Rick Kavanian Interview
Rick Kavanian spricht in "Why Him?" die Rolle des Gustav | Foto:© 2017 Twentieth Century Fox

Filme

24.05.2017

Why Him

Why Him?

Ab dem 24. Mai auf Blu-ray und DVD

Stephanie (Zoey Deutch) ist eine wahre Vorzeigetochter: Studium an der Stanford University, gute Noten und überhaupt ist sie ein so wahnsinnig anständiges Mädchen. Ihre E ... mehr »

Autorenbild

22. Mai 2017

Nina Weidlich

Promis & Interviews

Studienabbruch und Torschlusspanik: Rick Kavanian im Interview

"Ich dachte immer, Arbeiten muss wehtun"

UNICUM: Du wolltest ursprünglich Kinderarzt werden. Warum hast du dann ein Studium der Politikwissenschaften angefangen?
Rick: Ich hatte einen schlechten Abiturschnitt: 2,9. Im Jahr 1990 habe ich Abi gemacht, und damals gab es keinen Medizinertest – zumindest nicht für sogenannte Bildungsinländer. Ich habe keinen deutschen Pass, deshalb war der Numerus Clausus meine einzige Qualifikationsmöglichkeit. Nichtsdestotrotz habe ich mich damals an zwölf Unis beworben – natürlich hat mich keine genommen.

Mit Politikwissenschaften habe ich angefangen, weil es darauf keinen NC gab. Ich war aber nicht der beste Student, muss ich gestehen. Nachdem ich im neunten Semester zum zweiten Mal durch die Zwischenprüfung gefallen bin, habe ich auf den Rat von meinem Freund Bully Herbig gehört, mit dem ich zu dieser Zeit schon beim Radio gearbeitet habe. Er meinte: "Rick, mach was Bodenständiges, mach Comedy." Ich habe ihm nicht so ganz getraut, aber irgendwie hat er Recht behalten.

Warum warst du denn so schlecht im Studium? Hast du dich zu viel auf anderes Zeug konzentriert?
Mir hat die Arbeit mit Bully beim Radio so viel Spaß gemacht, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie dabei die Tage und Nächte ins Land gingen. Ich habe einfach nicht gemerkt, dass wir gearbeitet haben – wir haben zusammengesessen, Dinge aufgeschrieben, im Radio aufgenommen und die Leute haben darüber gelacht. Das hatte nichts von einem klassischen Nine-to-Five-Job.

Ich dachte früher immer, Arbeiten heißt Malochen und muss wehtun  – du weißt schon: "Wir haben geaaarbeitet!" (imitiert Hitler) Aber das mit Bully ging so leicht von der Hand, und komischerweise hat dann doch mein Herz entschieden. Nach den neun Semestern Politik habe ich abgebrochen und bin für ein Jahr an die Lee Strasberg Schauspielschule in New York gegangen.

Warum hast du dich gerade für diese Schauspielschule entschieden und bist nicht einfach an eine deutsche Schule gegangen?
Rick KavanianIch war zu der Zeit schon 24 und dachte: Mensch, wenn ich jetzt nochmal vier Jahre studiere, dann bin ich schon kurz vor der 30 – ob einen da noch einer nimmt? An der Lee Strasberg wurden verschiedene Kurse angeboten, 3 Monate, 6 Monate, 1 Jahr – je nachdem, wie lange man kann oder welche finanziellen Mittel man hat.

In dem Jahr in New York ist mir zum ersten Mal auch wirklich klar geworden, dass die Schauspielerei das ist, was ich gerne machen möchte. Aber ich hatte ehrlich gesagt nie den Mut, es in den USA als Schauspieler zu probieren. Ich hatte Kommilitonen, die von einem Casting zum nächsten gelaufen sind und nebenbei noch gekellnert haben – es hat nie funktioniert. Außerdem hatte ich in Deutschland schon ein paar Kontakte und wusste, dass ich vielleicht mit Bully wieder etwas probieren könnte. Als ich aus den USA zurückkam, ging es ja auch allmählich schon mit der Bullyparade los.



