Jonas Dassler LOMO
In LOMO spielt Jonas Dassler den rebellischen Karl. | Foto: Michal Grabowski/Flare Film GmbH
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09. Jul 2018

Marvin Kesper

Promis & Interviews

Jonas Dassler im Interview: "Ich war nie wirklich ein Rebell."

Jonas Dassler nutzt keine sozialen Medien

UNICUM: In LOMO spielst du einen Teenager, der nach und nach die Kontrolle über sein Leben an das Internet verliert. Wie nah ist diese Geschichte an der Realität?
Jonas Dassler: Wie nah die Geschichte an der Realität ist, weiß ich nicht. Es ist natürlich verdichtete Realität. Hitchcock hat mal gesagt: "Film ist wie Leben, nur ohne die Stellen, wo nichts passiert." Aber ich glaube, dieser Drang die Welt zu verstehen und sich dazu Gleichgesinnte im Internet zu suchen  ̶  der besteht natürlich genau so auch im realen Leben. Dass Menschen dadurch den Bezug zur Realität verlieren, gibt es ja tagtäglich. Die Frage, ob das was Karl im Film passiert auch Menschen im echten Leben passieren kann, habe ich mir noch gar nicht gestellt. Aber denkbar ist es doch, oder?

Bist du durch die Rolle als Karl vorsichtiger im Internet geworden?
Nee, also dahingehend habe ich mich gar nicht verändert. Das Internet war vor dem Film schon kein großes Thema bei mir und ist es danach auch nicht wirklich.

Welche Rolle spielen denn soziale Medien in unserer Gesellschaft? Haben sie so eine starke Macht über uns wie in LOMO?
Ich denke schon. Wenn manch ein Präsident das ganze Weltgeschehen über Tweets kontrollieren kann, dann zeigt das ja, welch große Macht das Internet und soziale Medien haben.

Wir posten wahllos Dinge über uns bei Snapchat, Instagram und CO. Frei nach Karls Motto: "Wen interessiert denn schon dein Privatleben?" Wie stehst du dazu? Was sollte man im Internet von sich preisgeben und womit sollte man aufpassen?
Ich hab immer Probleme damit, das so zu verurteilen. Es scheint ja einen Grund dafür zu geben, ein Wunsch nach Aufmerksamkeit und Selbstdarstellung oder so. Warum das so viele machen und das so in unserer Gesellschaft integriert ist, dass man einen Instagram-Account hat und es auch Teil des privaten Lebens ist, das weiß ich nicht. Ich glaube, dass wir Menschen unglaublich neugierige Wesen sind die ganz viel wissen wollen, deswegen verstehe ich dieses Interesse an gewissen Personen und dass Leute auch soziale Medien füttern. Mich persönlich interessiert es aber nicht, welches Frühstück du heute gegessen hast.

Gibt es denn da für dich Grenzen, was nun ins Internet gehört und was nicht?
Eigentlich wissen wir ja alle selbst, was da nicht reingehört. Aber manche interessiert es, was jemand anderes zum Frühstück gegessen hat. Für mich ist da aber schon die Grenze. Das geht niemanden etwas an und wenn derjenige es wissen will, dann kann er mich fragen oder ich erzähle es von mir aus, wenn ich etwas ganz toll fand. Aber das man das mit der ganzen Welt teilen muss, verstehe ich nicht. Ich selbst bin aber nicht in sozialen Netzwerken und ich bin da auch kein Experte.

Und warum bist du nicht bei Facebook, Instagram und Co.?
Der Hauptgrund ist eigentlich das fehlende Interesse, diese Plattformen zu füttern. Ich wüsste nicht, was ich machen oder wissenswertes ins Netz stellen sollte. Bei Leuten wie Jan Böhmermann oder so, da verstehe ich das. Die funktionieren über so eine Plattform und feuern Diskussionen an. Das ist dann natürlich spannend, da sie mit den sozialen Medien viele Leute erreichen, aber ich bin in dieser Hinsicht einfach nicht so aktiv und sehe mich da als Schauspieler auch nicht unbedingt in der Lage dazu.



Musiker war Jonas Dasslers Traumberuf

In LOMO hast du zusammen mit Lucie Hollmann ziemlich intime Szenen gedreht. Wie war das für dich? War das ein bisschen komisch oder ist das für dich als Schauspieler Routine?
Also bei uns am Set waren alle sehr umsichtig miteinander. Natürlich ist das sensibler wenn man nackt voreinander steht, aber wir sind da alle sehr professionell mit umgegangen. Dadurch wurde es einem deutlich leichter gemacht.

