After Passion Film
Für Anna Todd (re.) ist Josephine Langford (li.) die perfekte Besetzung für die Verfilmung von "After Passion" | Foto: Constantin Film/Valorie Darling
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03. Apr 2019

Sandra Ruppel

Promis & Interviews

Josephine Langford & Anna Todd im Interview zu "After Passion"

Josephine Langford spielt in "After Passion": Darum geht's!

Tessa Young (im Film gespielt von Josephine Langford) ist Ersti an der Uni. Sie hat super Noten, einen netten Freund und hört immer auf das, was ihre Mutter sagt. Allerdings dauert es nicht lange, bis sie sich in ihren Kommilitonen Hardin Scott verliebt (im Film gespielt von Hero Tiffin-Fiennes).

Der ist das totale Gegenteil von Tessa. Er ist nicht nur tätowiert, sondern hat auch ein problematisches Verhältnis zu seinen Eltern. Feste Partnerschaften waren noch nie sein Ding, stattdessen hat er einen One-Night-Stand nach dem nächsten. Nichtsdestotrotz entwickelt sich zwischen Tessa und Hardin eine On-Off-Beziehung, die neben einer starken körperlichen Anziehung auch davon geprägt ist, dass beide einander immer wieder richtig mies behandeln. Ob sie aus diesem Muster herauskommen und zu einer Liebe finden, die auf Respekt und Wertschätzung basiert?

Entstanden ist die Geschichte um Tessa und Hardin ursprünglich als Fan-Fiction, Buchautorin Anna Todd hatte hierbei Harry Styles im Hinterkopf, Mitglied der Band One Direction. 2013 hatte die damals 24-Jährige die Story – größtenteils auf ihrem Smartphone – geschrieben und nach und nach über die Online-Plattform Wattpad veröffentlicht.

Was als Freizeit-Fun-Projekt begonnen hat, ist inzwischen ein internationaler Bestseller: Seit 2015 ist die After-Trilogie in Deutschland in Buchform erhältlich, die Story ist auf 30 Sprachen erschienen und Anna Todd ist heute nicht nur erfolgreiche Autorin, sondern wirkt auch als Produzentin an der After-Passion-Verfilmung mit. Für Josephine Langford ist die Rolle der Tessa die erste Kinohauptrolle.


After Passion Film: Die Story wurde ans Jahr 2019 angepasst

UNICUM: Anna, was war dir bei der Verfilmung deines Buches "After Passion" besonders wichtig?
Anna: Vor allem zwei Punkte: Zum einen, dass meine Leser happy mit dem Film sind. Es gibt bestimmte Dialoge, Kleidungsstücke und Songs, die für die Geschichte charakteristisch und meinen Lesern super wichtig sind. Für mich war deshalb klar: Diese Details müssen mit in den Film! Ich habe mir eine Liste gemacht und sichergestellt, dass alles Wichtige übernommen wird. Allerdings mussten wir manches auch anpassen. Ein Film ist eben ein ganz anderes Medium, als ein Buch und wir mussten dafür sorgen, dass die Zuschauer innerhalb von 90 Minuten einen Zugang zur Geschichte und den Figuren bekommen.

Und zum anderen war mir wichtig, dass wir die Story etwas modernisieren. Denn manche Szenen wirken in einem Buch einfach anders, als auf der Leinwand. Besonders in Bezug auf Hardin mussten wir manches ändern. An einigen Stellen habe ich beispielsweise gemerkt: "Äh ja… Das kann er im Film auf keinen Fall so sagen." Außerdem haben wir die Geschlechter und die ethnische Herkunft einiger Figuren geändert.

Anna Todd: "Wir brauchen mehr Diversity in Büchern und Filmen!"