"An der Schauspielschule hatte ich das geilste Jahr meines Lebens."

Hat es dich denn damals Überwindung gekostet, dein langjähriges Studium aufzugeben und nochmal etwas völlig anderes anzufangen?
Überhaupt nicht. Ich habe Politik ja auch nicht super leidenschaftlich betrieben. Trotzdem habe ich meine Seminararbeiten immer pünktlich abgegeben und war in den schriftlichen Dingen auch gar nicht so schlecht. Aber Referate oder mündliche Prüfungen – das lag mir nicht. Ich weiß, das klingt jetzt blöd, aber in der Schule und im Studium fand ich es total unangenehm, vor Menschen zu stehen und zu reden.

Ich habe wirklich lange gebraucht, bis ich mich überwinden konnte und gemerkt habe, dass ich eine Neigung oder Begabung dazu habe. Und letzten Endes bin ich ja auch nicht in der wissenschaftlichen, sondern in der Unterhaltungsecke gelandet. Vor Leuten stehen und sie zum Lachen bringen – das ist es, was mir Spaß macht.

Und wie haben deine Eltern auf deine schwankenden Berufswünsche reagiert?
Meine Mutter fand es ganz schlimm. Sie wollte gerne, dass ich Anwalt werde, und das und auch die Sache mit dem Kinderarzt haben ja nicht funktioniert. Zu der Reaktion meines Vaters gibt es aber noch eine nette Geschichte: Als ich diesen Wunsch hatte, nach New York zu gehen, brauchte ich natürlich Kohle. Deshalb habe ich meinen Vater zum Essen beim Jugoslawen eingeladen und ihm erzählt…


An unserem Interviewort setzt plötzlich ein seltsames Geräusch ein. Es hört sich an, als würde Gas austreten. Ziemlich beunruhigend…vor allem, wenn man neben einen mit Gas betriebenen Kamin sitzt.

Rick: Ich dachte, uns fliegt jetzt irgendwas im die Ohren. Aber ich glaube, es ist alles im grünen Bereich…famous last words. (lacht)


Nochmal zu meinem Vater: Als ich das mit der Schauspielschule erzählte, dachte ich, gleich rastet er aus. Aber da sagte er allen Ernstes, ohne zu zögern: "Junge, ich finde das ist eine großartige Idee!" Ich dachte: Hä? Will der mich verarschen? Es stellte sich heraus, dass man Vater als junger Mann selbst auf die Schauspielschule in Bukarest wollte, aber die Aufnahmeprüfung nicht bestanden hat. Das hatte er mir bis zu diesem Tag nie erzählt! Wir haben dann eine Fifty-Fifty-Vereinbarung getroffen: Er zahlt mir die Schule, für mein Leben muss ich selber aufkommen. 

Wie kann man sich den Alltag an so einer Schauspielschule vorstellen?
Der Alltag war der Hammer! Ich hatte das geilste und eines der spannendsten Jahre meines Lebens. Ich hatte 20 oder 24 Stunden in der Woche, habe also relativ viel Zeit an der Schule verbracht, dazu kam Text lesen und Proben. Es gab zwar keine richtigen Prüfungen, aber man musste regelmäßig Szenen spielen oder Monologe halten. Anfangs habe ich immer nur ernstes Zeug bekommen, aber irgendwann haben sie gemerkt, dass ich auch öfter mal was Lustiges machen könnte.

Außerdem hatte ich dort Mitschüler aus der ganzen Welt: Mexiko, Argentinien, Italien, Albanien, Österreich… wir haben da eine tolle Zeit gehabt. Ich hatte zwar nicht so viel Kohle übrig, aber nachts sind wir natürlich trotzdem rumgezogen.

Der private Rick ist keine Rampensau

In der Komödie "Why Him?" hast du zuletzt Lairds persönlichen Assistenten Gustav gesprochen. Wie hast du dich in die Synchronrolle eingearbeitet?
Bei vielen Kollegen ist es die Körperlichkeit oder irgendein anderes Kriterium, womit sie sich der Rolle nähern, bei mir hat es ganz viel mit Sprache zu tun. Für mich ist der Dialekt immer der erste Zugang zur Rolle. Das Witzige war, dass Gustav im Original eine Art Französisch mit deutschem Einschlag spricht. Wir haben versucht, das zu übernehmen, aber es klang auf Deutsch ganz komisch – es hat einfach nicht wirklich gefunkt.

