Dean Lewis im Interview
Dean Lewis findet melancholische Lieder spannender als Gute-Laune-Songs. | Foto: Universal Music
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02. Apr 2019

Simone Zettier

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Dean Lewis im Interview

"Ich fühle mich, als hätte ich im Lotto gewonnen"

"Für mich sind Gute-Laune-Songs oft langweilig"

UNICUM: Dein Album "A Place We Knew" ist gerade erst erschienen und verkauft sich super, auch deine Konzerte sind fast alle ausverkauft.
Dean Lewis:  Die vergangenen acht Monate mit dem weltweiten Erfolg von "Be alright" waren einfach verrückt. Meine Single "Waves" war ja auch schon erfolgreich, allerdings vor allem zu Hause in Australien. "Be alright" hat mir Türen auf der ganzen Welt geöffnet. Ein ganzes Album ist dann trotzdem noch eine mal eine ganz andere  Nummer. Das Feedback meiner Fans ist daher so schön für mich, jeder hat eine andere Lieblingsnummer. Das hatte ich natürlich so auch gehofft, dass die Leute sich für unterschiedliche Songs begeistern.

Das Album enthält viele melancholische Liebeslieder, aber auch ein paar Songs, die echt gute Laune machen – und das, obwohl du ja eigentlich gar keine Gute-Laune-Songs schreiben kannst, wie du in einem anderen Interview gesagt hast.
Für mich sind Gute-Laune-Songs oft langweilig. Die Titelsingle "A Place We Knew" war anfänglich sehr positiv angelegt – am Ende für meinen Geschmack aber zu viel. Daher habe ich das Ende noch einmal umgeschrieben, sodass sie ihn verlässt. Gute-Laune-Songs passen einfach nicht so zu mir.

Vielen Künstlern geht es da ähnlich wie dir und sie können auch nur gute Songs schreiben, wenn sie sich bestenfalls hundeelend fühlen.
Also ich kann schon Songs schreiben, wenn ich gut gelaunt bin. Trotzdem würde ich generell eher über traurige Dinge schreiben. Die besten Ideen für Songs bekomme ich in der Regel, wenn ich das Songschreiben aufschiebe und ich mich ablenke. Ich lasse mich dann mitten in der Nacht auf YouTube inspirieren. 

Ist das Tour-Leben auch inspirierend für dich? Du führst ja derzeit ein ganz anderes Leben als vorher und bist permanent unterwegs.
Es ist natürlich ganz was anderes. Früher konnte ich mir beim Songschreiben endlos Zeit lassen und jetzt habe ich fast gar keine Zeit mehr. Die letzten Tage habe ich maximal fünf Stunden pro Tag geschlafen. Es steht einfach so viel auf dem Programm, aber dafür bin ich auch unendlich dankbar, dass die Leute sich so für mich interessieren. In den vergangenen Wochen und Monaten bin ich nicht so oft dazu gekommen, neue Songs zu schreiben.  Ich habe zwar ein paar wirklich gute Ideen, an denen ich arbeite, die ich aber vorerst nicht zu Ende bringen kann.  Aber ich habe noch so viele gute Songs in petto, die nicht auf dieses Album gepasst haben, dass das nächste schon fast zur Hälfte voll ist.

"Ich habe keine Angst davor, Nein zu sagen"

Auf deinen Social Media Accounts kommst du noch sehr jung rüber, dabei bist du schon 31. Der Erfolg kam also erst recht spät. Denkst du, es ist eine gute Sache?
Die meisten Künstler werden mit 18 Jahren unter Vertrag genommen, ich war schon 27. Ich denke, für mich war es gut, weil ich in meinem Alter keine Angst davor habe, auch mal Nein zu sagen. Mit 18 Jahren habe ich noch gar keinen Gedanken daran verschwendet, irgendwann Karriere im Musikbusiness zu machen. Ich habe meine ersten Songs mit 26 Jahren aufgenommen. Dieses Demo-Tape hat dann einer meiner Freunde weitergegeben und ich habe einen Plattenvertrag bekommen. Dann habe ich meinen ersten Song veröffentlicht und war damit prompt erfolgreich. Das ging dann also alles sehr schnell. Das habe ich so nicht erwartet. Ich gehörte also nicht zu denen, die mit 15 schon nach einem Plattenvertrag schielen. Für mich war meine Musik okay, nicht übertrieben gut, und plötzlich war ich erfolgreich.