Karl ist ein rebellischer Teenager, der sich von Niemandem etwas sagen lässt. Warst du ähnlich wie Karl und konntest dich mit ihm identifizieren?
Nee, ich war nie wirklich ein Rebell. Ich hatte immer relativ viele Ausdrucksmöglichkeiten wie Musik, Sport oder Theater. Ich hab nie so eine Pubertätsrebellion oder auch später eine Rebellion gegen das Elternhaus oder das Establishment gehabt.

War es schon immer dein Traum Schauspieler zu werden? Oder was wolltest du als Kind mal werden?
Also als Kind hatte ich diffuse Träume davon, was ich mal werden möchte. Von Geheimagent bis Astronaut oder Feuerwehrmann und Wrestler. Dann kam es, dass ich angefangen habe Musik zu machen. Ich hatte auch eine Band und hab mit dem Gedanken gespielt, Musiker zu werden. Dann habe ich aber relativ schnell gemerkt, dass ich keine Lust habe Noten zu lernen, womit sich eine Musikhochschule dann ausgeschlossen hat. Als wir dann mit der Band die ersten Konzerte gespielt haben, habe ich auch gemerkt, wie schwer es ist, mit einer Band erfolgreich zu sein und Geld zu verdienen. Dann habe ich irgendwie das Theater gefunden, indem mich die Theaterlehrerin angesprochen hat, ob ich nicht mitmachen wollen würde. So hab ich dann irgendwie die Nische gefunden, die auch etwas mit Bühne, Spiel, Aufmerksamkeit und mit Leuten und Texten  zu tun hat.

Und wie bist du vom Theater zum Film gekommen?
Auch eher durch Zufall. Tatsächlich auf einer Gartenparty vom Berliner Festspielhaus ist eine Casterin auf mich zugekommen und so hat das dann alles angefangen. Ziemlich kitschig eigentlich.


Karl LOMO Jonas Dassler


Jonas Dassler: "Hollywood ist mehr ein Jugendtraum"

Du wurdest für LOMO mit dem Bayrischen Filmpreis als der beste Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. Wie sehr hast du dich über den Preis gefreut und verspürst du jetzt einen gewissen Druck, in Zukunft noch mehr abliefern zu müssen?
Das Gute ist ja, dass nächstes Jahr direkt wieder ein neuer gekürt wird und davor das Jahr auch schon. Das relativiert es natürlich. Also die Gedanken, an steigenden Druck, gibt es, aber der ist eigentlich nicht so präsent. Ich hab mich natürlich riesig gefreut über den Preis, weil es einfach eine Anerkennung und eine Wertschätzung ist, für das was man macht. Das ist natürlich toll. Dann muss man aber gucken, was daraus passiert und wie man das nutzen kann und was für Sachen noch dazu kommen.

Du bist jetzt 22, also noch am Anfang deiner Karriere. Wo siehst du dich selber in zehn oder 15 Jahren?
Ehrlich gesagt, versuche ich solche Zukunftsgedanken eher auszublenden, weil das Bilder sind, die mich unter Druck setzen. Klar gibt es gewisse Ansporne, die sich aber gar nicht an gewissen Bildern orientieren, wie: ich muss mit einem bestimmten Regisseur, einem bestimmten Film oder an einem bestimmten Ort gedreht haben. Natürlich gibt es Wünsche, aber ich glaube so glücklich und gesund leben zu können wie im Moment, das ist mein größter Zukunftswunsch.

Gibt es bestimmte Richtungen in die du dich Entwickeln möchtest? Soll es vielleicht wirklich mal Hollywood sein?
Keine Ahnung! Wenn man als Schauspieler anfängt ist Hollywood immer wieder mal Thema, aber mehr wie ein kleiner Jugendtraum. Amerika ist in Sachen Film auch ganz anders als bei uns, das ist eine Industrie und ob ich das will, weiß ich gar nicht. Der Kölner sagt immer: "Es kommt wie es kommt!"

Also hast du auch keine Rolle die du irgendwann vielleicht mal spielen möchtest?
Nee, das ist bei mir genau wie mit den Zukunftswünschen. Ich habe keine klaren Bilder nach denen ich strebe. Ich habe im Moment schon sehr viel, was ich mir erträumt habe, sogar mehr als das. Aus diesem Grund weiß ich gar nicht, was noch kommen soll. 


Lomo Filmplakat Jonas DasslerUNICUM Filmtipp

LOMO - The Language of Many Others

Drama

Regie: Julia Langhof

Verleih: farbfilm verleih

Kinostart: 12. Juli 2018 

 

 

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