Salwa Houmsi Interview
Salwa Houmsis Berufswunsch: Karla Kolumna. | Foto: Joseph Strauch

Promis & Interviews

Salwa Houmsi: Karla Kolumna meets Deutschrap

(inkl. Ticket-Verlosung für Modus Mio Live)

Salwa Houmsi über ihr Herzensprojekt

Der Podcast "Vor der Mio" gibt sehr besondere Einblicke – so persönliche Interviews mit Rappern hört man sonst eigentlich nie. Was hat dich bislang am meisten überrascht oder beeindruckt?
Da gab es sehr viele Momente. "Vor der Mio" ist für mich auf jeden Fall ein absolutes Herzensprojekt geworden. Jede einzelne Folge ist etwas Besonderes, weil die Interviews so persönlich sind. Das Schöne an dem Podcast ist, dass wir mit ganz vielen Künstler*innen sprechen, die sonst nur selten Interviews geben. Für Luciano beispielsweise war es sein erstes Interview. Das ist für mich natürlich eine Ehre, wenn ein Künstler, den ich selbst total gerne höre, sein erstes richtiges Interview gibt und ich diejenige sein kann, die ihm Fragen stellt und seine Geschichte nach außen trägt. Am Ende hat er sich auch bei mir dafür bedankt, weil das für ihn ein wichtiger Teil seiner Karriere ist. Das war alleine dadurch total intensiv und schön.

Die Gespräche sind teilweise wirklich sehr persönlich – kanntest du deine Gesprächspartner schon vorher?
Nein, ich kannte sie vorher nicht. Die einzige Person, die ich vorher schon mal interviewt hatte, war Juju. Die kenne ich schon ein bisschen länger – aber auch nicht auf einer privaten Ebene. Im Vorfeld sprechen wir zwar mit dem Management, um das Konzept des Podcasts zu erklären – aber eine persönliche Atmosphäre zu schaffen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie mir ihre Geschichte erzählen können, ist natürlich meine Arbeit vor Ort. Wenn du mit einer Person an einen Ort gehst, an dem sie vielleicht zehn Jahre nicht mehr war, kommen die Erinnerungen von ganz alleine.

In dem Podcast gehst du mit Rappern an Orte, die sie besonders geprägt haben. Welche Orte wären das bei dir?
Wir gehen im Podcast meistens an die zwei wichtigsten Orte. Das wäre bei mir zum einen der Viktoriapark in Kreuzberg 61. Da bin ich quasi aufgewachsen, weil wir früher immer in den Park gegangen sind. Direkt davor ist meine Grundschule, daneben ist mein Kindergarten gewesen. Da um die Ecke ist auch das Gymnasium, auf das ich gegangen bin. Das ist der Teil von Berlin, wo ich viel Zeit als Kind verbracht habe. Und der zweite Ort wäre das Kottbusser Tor. Das ist so ein Ort, durch den viele Teile in Berlin Kreuzberg connected sind. Von dort aus kannst du überall hin und von dort ausgehend kann man viele Geschichten erzählen.

Du hast schon sehr früh, während der Schulzeit, journalistisch gearbeitet. Wie bist du dazu gekommen?
Ich wusste tatsächlich schon immer, dass ich das machen will. Ich erinnere mich da an eine ganz konkrete Situation: Als Kind hat meine Tante mich einmal gefragt, was ich werden will, wenn ich groß bin. Ich habe ihr dann geantwortet, dass ich mal Karla Kolumna werde. Da war ich noch ganz klein – vielleicht vier oder fünf. Sie hat das nicht so ernst genommen, weshalb ich mir schon damals dachte "Du wirst schon sehen – ich werde wirklich Karla Kolumna!". Für mich stand das einfach schon immer fest – da gab es gar keine Alternative. Ich habe schon früh viel Radio gehört und bin dann irgendwie auf die Idee gekommen, dass das etwas für mich sein könnte. Ich habe schon immer viel geschrieben und auch mal die Schülerzeitung geleitet. Radio kam mir früher aber immer unerreichbar vor. Dann habe ich aber den offenen Kanal "Alex Berlin" entdeckt. Da kann man einfach hingehen und Schülerradio machen. Wenn du dann da eine Weile Schülerradio machst, kannst du dich auch auf eine eigene Sendung bewerben. Da habe ich dann mit 16 Jahren angefangen. So ging’s los.

Hast du Tipps für junge Leute, die sich in der Medienbranche etablieren möchten?
Ich rate immer allen, die gerne Radio machen möchten, zu schauen, ob es in ihrer Stadt einen offenen Kanal gibt. Gerade bei Journalismus und Moderation ist das Wichtigste, dass man das Handwerk lernt und darin Routine bekommt. Also: hingehen, machen, selbst viele Medien konsumieren und daraus lernen. Ich habe mir damals selbst sehr viele Radio-Interviews angehört. Zu Beginn habe ich dann erst mal versucht, das zu kopieren. Irgendwann findet man dann seinen eigenen Stil. Außerdem sollte man auf jeden Fall ganz viele Praktika machen. Und: einfach machen. Am Ende schaffen es die Leute, die daran geglaubt und es einfach gemacht haben. Das ist genau wie im Rap.