War dir diese Änderung unter dem Aspekt Diversity wichtig?
Am Anfang war die Geschichte einfach Fan-Fiction. Ich hatte eine ganz bestimmte Gruppe von Leuten im Kopf. Deshalb hatte ich damals keinen Raum, um in diesem Punkt etwas zu verändern. Aber in Bezug auf den Film ist uns klargeworden, dass wir jetzt die Chance haben, die Figuren diverser zu gestalten. Mit den Anpassungen, die wir für den Film gemacht haben, sieht beispielsweise der Campus viel eher wie ein Campus aus. Nämlich viel diverser, als im Buch. Und das brauchen wir: mehr Diversity in Büchern und in Filmen!


After Passion Film Josepine Langford Interview


Die MeToo-Bewegung hat Anna Todd beeinflusst

Du hast gesagt, dass auch die MeToo-Bewegung Einfluss auf den Film hatte. Inwiefern?
Vor allem hatte die Bewegung Einfluss auf meine Einstellung und meinen Gedanken-Prozess: Ich finde es – wie viele andere Autoren und Leser – spannend, Storys zu eher düsteren Themen wie Suchtverhalten, schwierige Kindheit oder toxische Beziehungen zu lesen. Trotzdem bin ich aus heutiger Sicht stellenweise über mich selbst und das, was ich geschrieben habe, erstaunt: Besonders, was Hardins Verhalten angeht. Manches würde ich heute so nicht mehr schreiben und frage mich: "Was zum Teufel habe ich mir denn bitte damals dabei gedacht?"

In einer Szene im Buch zeigt Hardin seinen Freunden zum Beispiel eine blutige Stelle auf dem Bettlaken, die beweisen soll, dass er Tessa entjungfert hat. So etwas würde ich heute ganz sicher nicht mehr schreiben.

Insgesamt finde ich, jeder sollte schreiben dürfen, was er oder sie will – aber ich weiß für mich auch, dass ich in den sechs Jahren gewachsen bin, seit das Buch entstanden ist. Ich bin reifer geworden und habe mich natürlich auch als Frau weiterentwickelt. Das ist ein weiterer Grund für die Änderungen im Film: Mir war wichtig, eine zeitgemäße, das Selbstbewusstsein stärkende Version der Story zu transportieren.

Hattest du Sorge, dass gerade Jüngeren vermittelt wird, Tessas und Hardins Beziehung sei normal und insbesondere Hardins Verhalten sei ok?
Ich bin mir darüber bewusst, dass unter meinen Lesern viele Teenager sind – ich merke an ihren Kommentaren auf Wattpad und Social Media aber, dass ihnen total klar ist, dass Hardin ziemlich viel Scheiße baut. Und nicht umsonst habe ich, als ich die Geschichte für das Buch überarbeitet habe, entschieden, dass Tessa und Hardin längere Zeit getrennt sein sollten und er Therapie machen muss.

Es muss möglich sein, auch Geschichten mit heiklen Themen zu erzählen. Selbst in "The Brightest Stars" geht es um Rassismus, Missbrauch und das Militär. Ich werde nie ein Buch schreiben, das nicht wenigstens ein bisschen kontrovers ist. Trotzdem habe ich den Anspruch an mich, es besser zu machen. Ich denke, das sollten wir alle versuchen! Denn wenn ich mir Shows wie "Game of Thrones" oder "Vampire Diaries" anschaue – beides Shows, die ich sehr liebe – dann merke ich, dass die Grenze zwischen Unterhaltung und den Botschaften, die da transportiert werden, oft auch nicht deutlich gezogen ist.



Josephine Langford: Wäre die Story über ein glückliches Paar, wäre es doch langweilig!

Josephine, du hast zur Vorbereitung auch die After-Trilogie gelesen, oder?
Josephine: Ja, ich hatte nur ein kleines Zeitfenster für die Vorbereitung, bevor es dann richtig mit den Proben und dem Dreh losging. Vielleicht 10 Tage. Ich habe also so viel gelesen, wie ich konnte: Das erste Buch ganz, das zweite zur Hälfte. Das dritte habe ich inzwischen auch schon fast fertig gelesen.