Wir haben dann einfach mal einige Szenen auf Spanisch eingesprochen und fanden, das könnte ein guter Weg sein. Wir haben Gustav also diese leichte, spanische Färbung gegeben – er sieht ja auch ein bisschen latinomäßig aus – und so ist aus ihm Gustavo, eine echte espanische Mann geworden (mit spanischem Akzent).

Konntest du dich selbst dadurch auch stärker in die Rolle einbringen?
Die Regie hat da schon gute Vorarbeit geleistet, es war alles sehr gut zu sprechen und zu spielen. Durch die harmonische Zusammenarbeit hat die Synchronisation auch insgesamt nur einen Tag gedauert, normalerweise braucht man für eine Nebenrolle ungefähr zwei Tage.

Aber am Rand kann man sich schon manchmal einbringen. Zum Beispiel war vorgegeben, dass Gustav zum Abschied immer "Tschüsschen mit Küsschen" sagt. Ich habe das in "Tschusschen mit Kusschen" umgeändert und das hat der Regie anscheinend gefallen, zumindest haben sie es drin gelassen. Über solche Kleinigkeiten freue ich mich.


InfoDarum geh's in "Why him?"

Als Ned (Bryan Cranston), ein überfürsorglicher, aber liebender Vater, zusammen mit seiner Familie seine Tochter in Stanford besucht, trifft er auf seinen größten Alptraum: ihren Freund, den gutmeinenden, aber nicht gesellschaftsfähigen Silicon Valley-Millionär Laird (James Franco). Der zugeknöpfte Ned findet den peinlichen Laird absolut unangebracht für seine Tochter. Die einseitige Rivalität und Neds panische Reaktionen eskalieren, als er feststellt, dass er keinen Einfluss in der glamourösen High-Tech-Welt hat und Laird kurz davor ist, seiner Tochter einen Heiratsantrag zu machen.


Hast du Hemmungen, dich in einer Sprache zu unterhalten, die du nicht perfekt sprichst?
Sehr große Hemmungen. Das ist eine Mischung aus Selbstanspruch und Schüchternheit. Jetzt werden viele wieder sagen: Rick, warum machst du den Job, den du machst? Klar: Auf der Bühne muss ich die Rampensau sein, der private Rick ist aber nicht jemand, der ständig einen Scheinwerfer im Gesicht braucht. Ich spreche eine Sprache also wirklich nur dann, wenn ich mich einigermaßen sicher darin fühle. Deshalb bewundere ich auch andere, die gar keine Ahnung von einer Sprache haben und trotzdem einfach sprechen. Im Zweifel ist das vielleicht die bessere Alternative, weil man sieht, dass derjenige sich bemüht.

Du sprichst insgesamt vier Sprachen: Armenisch, Deutsch, Englisch und Rumänisch. Was gefällt dir am Deutschen, was dir in anderen Sprachen fehlt?
Das erste, was mir in den Kopf kommt, ist Präzision. Deutsch ist eine sehr genaue Sprache, das finde ich ganz toll. Ich finde, gutes Deutsch klingt einfach schön – In den letzten 20, 30 Jahren ist das Deutsche durch die vielen Neologismen ja auch phantasievoller geworden. Meine Muttersprache ist zwar Armenisch, aber ich bin in München geboren und groß geworden. Dadurch ist Deutsch auch irgendwie meine Heimatsprache, meine Muttersprache.


Why Him DVD-CoverUNICUM Film-Tipp:

Why Him?

Komödie, USA 2017

Darsteller u.a.: James Franco, Bryan Cranston, Megan Mullally

Verleih: Twentieth Century Fox

DVD-Start: 24. Mai 2017

Mehr Infos unter www.fox.de/why-him

 

Artikel-Bewertung:

3.28 von 5 Sternen bei 120 Bewertungen.

Deine Meinung: