am Anfang sehr gut getroffen – später nicht mehr gut. (lacht) Ich bin sehr ehrgeizig bei Spielen. Wir haben früher im Freundeskreis immer Scharade gespielt. Es gibt ein Video, das habe ich mir letztens erst wieder angeguckt: Ich muss "Hausdach" erklären und die Jungs erraten es nicht. Und ich raste aus! Es war Gleichstand, wir brauchten nur noch diesen Punkt, um zu gewinnen und die haben "Hausdach" nicht erraten. "Treppe", alles haben die reingerufen, wie die Idioten! Und ich raste einfach nur blank aus. (lacht)

Was ich grade mit meiner Crew auf Tour immer spiele, ist "Die Werwölfe von Düsterwald". Das ist sehr cool. Man bringt sich gegenseitig um. Da bin ich sehr gut drin. Wenn ich Werwolf bin, dann gewinnen die Werwölfe eigentlich immer – vielleicht liegt‘s aber auch daran, dass mich vom Team keiner umbringen will, weil die sich nicht trauen, die Chefin rauszukicken. (grinst)

Angenommen du wüsstest, dass du sterben musst, wie würdest du denn deine letzten Stunden noch verbringen?
Ich würde mit Family und Freunden zusammen sein und die restliche Zeit nutzen. Einfach zusammen abhängen und eine fette Party machen. So durchfeiern, dass man am Ende auch wirklich denkt, "Ja gut, komm, ich habe grade so einen ekelhaften Kater, jetzt ist es auch egal, wenn die Welt untergeht!" (lacht)


Carolin Kebekus: Kurz & Kompakt

  • Die Komikerin wurde zwar in einer Klinik knapp außerhalb der Stadtgrenze von Köln geboren (in Bergisch-Gladbach), eine echte Vollblut-Kölnerin ist sie aber trotzdem. Sie hat mit ihrer Familie und Freunden zusammen sogar einen eigenen Karnevalsverein gegründet, der sich einmal im Monat zum Stammtisch trifft.
  • Carolin Kebekus hat bereits viermal den deutschen Comedypreis gewonnen. 2016 wurde sie nicht nur als "Beste Komikerin" ausgezeichnet, sondern hat mit ihrer WDR-Show "Pussy Terror TV", die ebenfalls im Ersten läuft, auch den Preis in der Kategorie "Beste TV-Show" abgeräumt.
  • Nachdem die Kölnerin schon einige kleinere Rollen in verschiedenen Filmen übernommen hat und zuletzt der Bösewichtin Scarlett Overkill in "Minions" (2015) ihre Stimme geliehen hat, ist sie im Februar in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen: Am 16. Februar 2017 startet "Schatz, nimm du sie!" in den deutschen Kinos.

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