Attila Hildmann vegan
Gespannt auf den veganen Mensa-Lunch: Autorin Christina und Attila Hildmann | Foto: Nina Hansch

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03. Jun 2015

Christina Scholten

Promis & Interviews

Vegan for Fame: Attila Hildmann

Der Autor und Physiker zu Besuch in seiner alten Mensa

Schlaue Köpfe und schlechte Essgewohnheiten

Berlin. Vor der ersten vegan-vegetarischen Mensa Deutschlands. Attila Hildmann kommt mit seinem weißen Porsche angefahren, sucht noch schnell eine Parklücke. Er hat an der FU gerade seine Master-Arbeit in Physik geschrieben. Die veganen Kochbücher des 34-Jährigen sind Bestseller. Für das Interview nimmt er das chinesische Pfannengericht mit Obst und Salat.

UNICUM: Gab es die Mensa schon, als du angefangen hast, zu studieren?
Attila Hildmann: Nein, die gab es erst später. Sie wurde damals groß angekündigt – das hat mich richtig begeistert. Denn die Frage war: Warum gibt es für Akademiker, die so hoch gebildet sind, keine gesunde Alternative? Das passt nicht zusammen. Du möchtest die Welt verstehen, zum Beispiel als Physiker, löst schwierige Differenzialgleichungen und gehst dann in die Mensa, um etwas zu essen, das letzten Endes die Welt und dich ein Stück kaputt macht.


Attila Hildmann Essen


Warum lebt Attila Hildmann überhaupt vegan?

Woher kommt diese neue Begeisterung für Veganismus in der Gesellschaft?
Viele Menschen haben die ganzen Fleischskandale mitbekommen, haben schreckliche Bilder von Massentierhaltung gesehen und machen sich Gedanken. Aber das Feuer wurde durch die Bestseller-Bücher entfacht, die auch an Diät-Themen gekoppelt sind. Viele haben durch "Vegan for fit" abgenommen, deshalb haben sich ihre Freunde und Nachbarn auch dafür interessiert. Vegan muss nicht mehr dem typischen Klischee entsprechen.

Was ist denn das typische Klischee?
Dass jemand missionarisch wirkt, nur noch auf Tier-Demos geht und ständig über die vegane Ernährung redet. Und dass er es vor allem wegen der Tiere macht und die Gesundheit nicht so wichtig ist. Schwächliche Typen, die keine Muskeln aufbauen können und die Welt durch die Gabel retten möchten.

Wie bist du selbst darauf gekommen, vegan zu leben?
Irgendwann habe ich mich gefragt: Könntest du selbst ein Tier töten? Du lebst nicht auf einer einsamen Insel und gehst fischen, sondern es geht um die Frage, ob du jeden zweiten Tag ein Rind abstechen würdest, damit du dein Steak hast. Das wollte ich nicht. Gleichzeitig ging es auch um eine persönliche Geschichte. Mein Vater hatte einen sehr hohen Cholesterin-Wert und ist daran gestorben. Studien zeigen, dass man mit einer veganen Ernährung diesen Wert innerhalb von zwei Wochen normalisieren kann.

Du musstest sicherlich schon oft über deine Ernährungsweise diskutieren. Ein Argument lautet häufig: Es ist unnatürlich, vegan zu leben – der Mensch ist nicht zu dem geworden, was er ist, weil er Pflanzen gegessen hat, sondern Fleisch.
Das stimmt, wir waren früher Jäger und Sammler, haben in der Steinzeit Mammuts gejagt und uns von Knollen und Beeren ernährt. Aber ich halte nichts davon, diese Zeit schönzureden, denn die Menschen sind da nur 18 oder 20 Jahre alt geworden. Und es ist nicht mit dem modernen Menschen des 20. Jahrhunderts zu vergleichen. Wir jagen keine Tiere mehr selbst, wir haben Arbeitsteilung und wir haben ein riesiges Problem mit Zivilisationskrankheiten – alleine in Deutschland sterben pro Jahr 3,5 Millionen Menschen an ernährungsbedingten Krankheiten. Wie weit können wir also noch gehen, wenn sich der Status quo nicht wenigstens teilweise ändert?


Vegan for Fit: Atilla Hildmann


Sind Discounter-Einkäufe vegan billiger?

In den Medien ist das Thema momentan sehr präsent, in den Kommentarleisten brechen regelrechte Streitereien darüber aus. Woher kommt diese ganze Wut?
Ich glaube, dass es einerseits die Lobby ist, die sich um die Umsatzzahlen sorgt. Vegan ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ich habe das Gefühl, dass jeder Zweite mein Kochbuch hat. Zutaten wie Amaranth, Mandelmus und Tofu sind bekannt geworden. Diese Welle bohrt natürlich in die Wunde einer großen Fleischlobby, die bisher gedacht hat, dass sie machen kann, was sie will. Mittlerweile sind die Menschen kritischer. Andererseits gibt es auch die Leute, die Angst um ihr Schnitzel haben. Das kommt durch die sehr radikale vegane Szene, die meint, keine Kompromisse zulassen zu dürfen.

Wie ist es denn bei dir in der Fakultät, in Physik – ist das da ein Thema?
Meine Kommilitonen haben die krassesten und schwierigsten physikalischen Aufgaben gelöst und trotzdem stand da jeden Tag eine Flasche süße Koffein-Brause und mittags gab es etwas Ungesundes. Die sahen nicht besonders gesund aus, haben nicht viel Sport gemacht – das war ein bisschen "Big Bang Theory" live vor Ort. Ich bin damals schon meinen Weg anders gegangen. 

Vegane Produkte sind häufig teuer, mit einem Studentenbudget ist das schwierig zu meistern.
Discounter-Einkäufe sind in der veganen Variante günstiger, wenn man weiß, wie es geht. Natürlich ist es teurer, wenn man gerne im Reformhaus oder im Bio-Laden einkauft, weil die Sachen dort eine bessere Qualität haben. Dort kostet auch Fleisch mehr. Ich persönlich kaufe nicht gerne im Discounter ein.

Warum?
In Bio-Läden sind regionale Bauern die Bezugsquellen und der Standard dort ist oft höher, Fairtrade oft ganz normal. Du wählst heute nicht mehr an der Wahlurne, sondern täglich an der Ladentheke. Ich möchte dieses Votum benutzen. Ich habe ein besseres Gefühl, wenn ich dort einkaufe. "Think global, act local", sagt man.

Du wirst häufig kritisiert, weil du einen Porsche fährst. Verstehst du, dass viele Veganer das als falsch empfinden?
Was ein Veganer nach Textbuch darf und was nicht, war mir noch nie wichtig – es sind die kleinen Schritte, die für mich zählen! Eine vegane Mahlzeit in der Woche ist schon ein Riesenanfang, auch wenn das den meisten Veganern zu wenig wäre. Und zum Porsche: Es ist der Klischeebruch, der mich erfolgreich gemacht hat. Der Shitstorm hatte viel Gutes, Porsche wurde dadurch aufmerksam und hat einen Werbefilm mit mir gedreht. Ich baue ganze Schlösser aus den Steinen, mit denen man mich bewirft!

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