Luke Mockridge Interview
Ab dem 09. Februar ist Luke im "Lego Batman Movie" zu hören | Foto: © Warner Bros. Pictures Germany

Promis & Interviews

03.11.2016

Chris Tall

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14. Feb 2017

Nina Weidlich

Promis & Interviews

Luke Mockridge: "Mein Bachelor liegt irgendwo verstaubt in der Ecke"

"Von meinem Studium weiß ich nix mehr"

UNICUM: Du bist von einem normalen Gymnasium auf eine internationale Schule gewechselt. Warum?
Luke: Ich kam mit dem deutschen Schulsystem nicht so wirklich klar. Da war alles sehr monologlastig, ständig hieß es: "Jetzt lernt das und das bitte auswendig". Das hat sich mit meinem ungeduldigen Verhalten nicht so wirklich gedeckt. Die internationale Schule war besser, weil sie zum Beispiel mehr Wert auf musische Qualitäten gelegt hat. Da konnte ich dann in Fächern wie Musik oder englische Literatur punkten – das hat mir einfach mehr zugesagt als das stumpfe, deutsche Schulsystem.

Nach der Schule hast du Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert. Ist es dir da nicht ähnlich ergangen wie in der Schule – Stichwort: Bulimie-Lernen?
Mein Studium habe ich damals parallel zur Comedy gemacht und eigentlich nur den nötigsten Aufwand betrieben. Ich war einer dieser "Ich mache gar nix und schreibe irgendwie 'ne 3"-Studenten. Vom Studium weiß ich auch gar nichts mehr. Ich habe zwar einen Bachelor, aber der liegt irgendwo verstaubt rum und ich weiß nicht, ob ich den jemals brauchen werde.

Würdest du also im Nachhinein sagen, dass das Studium Zeitverschwendung war?
Ich bin schon froh, dass ich ein Studium in der Hinterhand habe. Gerade weil das, was ich mache, ja ein sehr undefinierbarer Beruf ist.


Lego Batman Robin


"Mir fehlt das Rucksackjahr in Australien"

Hast du manchmal auch Zukunftsangst?  Dass plötzlich irgendjemand an der Tür klopft und sagt: "Hallo Luke, jetzt musst du aber mal einen richtigen Job machen?"
Ich glaube, Zukunftsangst hat jeder Künstler. Das ist ein relativer Beruf, nicht wie ein Handwerker, der einen Tisch baut und dann ist der Tisch fertig. Wir gehen raus und kreieren Momente mit unserem Publikum. Gerade ist man angesagt, dann ist man nicht mehr angesagt. Das kann alles sehr schnell gehen. Eine Grundangst ist also immer da, aber für mich ist das eher positiv, eine Art Kick. Man muss immer wieder an sich arbeiten und neue Ideen haben – so bleibt man wach und neugierig.

Du hast Studium und Karriere ja ziemlich schnell durchgezogen. Vielleicht zu schnell? Hast du jemals das Gefühl gehabt, etwas zu verpassen?
Mir fehlt so ein bisschen das Rucksackjahr in Australien, das irgendwie jeder Instagrammer in seiner Vita hat. Fotos mit einem Koala auf dem Rücken und so weiter. Aber vielleicht hole ich das irgendwann mal nach – einfach ein halbes Jahr Auszeit, Surfen lernen und Spaß haben.

Was für Typen haben dich im Hörsaal immer besonders aufgeregt?
Ich hatte in meinem Studium auch BWL, und da gab es natürlich die klassische "Ich trage Burberry und mein Vater stellt mir einen Mini hin"-Fraktion. So Sylt-Fahrer halt, die immer sehr auf sich bedacht, anständig und gestriegelt sind. Das kollidiert dann schon mal mit jemandem wie mir, der eher uneitel ist. Ich habe zum Beispiel noch nie eine Frisur gehabt, meine Haare fliegen einfach immer so rum.


InfoLuke, wie war das Studium in...

  • ... Kanada?: Ich bin halber Kanadier und habe meine Sommer immer in Kanada verbracht – deshalb war Kanada ganz cool! Aber im Winter wird es da sehr kalt: Ab Oktober fällt Schnee und der bleibt bis April.
  • ... England?: London fand ich super, weil es mich in der Theater- und Bühnenwelt sehr geschult hat. Ich habe mir viel angeguckt und mich sehr viel mit der Theaterwelt dort auseinandergesetzt.
  • ... Deutschland?: Deutschland ist einfach meine Heimat. Alles hat so seine Vor- und Nachteile, aber am wohlsten fühle ich mich tatsächlich in Deutschland.

"Wir müssen mehr echte Sachen zu erleben!"

