Opernsängerin Florence Foster Jenkins
Meryl Streep als Florence Foster Jenkins | Foto: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH
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22. Nov 2016

UNICUM Onlineredaktion

Promis & Interviews

Opernsänger/in werden: Träumst du von der Bühne?

Interview mit Opernsängerin Melanie Diener

Darum geht es in "Florence Foster Jenkins"

"Florence Foster Jenkins" erzählt die wahre Geschichte der legendären New Yorker Erbin und exzentrischen Persönlichkeit. Geradezu zwanghaft verfolgt sie ihren Traum, eine umjubelte Opernsängerin zu werden. Es gibt nur ein winziges Problem: Die Stimme! Denn was Florence (Meryl Streep) in ihrem Kopf hört, ist wunderschön – für alle anderen jedoch klingt es einfach nur grauenhaft. Ihr "Ehemann" und Manager, St Clair Bayfield (Hugh Grant), ein englischer Schauspieler von Adel, ist entschlossen, seine geliebte Florence vor der Wahrheit zu beschützen.

Als Florence aber im Jahr 1944 beschließt, ein öffentliches Konzert in der Carnegie Hall für die gesamte New Yorker High Society zu geben, muss sich St Clair seiner größten Herausforderung stellen…
 


Tipp für angehende Opernsänger: "Nicht so schnell aufgeben!"

UNICUM: Frau Diener, haben Sie selbst schon einmal von Florence Foster Jenkins gehört?
Melanie Diener: Ja, natürlich! Unter Studenten hört man sie zuerst, bevor man überhaupt ihren Namen erfährt. Natürlich lacht erst mal jeder darüber, wie sie mit einer solchen Inbrunst derartig falsch singen kann, bevor man dann sehr viel später ihre wahre, tragische Geschichte erfährt.

Melanie DienerWas meinen Sie: Wenn es mit der Stimme einfach nicht so richtig klappen will, wann sollte man seinen Traum aufgeben und sich eine andere Berufung suchen?
Nicht so schnell aufgeben! Mir wurde bei der Aufnahmeprüfung für Gesang gesagt, ich sei "kein Sängertyp"! Man wird durch Kritik immer auf sich selbst zurückgeworfen und muss bereit sein, an sich zu arbeiten. Oft setzen sich die Leute durch, die erst mal gegen Widerstand kämpfen müssen. Es gibt nichts Persönlicheres als Singen, denn die Stimme ist ja ein sehr wichtiger Teil von mir – sie ist in mir " drin". Singen ist immer Körper, Kopf und Seele. Wenn ICH nicht an mich glaube, wer denn sonst?

Haben Sie ein paar gute Tipps für angehende Opernsängerinnen, die Sie damals – als Sie angefangen haben – gerne schon gewusst hätten?
Meine Tipps? Eine Stimme braucht Zeit, um sich zu entwickeln, man darf sich nicht durch finanziellen oder zeitlichen Druck überfordern. Die Stimme gleicht einem Gummiband: Gleich am Anfang überdehnt, kann man es nie wieder reparieren. Ein ganz konkreter Tipp: nicht nur die Stimme aufwärmen, sondern den ganzen Menschen.

"Ohne Spannung  gibt es keine gute Aufführung"

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt vor einem großen Publikum und wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Das war Haydns "Schöpfung" im meiner Heimatstadt. Aber ganz egal, ob St.-Antonius-Kirche in Waiblingen oder wenig später das Festspielhaus in Bayreuth: die Nervosität vor dem Auftritt hört nie auf. Damals zitterten meine Knie so heftig, dass ich immer lange Kleider anziehen musste… Klar ist: ohne Spannung keine gute Aufführung.

Wie stimmen Sie sich auf einen Auftritt vor Publikum ein? Haben Sie Rituale oder Glücksbringer, die Ihnen die Aufregung nehmen?
Ich " verstumme" – ich brauche meine Ruhe, um mich auf das Stück einzustimmen. Ich bin ca. zwei Stunden vorher im Haus und gehe immer vorher einmal über die Bühne, um die Atmosphäre aufzunehmen. Das ist eigentlich mein einziges Ritual. Manche Kollegen zünden Räucherstäbchen an oder setzen sich dreimal auf die Noten – jeder macht das, was er braucht.

Im Film muss Florence Foster Jenkins ein Publikum von sich überzeugen, welches sie noch nie zuvor singen gehört hat. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Karriere im Bezug auf Publikumsreaktionen gemacht?
Ich komme gerade aus Brasilien, da sind die Zuschauer ausgeflippt – und das nach einer Oper von Richard Strauss! Auf der Bühne merkt man sehr schnell, ob man die Leute erreicht, ob man das Publikum zu sich heranziehen kann. Ich selbst habe immer gute Erfahrungen mit dem Publikum gemacht. Je emotionaler wir aufeinander reagieren, desto aufregender wird die Aufführung.

Wie hat Ihre Familie darauf reagiert, als sie von Ihrem Ziel Sängerin zu werden, erfahren haben?
Meine Eltern und mein Mann haben mich immer unterstützt, vor allem durch praktische Hilfe: vom Kind hüten, über das Organisieren von Arztterminen bis zu Fahrten zu Auftritten.

Mögen Sie privat eigentlich auch Opern und klassische Musik oder bevorzugen Sie eher etwas völlig anderes in Ihrer Freizeit?
Ich mag Opern und klassische Konzerte, am liebsten höre und sehe ich sie allerdings live! Privat höre (und singe!) ich auch sehr gerne Jazz und Broadway-Melodien. Ich liebe Spaziergänge in der Natur und lese zum Ausgleich auch gerne Krimis.

Wenn Sie sich eine Ära aussuchen dürften, in der Sie eine erfolgreiche Opernsängerin sein könnten, welche Zeit wäre das und ziehen Sie Inspiration zum Beispiel aus einem anderen Jahrzehnt?
Manchmal würde ich mich gerne für einen Tag zurückbeamen in die Zeit der "alten" Komponisten. Wie wurde bei Mozart gesungen? Wie klangen die Kastraten wie zum Beispiel Farinelli wirklich? Was fühlten sie, wie haben sie sich ausgedrückt? Ansonsten lebe und singe ich sehr gerne im Heute.


InfoÜber Opernsängerin Melanie Diener

Die Sopranistin wurde 1995 zur Preisträgerin des Salzburger Mozartwettbewerbs gekürt und erlangte so große Bekanntheit in der Opernwelt. Melanie Diener tourt vor allem viel um die Welt, singt international auf Festivals und mit erfolgreichen Orchestern.

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