Elyas M'Barek Interview
Elyas M'Barek in seiner berühmten Rolle als Zeki Müller in "Fack ju Göhte" | Foto: Constantin Film
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13. Nov 2012

Merel Neuheuser

Promis & Interviews

Elyas M'Barek: Ein Semester BWL war genug!

Der sympathische Schauspieler ("Türkisch für Anfänger", "Der Medicus") im Interview

"Man kann sich immer überraschen lassen"

UNICUM: Du hast als Interviewort das Literaturhaus vorgeschlagen. Liest du viel?
Elyas M'Barek: Ich lese schon sehr viel. Ich habe generell, vor allem im Urlaub und am Set, wenn ich drehe, immer ein paar Bücher dabei. Wenn man am Set viel Wartezeit hat, gibt es nichts Besseres, als ein gutes Buch dabeizuhaben.

Was für Bücher liest du?
Ach, eigentlich alles. Ich habe gerade innerhalb von zwei Tagen ein Buch beendet, weil ich am Set viel Freizeit hatte. Ein Thriller mit Vampiren. Das war Neuland für mich.

Etwa "Twilight"?
Nee, "Die Saat". Eigentlich hatte ich da nie ein Faible für. Sonst lese ich gerne Klassiker, zum Beispiel bin ich erst vor kurzem auf "Der Alchimist" gestoßen. Das war der Hammer. Ich mag es, wenn Bücher in fernen Zeiten spielen. Historische Sachen oder einfach gute Romane, aber ich habe keinen Lieblingsautoren. Wobei, doch: Patrick Süßkind mag ich wirklich gerne.

Du hast ja auch eine größere Rolle in der Verfilmung des Bestsellers "Der Medicus". Kanntest du das Buch vorher schon?
Nee, vor den Dreharbeiten kannte ich das Buch noch nicht. Aber ich habe es mir sofort gekauft, als ich die Rolle bekommen habe, und das dann verschlungen. Ein richtig schönes Buch!

Bislang hattest du immer sehr attraktive Rollen. Also äußerlich. "Der Medicus" spielt im Mittelalter, da war es mit der Zahn- und generell Körperpflege noch nicht ganz so weit und das sieht man sicher auch den Rollen an. Ein Problem für dich?
Nein, überhaupt nicht. Außerdem ist meine Rolle "Karim" ja auch eitel und für seine Zeit sicher attraktiv. Aber tatsächlich tragen wir Zahnprothesen, weil die Zähne der Leute damals eben nicht so gut aussahen wie heute. Und ich trage einen Schnurrbart!

Das ist ein internationaler Dreh mit prominenten Schauspielern wie Sir Ben Kingsley. Geht's jetzt Richtung Hollywood?
Über so was mache ich mir keine Gedanken. Ich bin sehr froh über die Projekte, bei denen ich hier arbeiten durfte, und ich habe sicher nichts dagegen, weiter internationale Projekte machen zu dürfen, aber ich forciere das nicht und ich plane das sowieso nicht. Entweder es kommt, oder es kommt nicht. Das ist ja auch das Schöne an dem Beruf, dass man sich immer überraschen lassen kann.

"Effektiv habe ich nur ein Semester studiert"

Elyas M'Barek privatIn deiner Laufbahn fehlt bislang die Theatererfahrung, die ja eigentlich in der Vita der meisten Schauspieler steht. Wenn ein Theater anklopft, würde es dich dann auch auf die Bühne ziehen?
Ich würde sehr gerne mal Theater spielen und ich hoffe, das kommt auch noch, aber für den klassischen Weg ist es schon zu spät. Da habe ich den umgekehrten Weg gewählt. Momentan ist es schon so, dass ich mich auf Filmkarriere konzentriere.

Wie laufen die Dreharbeiten eigentlich bei einer so großen, internationalen Produktion? Ist das eine andere Hausnummer als bislang?
Das kann man so gar nicht sagen. Die Arbeit an sich ist an jedem Set gleich. Neu ist für mich schon, dass wir auf Englisch drehen. Und dann muss ich auch noch mit persischem Akzent sprechen, da "Karim" ja Perser ist. Der größte Unterschied ist wohl, dass das Team einfach viel größer ist. Das ist bei einem Projekt der Größenordnung einfach erforderlich. Auch der Umgang unter meinen Schauspielerkollegen unterscheidet sich gar nicht so sehr von meinen bisherigen Erfahrungen. Ich würde nicht behaupten, dass sich Ben Kingsley anders verhält als irgendein anderer Schauspieler, mit dem ich gearbeitet habe. Aber natürlich, es ist toll, mit solchen Leuten arbeiten zu dürfen. Gerade mit Sir Ben, der einfach so ein Überprofi ist. Es gibt oft Momente, in denen er Monologe hält und wir als Studenten nur dasitzen und lauschen. Es kann auch eintönig werden, beim 25. Take denselben Monolog zu hören, aber er spielt es 25-mal auf eine andere Art und Weise.

Als Student Monologe von Dozenten zu hören, ist dir nicht neu. Du hast ja auch studiert …
Ja, aber auch nur vier Semester. Effektiv, glaube ich, nur ein Semester, dann habe ich geschmissen. Das war überhaupt nicht meins und ich habe das Studium nur begonnen, weil ich mich absichern wollte. Das hat mir von Anfang an keinen Spaß gemacht, gerade weil BWL auch überhaupt nicht zu mir passt. Außerdem hatte ich einen Professor, der mir gegenüber in einer Statistikvorlesung rassistische Bemerkungen machte. Das hat mir endgültig gezeigt, dass das nicht meine Welt ist.

