Younotus aus Berlin - Gregor Sahm Tobias Bogdon
Gregor (links) und Tobias (rechts) machen als Younotus gemeinsam Musik. | Foto: André Hellemanns
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13. Jun 2019

Pauline Sickmann

Promis & Interviews

Younotus im Interview: "Alles, was wir machen, entsteht gemeinsam."

Von der Uni auf die großen Festivalbühnen

Kennengelernt haben die beiden DJs und Produzenten sich während ihres Studiums in Berlin. Zunächst machten sie unter dem Namen "Traumtänzer" gemeinsam Musik, ab 2014 als "Younotus". Ihre neue Single entstand in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Singer-Songwriter Janiek sowie Senex alias Wolfgang Schrödl, dem Frontsänger der Band Liquido, die 1998 mit "Narcotic" ihren großen Hit landete. Im Interview mit UNICUM erzählen die zwei, warum sie gerne 90er-Jahre-Songs covern und was ihr schrägster Gig war.

"Das ist unser Sound, das sind wir."

UNICUM: Wie groß ist der Druck, nach erfolgreichen Songs wie "Supergirl" und "Please tell Rosie" einen neuen Hit zu liefern, und wie geht ihr mit dem Druck um?
Gregor: Der Druck nach "Supergirl" war für mich persönlich ziemlich hoch, weil ich Angst hatte vor einem One-Hit-Wonder. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass noch einmal irgendetwas klappen muss.  Als dann "Please tell Rosie" kam, wurde es entspannter.

Tobias: Wir sind gerade in einer besonderen Situation, weil die Songs von uns, die bisher erfolgreich waren, Kollaborationen mit anderen Künstlern waren. Da stand immer jemand anderes vorn, zum Beispiel Alle Farben. "Narcotic" ist das erste Mal, dass wir selbst als Künstler vorne stehen und ohne Ausnahme sagen können: Das ist unser Sound, das sind wir. Ich würde das nicht unbedingt Druck nennen, aber wir sind schon sehr aufgeregt. Es ist sehr spannend zu warten, was noch passiert.

Wie kamt ihr auf die Idee, "Narcotic" zu covern?
Tobias: Das kam durch die räumliche Nähe zu Wolfgang, dem ehemaligen Liquido-Frontmann und Sänger. Wir teilen uns einen Studiokomplex in Berlin-Kreuzberg und wussten am Anfang gar nicht, dass Wolfgang der Sänger von Liquido war. Dadurch, dass wir dort gemeinsam arbeiten, sind wir über die Zeit Freunde geworden. Dann ist langsam dieser Gedanke gewachsen, den Song vielleicht mal neu zu machen. Wolfgang wollte eigentlich nie ein Cover freigeben. Aber dann kam Gregor und hat ihn so lange genervt, bis er…

Gregor: Ich hab ihm, als wir mal gemeinsam etwas trinken waren, wirklich so lange die Melodie in sein Ohr gebrüllt, bis er gesagt hat: Okay, jetzt versuchen wir es. Dann sind wir zusammen ins Studio und haben schnell gemerkt, dass es sehr gut funktioniert. Wolfgang hat dann selbst Gitarren eingespielt, er hat den alten Synthi von damals mitgebracht, er hat den C-Part (Zwischenteil mit harmonisch oder rhythmisch neuen Bestandteilen; Anm. d. Red.) gesungen. Das war für uns etwas sehr Besonders, dass der Original-Künstler so mit am Start ist.


Hier kannst du in die neue Single "Narcotic" von Younotus hören!


Mit "Narcotic" covert ihr einen Nineties-Song und auch "Supergirl" kommt aus der Zeit. Was reizt euch so an 90er-Jahre-Covern?
Gregor: Wir sind Kinder der Neunziger. Wir finden das alles geil!