Salwa Houmsi: "Ich bin musikalisch durch Radio sozialisiert"

Wie bist du zu Deutschrap gekommen? Hat Hip Hop in deinem Leben schon immer eine Rolle gespielt? Mit welcher Musik bist du groß geworden?
Für mich war Musik schon immer sehr wichtig. Ich bin musikalisch sehr stark durch Radio sozialisiert. Ich habe immer viel Radio Fritz gehört und Fritz hat früh angefangen, viel Deutschrap zu spielen. Ich glaube tatsächlich, dass "Stadtaffe" von Peter Fox mich zu Rap gebracht hat. Später kam ich dann zum Straßenrap. Als ich 19 war und schon beim Splash Mag gearbeitet habe, ging dann die neue Deutschrap-Welle los – mit Haiyti, Trettmann und so weiter. Da war ich dann komplett dabei.

Welches Album sollte sich jeder, der dieses Interview liest, unbedingt anhören?
"K4L" von Ebow.

Du legst als "Salwa Benz" auch auf Partys auf. Was macht die perfekte Party-Playlist aus?
Ich finde Playlisten gut, in denen man viel entdecken kann. Der altbekannte DJ-Trick: Du spielst einen bekannten Song und dann einen, den vielleicht nur du selbst kennst und dann wieder einen bekannten Song. Für mich ist außerdem wichtig, dass die Musik tanzbar ist. Ich mag zwar Energie und Rap, auch sehr harten Rap, aber ich mag auch, wenn zwischendurch Afrobeats oder RnB dabei sind. Es muss alles dabei sein an einem Abend: Man muss harte Energie rauslassen können, aber auch ein bisschen twerken können.


Salwas Top-3-Partysongs:


Du bist mit Leidenschaft Teil der Rapszene – aber du hinterfragst auch kritisch und erhebst deine Stimme, beispielsweise wenn es um Sexismus geht. Wie gehst du in deinem persönlichen Musikkonsum mit sexistischen Lines um?
Zunächst ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir in einer sexistischen Welt leben. Wenn es unsere Aufgabe als Frauen wäre, alles auszugrenzen, was mit Sexismus zu tun hat, könnten wir ja quasi nicht mehr vor die Tür gehen. Ich erlebe Sexismus im Arbeitsalltag, in der Musik, wenn ich auf Partys gehe, wenn ich auflege, wenn ich privat unterwegs bin – überall. Rap ist, wie alle anderen Musikgenres auch, ein Spiegel der Gesellschaft und natürlich ist ein gewisser Prozentteil darin sexistisch, genau wie auch in unserer Gesellschaft. Nur dass es im Rap eben teilweise besonders zelebriert wird, was ich natürlich auch kritisch sehe. Wir sind jedoch nicht dafür verantwortlich, dass es diese Songs gibt, und können das auch erst mal nicht ändern. Das Einzige, was wir uns überlegen können, ist: Inwieweit will ich einen problematischen Künstler öffentlich supporten? Ich persönlich habe tatsächlich häufig einfach keinen Bock mehr, Leute zu hören, die krass sexistische Inhalte haben – ob ich die Musik gut finde, oder nicht. Es gibt ja aber zum Glück auch genügend Künstler und Künstlerinnen, bei denen es ohne geht. Es gibt aber auch sogenannte "problematic faves", die ich höre und total feiere – da ist das für mich okay.

Vor allem im Frühjahr dieses Jahres – im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Gzuz – wurde in einigen Beiträgen eine #MeToo-Bewegung für Deutschrap gefordert. Von den erfolgreichsten Rappern hat sich jedoch niemand richtig positioniert. Ist Deutschrap nicht selbstkritisch genug?
Das hat ja gar nichts mit Deutschrap zu tun. Wenn wir uns die #MeToo-Debatte in Deutschland generell mal anschauen, merkt man, dass es ein grundsätzliches Problem ist, dass strukturelle Gewalt und Sexismus in der Gesellschaft nicht aufgearbeitet werden. In der Entwicklung stehen wir noch ganz am Anfang. Klar, hätte ich mir auch gewünscht, dass das Ganze anders gelaufen wäre, aber ich wäre da ganz vorsichtig, Deutschrap die Schuld zu geben. Ich glaube nicht, dass die Verantwortung bei Leuten wie Bausa, Juju oder Summer Cem liegt, sich in solchen Fällen zu äußern, sondern dass Labels, Manager und vor allem auch Booker von Veranstaltungen mal hinterfragen sollten, warum sie mit Künstlern wie Gzuz noch zusammenarbeiten. Tatsache ist aber auch, dass es den meisten Leuten einfach total egal ist. Er wird ja immer noch gestreamt und verkauft immer noch Tickets. Da kann man die Schuld nicht Einzelnen geben.


"Vor der Mio" auf Spotify anhören:


Hier gibt's was zu gewinnen!

Willst du Salwa gerne live erleben? Am 14. Dezember 2019 hast du die Möglichkeit dazu! Denn dann bringt Spotify die erfolgreiche Playlist "Modus Mio" wieder live auf die Bühne – mit Ufo361, Juju, Summer Cem, Azet, Kalim und Apache 207 in der Warsteiner Music Hall in Dortmund. Salwa Benz sorgt als DJ für Beats, Bars und Bass. Wir verlosen Tickets für die ausverkaufte Veranstaltung.

Das kannst du gewinnen:

UNICUM verlost 2x2 Tickets für Modus Mio Live am 14. Dezember 2019 in der Warsteiner Music Hall in Dortmund.

Teilnahmeschluss ist der 08.12.2019.

Mit der Teilnahme am Gewinnspiel akzeptiere ich die Teilnahmebedingungen. Die gesetzlichen Datenschutzbestimmungen werden eingehalten.
Sicherheitsabfrage

Bitte beantworte die folgende kleine Frage:

Image CAPTCHA

Artikel-Bewertung:

2.9 von 5 Sternen bei 29 Bewertungen.

Deine Meinung: