Ted Dwane im Interview
"Delta" ist das vierte Studioalbum von Mumford & Sons. | Quelle: Alistair Taylor-Young
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16. Nov 2018

Sherin El Safty

Promis & Interviews

Mumford and Sons: Interview mit Ted Dwane

"Man sollte seine Reichweite verantwortungsvoll nutzen."

Ted Dwane von Mumford and Sons im Interview: "Die Dynamik innerhalb der Band hat sich verändert"

UNICUM: "Guiding Light" ist der erste Song, der bisher von eurem neuen Album "Delta" veröffentlicht wurde. Für den Dreh des Musikvideos habt ihr hundert Fans zu euch eingeladen, die mit euch gemeinsam den Song eingesungen haben. Wieso habt ihr euch für dieses Projekt entschieden?
Ted Drawne: "Guiding Light" ist ein sehr dynamischer Song, voller Energie. Der "Spirit" des Songs war sehr sinnstiftend für das neue Album und kann stellvertretend für das ganze Projekt stehen. Die Songs von "Delta" handeln von Menschen, ihren Erfahrungen und ihren Gefühlen. Aus diesem Grund war es für uns sehr naheliegend, unsere Fans, eben echte Menschen, zu fragen, ob sie Lust haben, gemeinsam mit uns einen Song aufzunehmen.

Was für eine Stimmung herrschte am Drehtag?
Es war großartig. Natürlich weißt du bei solchen Aktionen nie genau, wie das letztendlich laufen und ob das alles so hinhauen wird. Aber es verlief alles ohne Probleme. Wir verbrachten fast den ganzen Tag mit unseren Fans. Sie kamen morgens an, der Dreh fand allerdings erst nachmittags statt. Es hat uns als Band nochmal vor Augen geführt, was für einzigartige und besondere Fans wir haben

Nächstes Jahr 2019 feiert "Mumford and Sons" sein zehntes Jubiläum. Wie hat sich die Band in diesen zehn Jahren entwickelt?
Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Natürlich haben wir uns alle vier verändert. Keiner von uns ist noch dieselbe Person, wie bei unserem Durchbruch 2009 mit "Little Lion Man". Wir sind älter geworden, reifer (lacht). Auch unsere Zusammenarbeit, die Dynamik innerhalb der Band hat sich verändert. Man kennt sich besser. Die Abläufe werden routinierter, aber dadurch keinesfalls langweilig, sondern einfach unkomplizierter. Was sich aber nicht verändert hat ist, wie wichtig wir uns sind und wieviel uns die Musik, die Band und unsere Fans bedeuten.

Nach zehn Jahren könnt ihr auf eine große Karriere zurückblicken. Würdest du sagen, dass ihr alle eure Ziele erreicht habt? 
Unsere Träume, die wir beim Start unserer Karriere hatten, haben wir auf jeden Fall übertroffen. Was wir bisher erlebt haben, hätten wir damals nicht zu hoffen gewagt. Wir sind auf unseren Touren viel in der Welt herumgekommen, haben große Shows performt und arbeiten nun mit Universal zusammen. Aus diesem Grund haben sich unsere Motivationen verändert. Früher wollten wir einfach Musik machen, die den Leuten gefällt und dabei so viele Menschen wie möglich erreichen. Das ist heute auch noch so, jedoch befinden wir uns heute, nachdem wir all das bereits erreicht haben, in einer sehr privilegierten Position mit einer hohen Reichweite. Uns ist es deswegen wichtig, unsere Beliebtheit auch dafür zu nutzen, auf Probleme in der Welt aufmerksam zu machen und uns für sie einzusetzen. Ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad sollte man seine Reichweite verantwortungsvoll nutzen. Durch Benefizkonzerte haben wir beispielsweise Organisationen, die sich für die LGBT-Community einsetzen, mit Spenden unterstützt.   



"Delta" symbolisiert das musikalische Ankommen

"Delta" ist euer viertes Album. Inwiefern unterscheidet es sich von euren bisherigen Alben?
"Delta" stellt "Mumford and Sons" am charakteristischsten von allen bisherigen Alben dar. In der Vergangenheit haben wir musikalisch immer mal wieder etwas ausprobiert. Wir haben auch immer wieder mit anderen Produzenten zusammengearbeitet. Jetzt werden all diese verschiedenen Pfade zu einem. Mit diesem Album haben wir unsere Richtung gefunden, der wir nun bis zum Ziel folgen. Und das wird auch bei unserem Sound sehr deutlich.

Delta bedeutet vier im griechischen Alphabet. War das der Grund, warum ihr euer viertes Album so genannt habt?
Das ist auf jeden Fall einer der Gründe, warum wir es so genannt haben. Wir sehen das (Fluss)-Delta auch als eine Metapher für die Stelle, an der wir uns gerade befinden. Wir haben in den letzten zehn Jahren viele Erfahrungen und Eindrücke gesammelt und viele verschiedene Menschen getroffen. All unsere Erfahrungen, persönliche und musikalische, bündeln sich auf unserem vierten Album und kreieren so gemeinsam etwas ganz Einmaliges. Mit "Delta" sind wir einfach angekommen und haben unseren Platz gefunden. Marcus hatte die Idee für den Namen und wir waren alle direkt begeistert.   

Inwiefern hat die Zusammenarbeit in der Band eure Freundschaft beeinflusst?
Auf jeden Fall positiv. Für mich ist es das schönste mit meinen besten Freunden zusammenzuarbeiten. In den letzten zehn Jahren haben wir soviel zusammen erreicht, das hat uns einfach zusammengeschweißt. Unsere Arbeitsabläufe sind sehr viel geschmeidiger geworden. Oft brauchen wir nicht viele Worte, um zu verstehen, was der andere meint. Da kommunizieren wir mehr über die Musik miteinander. Natürlich birgt es auch ein Risiko, so eng mit seinen Freunden zusammenzuarbeiten. Man kann sich bei Uneinigkeiten unnötig wegen Business-Kram verkrachen. Auf der anderen Seite kann jede Freundschaft von gelegentlichen Spannungen profitieren und kann an ihnen wachsen. So war das wohl bei uns. Wenn man gemeinsam auch Streitigkeiten überwindet, ist man sich danach noch näher, als wenn es nie Streit gäbe.



Zu einer Welttournee gehört auch Papierkram

Neben der Musik hast du auch noch eine Leidenschaft für die Fotografie. Was fasziniert dich daran?
In meiner Familie gehen viele diesem Hobby nach, sodass ich schon früh an dieses Thema herangeführt wurde und darüber lernen konnte. Ich liebe die vielen Einstellungen, die man an einer Kamera vornehmen kann. Wenn man sich auskennt natürlich. Auf den ersten Blick wirkt das alles wahnsinnig kompliziert. Wenn man sich aber erstmal reingefuchst hat, kann man abgefahrene Sachen damit anstellen. Ich liebe es, meine Umgebung und vor allem meine Mitmenschen durch die Linse zu beobachten und sie so in für sie charakteristischen Situationen einzufangen.

Vor deiner Bandkarriere hast du Psychologie studiert. Beeinflusst dein Studium deine Musik noch heute?
Das ist wirklich lange her! (lacht). Meine Musik direkt beeinflusst es eher nicht. Aber klar hat es mein Denken und wie ich andere Leute sehe und auf sie reagiere beeinflusst. Vielleicht kann davon das Miteinander innerhalb der Band profitieren, weil ich mich gut in die emotionale Perspektive anderer Leute hineinversetzen kann. Vielleicht ist das aber jetzt auch wirklich zu hoch gegriffen (lacht).

Während eurer nächsten großen Welttournee werdet ihr mehrere Wochen am Stück sehr viel Zeit miteinander verbringen. Geht man sich da nicht manchmal auf die Nerven? 
Ich glaube jeder von uns hat Angewohnheiten, die eigenartig oder nervig für die anderen sind. Auch ich. Da möchte ich jetzt ehrlich gesagt aber nicht aus dem Nähkästchen plaudern. (lacht) Im Endeffekt möchten wir alle diese tolle Zeit auf Tournee genießen. Da sollte man echt nicht von Kleinigkeiten genervt sein. Und wenn doch lachen wir eben darüber. Außerdem haben wir eine tolle Crew, die sich um alles Mögliche kümmert, und tolle Fans, da bleibt gar nicht viel Zeit zum Schmollen.  

Die "Delta"-Tour wird die größte Tour, die ihr jemals hattet. Wie fühlst du dich dabei? 
Wir sind natürlich sehr aufgeregt. Im Moment ist aber noch gar nicht so viel Zeit für Vorfreude, da wir noch sehr viel am Organisieren sind. Konzepte für Live-Shows und natürlich auch eine Menge Papierkram. Wenn es dann aber im November losgeht, dann können wir uns endlich in diesen mitreißenden Strom hineinbegeben, der uns die nächsten Wochen umgeben wird.


UNICUM Musik-Tipp

Ted Drawne Interview Delta CoverMumford & Sons

Delta

Universal Music 

VÖ: 16.11.2018

Online bestellen (Amazon): "Delta"

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