Harro Füllgrabe
Geht gerne über Grenzen: Harro Füllgrabe | Foto: ProSieben MAXX
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09. Feb 2016

Ann-Christin Kieter

Promis & Interviews

Harro Füllgrabe: "Ein bisschen Vernunft bei all den verrückten Geschichten"

Extrem-Reporter mit neuem Abenteuer-Magazin

Gefährliche Berufswahl

Harro Füllgrabe: Entschuldigung, dass ich nicht zur verabredeten Zeit anrufen konnte.

UNICUM: Kein Problem. Ich bin ja nur froh, dass dir nichts passiert ist. Man muss ja immer mit dem Schlimmsten rechnen, wenn man hört, dass du gerade drehst ...
(lacht) Ach, diesmal war es wirklich etwas ganz Harmloses.

Also vermutlich kein Dreh für dein neues Abenteuer-Magazin "Off Limits". Was war denn das Schlimmste, das du dafür machen musstest?
Bislang das, was mit Klettern zu tun hatte. Das Übernachten an der 300 Meter senkrecht abfallenden Felswand war krass (Foto unten). Das kam aber eher durch die extremen Wetterbedingungen. Viel krasser war der Moment sich über einen Felsvorsprung herüber zu wagen und sich und sein Körpergewicht diesem einen Seil anzuvertrauen. Da kommen plötzlich alte Filme in den Kopf, in denen das Seil ein paar Mal über einen Stein reibt und dann abreißt.

Was ist die Intention hinter dem Format? Siehst du für dich auch eine Art Lehrauftrag?
Das ist eine Mischform. Es ist klar, dass wir kein Schulfernsehen machen. Wir wollen unterhalten und bedienen uns dabei auch ein bisschen dem Voyeurismus: Wie schlägt sich der Harro jetzt in der Situation? Aber definitiv nimmt der Zuschauer eine gewisse Portion Wissen über das Abenteuer mit. Zum Beispiel in der erste Folge "Gletscherspalte": Da ging es um die Frage: Wie kommt man da wieder raus? Man lernt Techniken kennen, wie das im Fall der Fälle funktioniert.

Alles andere als TÜV-geprüft

Spornen dich deine Fans manchmal zu noch waghalsigeren Taten an?
Es gibt schon welche, die wollen, dass ich mich mal auf einen Gulli-Deckel stelle und zwei CT-Bomben drunter mache. Aber in den meisten Fällen sind sie eher erstaunt. Da höre ich dann: "Boah, was du dir alles zutraust". Es gibt sicher Leute, die noch einen Schritt weitergehen. Aber wenn man das so lange wie möglich machen möchte – und das will ich – dann muss man auch ein bisschen vernünftig sein bei all den verrückten Geschichten.

Hast du denn aus Vorsicht schon mal eine Situation abgebrochen?
Tatsächlich noch nie. Aber es gab mit Sicherheit Situationen, in denen ich die Geschichten nach Absprache mit Redaktion und Kamera ein bisschen verändert habe, weil ich dachte: Das wäre Wahnsinn, sich da in ein solches Risiko zu begeben. Einmal ging es zum Beispiel darum, mit der Drahtseilbahn in Kolumbien zu fahren. Das sind 20 Jahre alte Drahtseile, gespannt über eine 300 bis 400 Meter hohe Schlucht – das war alles andere als TÜV-geprüft. Der Kamera-Mann wollte damit nicht fahren, das habe ich total respektiert. Dementsprechend habe ich das dann eingeschränkt. Wir haben uns darauf geeinigt, nur die Fahrten zu machen, die unbedingt nötig sind. Im Endeffekt waren es vier. Ich wollte nicht auf Teufel komm raus das Teil kaputt fahren.


Off Limits mit Harro Füllgrabe

Ein Unfall hätte auch böse enden können

Hast du dich bei einer Aktion schon mal ernsthaft verletzt?
Es gab zum Glück nur einen einzigen Unfall – ich klopfe hier mal eben auf Holz. Ich habe mit einem Downhill-Profi die steilste Strecke der Welt erkundet. Am Anfang habe ich alles richtig gemacht und habe mein Fahrrad zu 80 Prozent auf dem Rücken getragen und bin ganz abenteuerlich die steilen Streckenteile runtergerutscht. Aber zum Schluss hat mich doch der Ehrgeiz gepackt. Bei einem Doppelhügel war ich zu langsam, um – wie die Profis es machen würden – von Hügelkamm zu Hügelkamm zu springen. Aber auch zu schnell, um zu bremsen. Ich bin mit dem Kopf in den Gegenhang geknallt. Es musste ein Rettungshubschrauber kommen. Aber ich hatte zum Glück nur eine Rippe gebrochen und eine ziemlich starke Prellung im Rückenbereich. Das hätte auch richtig böse ausgehen können.

Wie leicht fällt es dir, deinen Guides zu vertrauen?
Ich bin einer der wenigen, die noch so ein Urvertrauen haben (lacht). Nein, im Ernst. Ich muss mich ja auf die Experten verlassen können. Wenn es beispielsweise darum geht, einen Tandem-Sprung aus 10.000 Metern Höhe zu machen, bleibt mir nichts anderes übrig, als meinem Partner zu vertrauen, denn in der kurzen Zeit lerne ich das nicht selbst. Und wenn man anfängt, mit einer Person zu arbeiten, bekommt man so langsam ein Gefühl für sie. Ist das ein Dummschwätzer oder ein echter Experte? Es ist also wichtig, dass der Guide mir ein sehr gutes Gefühl gibt – was nichts daran ändert, dass man in dem Moment, in dem es losgeht, doch gewaltig die Buchsen voll hat.


Mehr über Harro Füllgrabe

Harro Füllgrabe
  • Harro Füllgrabe (41) studierte Sportpublizistik und Medien-Kommunikationswissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln, schloss das Studium jedoch nicht ab.
  • Seine TV-Karriere begann als Sportmoderator bei Sat.1 – "ran". Doch irgendwann kam ein Anruf, ob er nicht Lust hätte, eine Stunt-Szene aus Knight Rider nachzuspielen, er sollte mit einem Auto in einen LKW reinfahren. Für den selbsternannten "Challenge-Typ", der schon als Kind weltweite Abenteuer mit seinen Eltern erlebt hat, genau das Richtige.
  • Seitdem ist er hauptsächlich als Extrem-Reporter für ProSieben (u. a. "Galileo") im Einsatz und nun auch als Host für sein Abenteuermagazin "Off Limits mit Harro Füllgrabe" auf ProSieben MAXX.

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