Tobias: Wir sind beide Anfang der Neunziger geboren. Das ist der Sound, der uns in unserer Jugend begleitet hat. Generell gibt es gerade den Trend, dass die Neunziger wieder aufleben – also nicht nur in der Musik, sondern auch in der Mode. Die Neunziger waren eine echt witzige Zeit. Und "Narcotic" war eine Hymne dieses Jahrzehnts. Ein Welthit, der uns damals begleitet hat. Dementsprechend war es eine besonders schöne Aufgabe, den Song neu, modern und in unserem Stil zu interpretieren. 

Was glaubt ihr, warum es gerade so ein Nineties-Revival gibt?
Gregor: Die Leute, die aus dieser Zeit kommen, sind jetzt am Kreativdrücker. Sowohl in der Musik, als auch in der Mode. Die sind jetzt in der Position, dass sie das steuern kommen. Ich glaube, daher kommt dieses Revival.

Fans dürfen auf ein Younotus-Album hoffen

Ihr seid aktuell ja relativ erfolgreich, warum gibt’s denn noch kein Album von euch?
Tobias: Das ist eine sehr gute Frage! (lacht) Zu Zeiten von Streaming ist es nicht mehr wie früher, wo du eine Single machst, und danach direkt das Album kommen muss. Wir arbeiten eher so, dass wir Singles releasen –  haben aber Bock, ein Album zu machen. Irgendwann wird es eins geben. Wir wollen aber nicht ein Album machen, auf dem die fünf Singles, die man released hat, hintereinander sind, und dazu noch fünf Songs, die nicht wirklich jemand hört. Wir haben Bock, ein richtiges Konzeptalbum zu machen, bei dem etwas dahintersteckt. Und das braucht einfach noch Zeit, um zu wachsen. Wir wollen das nicht überstürzen. Außerdem wollen uns den Moment des Debütalbums bewahren, weil das etwas sehr, sehr besonderes ist.

Bis dahin seid ihr noch viel auf Festivals unterwegs und gebt Konzerte. Was war denn bisher euer skurrilster Gig oder euer außergewöhnlichstes Erlebnis während eurer gemeinsamen Zeit?
Gregor: Es gab einmal einen Gig in Thailand… Warte mal, jetzt fällt mir noch was anderes ein! (Tobias lacht) Ein Gig in Kassel, wo wir dachten, dass es ein ganz normaler Gig ist. Wir fahren dahin, stehen am Bahnhof und irgendwann werden wir abgeholt von zwei Leuten, die nicht so wirken, als wären sie in der Veranstaltungsbranche. Das war schon ein bisschen komisch. Wir fahren also und sind ungefähr eine halbe Stunde raus aus Kassel, als wir an einem Eisenbahngelände ankommen – und in einem Lokschuppen vor 25 Leuten spielen. Es war ein privater Geburtstag. Aber es war ein super besonderer Abend, weil es so intim war, eine kleine Gesellschaft. Wir hatten mega Spaß an dem Abend.


Younotus Gregor Sahm Tobias Bogdon Ballons


Gregor, bei der Recherche bin ich auf die Aussage von dir gestoßen, dass dein musikalisches Vorbild Helge Schneider ist. Stimmt das? Warum?
Gregor: Ich würde nicht sagen, musikalisches Vorbild. Aber generell Vorbild. Ich bin mit Helge Schneider aufgewachsen: Mein Vater hat mir mit fünf Jahren das erste Mal Helge Schneider vorgespielt und da war ich hooked. Ich kenne alles, was es aufgenommen gibt von Helge Schneider, und er ist für mich eine ganz besondere Person.

Tobias, hast du auch ein Vorbild?
Tobias: Finde ich schwierig. Ich habe nicht eine Person, von der ich sage: Das ist jetzt mein Riesenvorbild. Oder, Gregor, hab ich irgendein Vorbild? Weißt du was?

Gregor: Michael Tarnat vielleicht. (lacht)

Tobias: Michael Tarnat! (lacht) Also früher war mein Vorbild Oliver Kahn. Aber sonst…

Tobias: "Es war immer der Plan, in Richtung Musik zu gehen."