Wie hat es sich für dich angefühlt, Tessa zu spielen – auch im Hinblick auf die schwierige Beziehung zwischen ihr und Hardin?
Als ich die Bücher gelesen habe, hat es mich auf jeden Fall auch frustriert, dass die beiden Figuren zwar verliebt sind, aber die ganze Zeit so krass streiten. Dass sie sich trennen und wieder zusammenkommen – aber darum geht es nun mal in den Büchern. Einerseits nervt das. Aber andererseits ist es auch genau das, was dich weiterlesen lässt. Und ehrlich gesagt finde ich so eine Story auch viel spannender, als wenn es um ein Paar geht, das sich trifft, verliebt und für immer glücklich zusammen ist (lacht).

Josephine Langford: Diese Herausforderungen gab es beim Dreh

Gab es denn eine schwierige Szene oder einen herausfordernden Moment für dich am Set?
(Josephine überlegt kurz) Ja. Ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber es gibt eine Szene gegen Ende – das ist auch etwas anders, als im Buch – die extrem emotional ist. Wir hatten 16 Stunden für die Szene. Und es ist sehr schwer, 16 Stunden am Stück zu weinen. Das war ziemlich anstrengend und aufwühlend. Aber als Schauspieler ist das eben dein Job. Ich habe versucht, zwischendurch nicht herumzualbern. Aber ansonsten muss man sich in so einer Situation einfach konzentrieren und es durchziehen.

Josephine Langford: "Sex-Szenen drehen, ist wie Tanzen"

Im Buch gibt außerdem auch recht explizite Sex-Szenen. Hast du dich darauf irgendwie besonders vorbereitet oder deine Schwester Katherine Langford um Rat gefragt?
Dafür gab es ja die Proben. Die Regisseurin Jenny Gage, Hero und ich haben alles durchgesprochen und durch choreographiert. Wenn man solche Szenen dreht, ist es ein bisschen wie tanzen. Du musst herausbekommen, wo du deine Hände hintust – und wo nicht (lacht).


After Passion Film Hero Tiffin Fiennes


Anna Todd: "Du musst dich erstmal selber lieben!"

Anna und Josephine, habt ihr Tipps für junge Menschen, die sich in einer ungesunden, toxischen Beziehung befinden?
Anna:
Es kommt auf die Situation an und jede Beziehung ist anders, aber: Wenn du nicht die beste Version deiner selbst bist, während du mit jemandem zusammen bist oder wenn die Person nicht wenigstens den Wunsch in dir auslöst, eine bessere Version deiner selbst zu werden, dann tut dir diese Person nicht gut. Und, ganz wichtig: Du musst dich erstmal selbst lieben, bevor jemand anderes dich lieben kann.

Außerdem: Egal, ob du Mann, Frau, hetero- oder homosexuell bist, ob verheiratet bist oder nicht – niemand wird sich ändern, nur weil du jetzt mit dieser Person zusammen bist. So funktioniert das im echten Leben einfach nicht. Wenn es sich also jemals so anfühlt, als müsstest du jemanden grundlegend umkrempeln, oder so, als ob dein Partner dich grundlegend ändern will, dann stimmt was nicht. Es lohnt sich nicht, damit seine Zeit zu verschwenden.

Josephine: Im Film ist die Beziehung zwischen Tessa und Hardin eine sehr normale, liebevolle Teenager-Beziehung, Sie baden zusammen, sie picknicken gemeinsam und hängen im Aquarium ab.

Auf das Buch bezogen, ist es etwas komplexer – das ist Fiktion. Aber wenn man mit jemandem eine Beziehung hat, die einen so sehr beherrscht oder die insgesamt ungesund ist, dann sollte man mit jemandem darüber sprechen und sich Hilfe holen.


Josephine Langford im Spotlight

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