Als du mit 18 eine Dokumentation über Oasis gesehen hast, war das eine Art Initialzündung für dich und deine Musikkarriere. Welche Rolle hat die Musik davor gespielt?
Mein Vater hat mich und meinem Bruder zum Gitarrenunterricht geschleppt, wo wir die Basics gelernt haben. Ich war damals zwölf und hatte darauf gar keine Lust. Zu der Zeit hat die ganze Familie die Beatles gehört und sich Beatles-Filme angeschaut. Oasis tauchte hier und da auch schon mal auf, aber richtig gepackt hat es mich erst nach dieser Dokumentation. Ich war also ein Beatles-Fan, habe gerne Sport gemacht und Computerspiele gespielt, aber so richtig wusste ich zu jenem Zeitpunkt noch nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. 



"Nach der Oasis-Dokumentation war ich musikbesessen"

Welche Rolle hat die Musik damals in deinem Leben gespielt?
Musik hat immer eine sehr große Rolle in meinem Leben gespielt, aber damals habe ich nicht geglaubt, dass es für mich eine Möglichkeit gibt, Karriere im Musikbusiness zu machen. Ich habe immer gedacht, ich sei nicht gut genug, wenn ich zum Beispiel Gitarre gespielt habe. Ich war immer musikbegeistert, aber nach der Oasis-Dokumentation war ich musikbesessen. Als ich jünger war, war ich total verrückt auf Computerspiele. Ich hatte immer Ideen für neue Spiele, habe aber dann tatsächlich nie eins programmiert. Aber ich konnte mich schon als Kind immer für bestimmte Dinge begeistern und war dann jeweils Feuer und Flamme dafür.  Mir hat es immer gefallen, etwas Neues zu kreieren – egal was. 

Also hast du erst die Schule abgeschlossen und dann studiert?
Ja, ich habe studiert – allerdings nur ein Semester. Ich habe mich damals für ein Studium im Bereich Handel entschieden, weil ich nicht wusste, was ich sonst machen sollte. Ich habe es aber gehasst und dann abgebrochen. Danach habe ich sieben Jahre lang bei einem Fernsehsender als Toningenieur gearbeitet. Den Job hatte mir mein Vater vermittelt, der selbst dort als Kameramann gearbeitet hat. Ich habe nicht schlecht verdient, aber Spaß gemacht hat mir der Job überhaupt nicht. Heute brenne ich für meinen Job und die Zwölf-Stunden-Tage machen mir nichts aus, damals fehlte mir schon nach 30 Minuten die Energie. Ich habe mich also sehr schwergetan und dann erst ziemlich spät gewusst, was ich wirklich in meinem Leben machen wollte.

Dean Lewis: "Meine Crew ist derzeit mein Zuhause"

In dem Titelsong "A Place We Knew" gibt es eine Songzeile, die lautet "Your heart is my home". Was definierst du derzeit als dein Zuhause?
Diese Zeile hat damals meine Ex-Freundin zu mir gesagt, mit der ich immer noch gut befreundet bin. Damals habe ich das schnell aufgeschrieben und ihr dafür gedankt. Wo derzeit mein Zuhause ist? Gute Frage. Mein Bruder begleitet mich auf Tour und macht diese unglaublichen Videos. Alex aus meiner Band ist mittlerweile auch ein guter Freund geworden – sprich, meine Crew ist derzeit mein Zuhause. Ein richtiges Zuhause gibt es derzeit nicht. Ich habe mein Appartement aufgegeben, bevor ich in die USA geflogen bin, weil ich jetzt mehr als ein Jahr unterwegs sein werde. Ich vermisse derzeit aber auch nicht wirklich ein Zuhause. Ich habe gar keine Zeit, Leute zu vermissen, denn ich kann nur an die nächsten 24 Stunden denken. Es ist alles gerade ziemlich überwältigend für mich. Mein Leben ist momentan so cool. So viele Musiker bringen so tolle Songs heraus und werden gar nicht beachtet, ich fühle mich, als hätte ich im Lotto gewonnen. 


Über Dean Lewis: 

  • Sein erstes Album "A Place We Knew" ist Ende März erschienen und in seiner Heimat Australien direkt auf Platz eins gelandet.
  • Seinen Durchbruch schaffte er in Australien mit der Single "Waves", weltweit war er mit "Be alright" erfolgreich.
  • Im April ist der 31-jährige Australier auf großer Deutschland- und Europatour und kommt dann im September noch einmal zum Lollapalooza-Festival nach Berlin.
  • Seinen Facebook-Auftritt und seinen Instagram-Account befüllt er noch selbst und es lohnt sich dort hereinzuschauen, er geht regelmäßig "live", um mit Fans zu chatten oder ihnen zu zeigen, wie man seine Songs auf der Gitarre spielt.

"A Place We Knew" von Dean Lewis auf Spotify anhören:


UNICUM Musik-Tipp

Dean Lewis Interview AlbumcoverDean Lewis

"A Place We Knew"

VÖ: 22.3.2019

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