"Man spielt nicht mehr nur Drogendealer"

Gefühlt gibt es kein Interview ohne die Frage um "ausländische Wurzeln" und "Rollen mit Migrationshintergrund". Nervt dich das?
Und wie. Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich bin hier geboren und groß geworden und kann dazu einfach nichts sagen. München ist meine Heimat und nicht Österreich oder Tunesien. Da liegen nur meine Wurzeln.

Vielleicht bist du bei der Frage einfach der falsche Ansprechpartner. Aber es gibt schon auffallend wenig – zumindest ausländisch aussehende – junge, deutsche Schauspieler. Ist das vielleicht auch so, weil noch sehr wenig entsprechende Rollen für Filme geschrieben werden?
Da hat sich in den letzten Jahren aber ziemlich viel getan. Man wird nicht mehr nur als Drogendealer besetzt. Vielleicht ist es aber auch so, dass sich einige der jungen Menschen mit eben diesem Migrationshintergrund nicht wirklich mit der deutschen Schauspiellandschaft identifizieren können und sich deshalb auch nicht für den Beruf interessieren.

Du warst auf einem römisch-katholischen Internat und im Internet findet man, dass du die Zeit als grausam bezeichnet hast. Ist ein bayrisches Internat so streng, wie es klingt?
Die Zeit im Internat war schon wirklich grausam. Aber ich war ja nur eineinhalb Jahre da. Die restliche Schulzeit empfand ich eigentlich immer als ganz ok. Natürlich gab es gute wie schlechte Zeiten, aber rückblickend war das 'ne tolle Zeit.

Findet er keine Freundin?

Wie sieht's sonst aus mit den Sachen, die über dich im Internet stehen? Alles wahr?
Vieles, was ich so mitbekomme, stimmt nicht oder ist schlecht recherchiert. Das stellt man meist in Interviewsituationen fest, wenn man von Journalisten damit konfrontiert wird. Gerne wird da auch immer auf Wikipedia zurückgegriffen und ich werde dann nach meinem schauspielernden Bruder gefragt, was zum Beispiel eine Fehlinformation ist.

Nach einem Interview, das du einmal der "Brigitte Balance" gegeben hast, gab es eine Flut an Medienberichten mit dem Inhalt "Dieser Mann findet keine Frau". Was ist denn da passiert?
Ich wurde gefragt, ob es denn nicht einfacher sei, mit einem gewissen Bekanntheitsgrad Frauen kennenzulernen. Ich erwiderte, dass das durchaus auch ein Hindernis sein kann, weil man unter Umständen nicht erkennt, ob das Gegenüber wirklich an der eigenen Person interessiert ist. Und das kam dann dabei heraus. Aber ist ja irgendwie auch nett, wenn sich so viele Menschen Gedanken um mein Liebesleben machen. Es gibt allerdings keinen Anlass zur Beunruhigung.

"Mein Kleiderschrank kann ruhig brennen"

Das sind wohl die Begleiterscheinungen der Berühmtheit. Wenn man bekannt ist und obendrauf in München wohnt, wird man doch sicher auf all die Münchener VIP-Bussi-Bussi-Partys eingeladen, oder?
Für so was bin ich überhaupt nicht der Typ, wahrscheinlich haben die auch gar
nicht auf dem Schirm, dass ich wieder in München wohne. Ich bin ganz froh, dass ich hier denselben Freundeskreis von früher habe und weiterhin ein Privatleben abseits der Filmbranche führe. Am liebsten treffe ich mich mit Freunden, gehe an die Isar, koche abends mit meinen Leuten oder gehe mal einen trinken. Aber bestimmt nicht im P1.

Aber man sieht dich auch auf roten Teppichen oder bei Modeevents. Bedienst du dich dafür eigentlich am eigenen Kleiderschrank oder wirst du eingekleidet?
Ich habe das Glück, dass mich Burberry oft mit Klamotten für wichtige Anlässe versorgt. Auf einer Modenschau war ich allerdings erst einmal. Ansonsten mache ich mir da nicht so viele Gedanken, bei Männern ist das ja auch keine große Schwierigkeit. Bei Frauen ist das schon anders. Da achten auch viel mehr Leute drauf, was sie wie tragen.

Ist dir Kleidung denn sehr wichtig? Du hast vor einiger Zeit mal deine Jacke an dritter Stelle der Dinge genannt, die du aus deiner Wohnung retten würdest, würde sie brennen …
Das ist eine Lederjacke, nach der ich sehr lange gesucht habe und die mein absolutes Lieblingsstück ist. Ansonsten ist mir mein Kleiderschrank nicht so wichtig. Der kann ruhig brennen.

Du trägst auf sämtlichen Fotos eine Kopfbedeckung, aber man sieht nie dieselbe …
Wenn, dann meistens aus Bequemlichkeit. Ich habe ziemlich störrische Locken und sehe aus wie Tingeltangel-Bob, wenn ich mit längeren Haaren aus der Dusche komme. Da ist es am einfachsten, schnell ein Cap aufzusetzen.

Häufig verrät der Kleiderstil etwas über Hobbies. Müsstest du dann nicht Boarderwear tragen?
Nee, das ist nicht so mein Ding. Aber tatsächlich liebe ich Winter- und Wassersport. Im Sommer fahre ich Wake- oder Kiteboard und ich freue mich schon riesig darauf, in den Bergen in der Nähe von München bald wieder Ski und Snowboard fahren zu können!

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