In deinem neuen Bühnen-Programm "Lucky Man" geht es um das Leben nach der Schule. Wie kann man am besten entscheiden, was man machen will?
Man muss eher herausfinden, wer man eigentlich ist. Das ist die Frage, die meine Generation sich stellt und die ich auch im Programm behandle. Wir sind ständig unterwegs, inszenieren uns auf Social Media und stellen uns toll dar. Man postet ja keine schwachen Momente, sondern zeigen nur, was für ein geiles Leben wir doch führen – um Neid zu schüren. Die Quintessenz meines Programms ist, dass wir uns darüber nicht definieren sollten. Wir verplempern so viel Zeit damit, fremde Menschen zu beeindrucken, die sich eigentlich selbst auch nur darauf konzentrieren, wieder andere zu beeindrucken. Da gerät man ganz schnell in einen Strudel. Gerade die jüngere Generation – ich ziehe mich da selbst nicht raus – sollte sich mehr darauf besinnen, echte Sachen zu erleben und nicht ständig irgendwelche Momente für die Ewigkeit festhalten zu wollen.

Welche Eigenschaft hat dich denn zum Erfolg geführt?
Die wichtigste Eigenschaft ist, dass ich den Erfolg nicht gesucht habe – er war eher eine Nebenwirkung. Ich habe einfach mein Ding gemacht und Comedy-Programme geschrieben, die ich für lustig hielt. Dabei bin ich mir selbst treu geblieben, und das scheinen die Leute irgendwie gut zu finden. Es gibt viele Menschen, die ihren Erfolg nach einem bestimmten Kalkül planen, aber das durchschaut man ja eigentlich immer relativ schnell. Das sind die, die zwei Jahre lang unterwegs sind, noch einmal den Dschungel mitnehmen und dann sind sie weg. Erfolg ist etwas, das man nicht sucht. Er findet dich, wenn du das machst, was dich glücklich macht und wofür du stehst.

Nervt es dich, wenn Leute sagen, du wärest nur durch das Vitamin B deiner Eltern so erfolgreich geworden?
Ich finde das immer sehr witzig. Als wäre mein Vater zu SAT.1 gegangen und hätte gesagt: "Hallo, ich spiele in der Lindenstraße mit. Können Sie meinem Sohn bitte eine Sendung geben?" So ist das nicht gewesen – und ich hoffe, das glaubt keiner. Lehrerkinder werden ja auch oft Lehrer und Ärztekinder werden oft Ärzte. Da kann es auch passieren, dass Kinder von Schauspielern den Weg auf die Bühne suchen. Ich glaube nicht, dass das der einzige Grund für meinen Erfolg ist. Auf jeden Fall haben meine Eltern nicht alle meine Tourtickets aufgekauft und auch nicht sämtliche Fernseher eingeschaltet, um meine Sendung zu gucken.



"Robin ist wie ich!"

Im "LEGO Batman Movie" sprichst du den Robin. War das deine erste Synchronrolle?
Ja! Ich wollte das zwar immer mal machen, hatte aber nie eine Idee, was für eine Rolle ich sprechen könnte. Bei Robin hab ich dann gesagt: Genau das ist es – quirlig, aufgedreht, manchmal ein bisschen nervig, das passt zu mir.

Hat es dich denn gar nicht geärgert, dass du nicht Batman sprechen durftest?
Batman ist natürlich die coolste Rolle, die man sprechen kann! Allein dieses "Ich bin Batman" mit der tiefen Stimme ist schon super cool. Aber die Lego-Version wird vom Sprecher des "echten" Batman synchronisiert, David Nathan. Der ist einfach so gut, da hätte ich nur die Qualität des Films versaut.

Hast du als Kind selbst mit Lego gespielt, oder warst du eher der Playmobil-Typ?
Ich habe ab und an schon ein bisschen mit Lego gespielt – Playmobil war eher nicht so meins. Aber ich konnte nicht so gut Dinge bauen. Meistens habe ich einfach die Steine ausgelegt, damit mein Vater darauf tritt. (lacht)

Du bist ja generell eher als Kindskopf bekannt. Was nervt dich am Erwachsenwerden am meisten?
Andere Erwachsene. Ich habe mal den Spruch gelesen: "Wird man erwachsen, weil man aufhört zu spielen? Oder hört man auf zu spielen, weil man erwachsen wird?" Das ist auch eine schöne Analogie für den Batman-Film. Wenn man irgendwann mal selbst Kinder haben sollte, entdeckt man wahrscheinlich auch nochmal das Kind in sich. Auf jeden Fall sollte man sich selbst nicht zu ernst nehmen. Ich glaube, wenn wir alle ein bisschen mehr kindliche Naivität in unsere Sichtweisen legen würden, dann wäre die Welt ein besserer Ort.


Lego Batman PlakatUNICUM Kino-Tipp

The LEGO Batman Movie

Animation / Komödie, USA / Dänemark 2017

Synchronstimmen u.a.: David Nathan, Luke Mockridge, Erik "Gronkh" Range

Regie: Chris McKay

Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Kinostart: 09. Februar 2017

Artikel-Bewertung:

3.29 von 5 Sternen bei 174 Bewertungen.

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