Interview Fabian Hambüchen
Das Pferd ist nicht Fabian Hambüchens Parade-Gerät, sondern das Reck | Foto: BVR

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Fabian Hambüchen: Aus "Turnfloh" wird Student

Der Überflieger im Interview

"Leichtathletik und Schwimmen – das mache ich nicht so 'aus der kalten Hose'."

UNICUM: Dein Vater ist gleichzeitig dein Trainer. Wie kommt er damit klar, dass du die Heimat verlassen hast?
Fabian Hambüchen: Mein Vater hat selbst an der Sporthochschule studiert und von ihr geschwärmt. Er weiß, dass ich hier die besten Möglichkeiten habe, Studium und Training zu kombinieren und er betreut mich auch weiterhin. Montags und dienstags ist er meistens hier in Köln. Und ich fahre am Wochenende zurück nach Wetzlar. Es läuft alles sehr gut.

Sprichst du zuhause mit deiner Freundin viel über das Thema Turnen?
Ich muss nicht den ganzen Tag übers Turnen reden und bin froh, wenn ich über normale Dinge reden kann. Da ist das Zusammenleben mit meiner Freundin wirklich sehr entspannt. Inzwischen kennt sie sich aber auch schon ganz gut im Turnen aus.

Ist euer Zusammenleben auch im Hinblick auf den Haushalt entspannt? Wie teilt ihr euch die Arbeit auf?
Die Hornhaut an meinen Händen schützt mich vor Rissen und Blasen, die man schnell beim Turnen bekommt. Manche Putzmittel enthalten Säuren, die die Schicht angreifen. Mit denen sollte ich möglichst nicht in Berührung kommen. Dafür bringe ich mich bei anderen Dingen wie Staubsaugen und Kochen voll ein.

Wie reagieren die Leute am Campus so auf dich?
Die meisten sind locker drauf, schlagen einem auf die Schulter und sagen: "Hey, cool, dass du auch da bist!" Am Anfang kam natürlich immer die Frage, ob ich den Eignungstest gemacht habe.

Und? Hast du?
Nicht im offiziellen Rahmen, weil es zeitlich nicht ging. Das war vor Olympia, da wollte ich nichts riskieren. Ich musste mich natürlich für diesen Test vorbereiten. Leichtathletik und Schwimmen – das mache ich nicht so "aus der kalten Hose". In der Einführungswoche habe ich dann aber die komplette Eignungsprüfung abgelegt.

"Es ist schön zu sehen, dass hier keiner sagt: 'Oh, der Angeber'!"

Im Turnen hast du mit der vollen Punktzahl abgeschlossen, oder?
Na klar. Turnen war morgens direkt durch. Demnächst werde ich einen Praxis-Kurs Turnen belegen, das wird bestimmt ein Highlight. Da steigere ich mich dann richtig rein, hole alles aus mir heraus. Im letzten Semester hatte ich schon Trampolin-Turnen. Es ist schön zu sehen, dass dann hier keiner sagt: "Oh, der Angeber!" oder so. Alle hatten Bock was zu sehen und mitzumachen.

Was bringen dir denn in deinem Studiengang "Sportmanagement und Kommunikation" die Praxiskurse?
Es schadet nicht, ein bisschen Know-how zu haben, um bei Unternehmen später Sponsoren zu suchen und das Ganze besser verkörpern zu können. Ich finde super, dass das Grundstudium für alle gleich ist, auch für die Sportjournalisten. Mich selbst ärgert bei Interviews, wenn die Leute überhaupt keinen blassen Schimmer von der Sportart haben und dumme Fragen stellen.

Wurdest du als Kind manchmal geärgert, weil Turnen nicht der typische Jungs-Sport ist?
Das gab es schon. Oder es gab immer mal ein paar Sprüche, weil ich früher immer der Kleinste in der Klasse war. Aber ich habe mich nie davon beeinflussen lassen.

Was macht denn den ganz besonderen Reiz der Sportart für dich aus?
Den Körper zu kennen, ganz genau zu wissen, wo man sich in der Luft befindet, die ganze Koordination. Vor allem am Reck, was ich am meisten liebe. Das Gefühl zu fliegen und trotzdem so viel Kontrolle zu haben, dass man die Stange wieder fassen kann und später sicher im Stand landet.

Dann bist du bestimmt besonders schwindelfrei und fährst gerne Achterbahn.
Ja! Letztes Jahr auf dem Oktoberfest war ich mit meiner Freundin in so einer riesigen Achterbahn. Es ging schön kopfüber und sie wusste überhaupt nicht mehr, wo wir sind. Ich habe mir immer – so wie ich es im Turnen auch mache – irgendwo einen Fixpunkt gesucht, auf den ich mich dann konzentriert habe. Schon während der Fahrt habe ich gedacht: "Wie geil ist das, wenn man zu jeder Zeit weiß, wo man ist."

Weißt du auch schon, wo du in ein paar Jahren beruflich stehst?
Eine hundertprozentige Vorstellung habe ich noch nicht. Ich könnte mir vorstellen, in Richtung Medien zu gehen. Oder in die Agentur meines Managers einzusteigen, vielleicht eine Zweigstelle in Köln aufzumachen. Trainer möchte ich nicht unbedingt werden.

Und was den zeitlichen Rahmen betrifft?
Momentan mache ich das volle Pensum und schaue, wie es läuft. Aber ich möchte 2016 nochmal in Rio starten und danach meinen Bachelor fertig haben. Also spätestens 2017 möchte ich dann ins Berufsleben übergehen oder einen Master dranhängen.


Fabian Hambüchen Studium

Fabian Hambüchen

  • Seine Körpergröße von 1,63 Meter brachte Fabian Hambüchen (Jahrgang 88) den Spitznamen "Turnfloh" ein.
  • Der bisher größte Erfolg war der WM-Titel 2007 am Reck.
  • Nach Bronze in Peking und Silber in London soll in Rio 2016 endlich olympisches Gold her.
  • 2010 gewann er zusammen mit seinem Vater 125.000 Euro beim Prominenten-Special von "Wer wird Millionär?".
  • Auch beim "TV total Turmspringen" war er schon oft dabei.

Fabian Hambüchen BuchUNICUM Buchtipp

Mächtig Wirbel macht Fabian Hambüchen nicht nur am Reck, sondern auch in den Medien. Das bewies er im September 2010, als seine Biografie im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschien. Auf 272 Seiten plaudert er munter über Mobbing wegen "seines Schwuchtelsports", die Drogensucht seiner Ex-Freundin und darüber, wie seine Mutter ihn beim Sex erwischte. Seine Turner-Kollegen fanden es einfach peinlich und lästerten öffentlich über ihn ab.

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