Ihr habt Audiodesign und Musikmanagement studiert. Was waren eure Zukunftspläne, als ihr damit angefangen habt?
Tobias: Erstmal irgendwas mit Medien machen. (lacht)

Gregor: Geh nach Berlin und mach was mit Medien! (lacht)

Tobias: Ich hatte schon Bock, was in der Musikindustrie zu machen. Ich hab zu der Zeit schon Events organisiert, habe aufgelegt, Musik gemacht. Das hatte ich im Hinterkopf. Deshalb habe ich mir einen Studiengang gesucht, der in die Richtung geht. Ich habe einfach spekuliert, dass es irgendwann mit der Musik so funktioniert, dass ich das beruflich machen kann. Es war immer der Plan, in Richtung Musik zu gehen.

Gregor: Ja, für mich auch. Ich habe auch schon lange produziert, bevor ich angefangen habe zu studieren. Und ich habe mir schon immer vorgestellt, dass die Tracks mal auf irgendeiner großen Bühne laufen oder dass ich sie sogar selbst irgendwo spielen kann.  Aber dass es so kommt war natürlich nicht planbar. Ich habe mir das gerne vorgestellt.

Alle Songs von Younotus sind Teamarbeit

Wie haben sich eure Zukunftspläne durch euren Erfolg verändert? Was habt ihr dieses Jahr noch geplant? Habt ihr schon Pläne für das kommende Jahr?
Gregor: Also ich denke immer nur bis nächste Woche. (lacht)

Tobias: Momentan denken wir wirklich von Woche zu Woche, weil einfach so viel los ist und wir die ganze Zeit unterwegs sind. Aber wir wollen und werden wahrscheinlich immer Musik machen und so lange es geht in dem Bereich aktiv sein.

Ihr verbringt sehr viel Zeit miteinander.
Tobias: Das stimmt!

Geht ihr euch manchmal auf die Nerven? Oder klappt das mit euch ganz gut?
Tobias: Wir machen regelmäßig Eheberatung. (lacht)

Gregor: Ja, immer dienstags, 18 Uhr, kommt ein Therapeut und langsam schlägt die Therapie auch an. Aber es war ein harter Weg.

Tobias: Ja, war ein harter Weg…

Gregor: Aber mal ganz im Ernst: Ich weiß nicht wieso, aber es funktioniert unfassbar gut. Wir gehen uns nie wirklich gegenseitig auf den Sack. Wir sind immer nur genervt von Situationen, in denen wir uns befinden. Und auch mit denen gehen wir inzwischen immer lockerer um. Es gibt wirklich so gut wie keine Situation, in der wir uns mal anbeefen oder so.


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Wie läuft das denn zum Beispiel bei einer Produktion wie "Narcotic"? Habt ihr eine Aufgabenteilung? Wie geht ihr sowas an?
Tobias: Wir sitzen immer zusammen im Studio. Alle Sachen, die wir machen, entstehen gemeinsam. Wir ergänzen uns ziemlich gut. Manchmal kommt es vor, dass wir beide gerade eine Idee haben und etwas machen wollen, wir uns gegenseitig die Maus aus der Hand reißen und kurz darum kämpfen, wer jetzt etwas machen darf. Aber grundsätzlich ist jede Produktion, jeder Song, den wir schreiben, ein Werk von uns beiden. Das ist auch der Grund, warum es funktioniert. Wenn einer von uns was alleine macht, dann ist es nie so on point, wie wenn es unser gemeinsamer Geschmack ist. Jeder Snare-Sound und jeder Basston muss uns beiden gefallen. Die Mischung aus uns beiden ist unser Erfolgsrezept.

Das klingt sehr harmonisch. Gibt es trotzdem etwas an eurem Job, das ihr gerne ändern würdet?
Tobias: Manchmal wäre ein bisschen mehr Schlaf nicht schlecht. Wir sind meistens am Wochenende unterwegs, und kommen Montag oder Sonntagabend zurück nach Berlin, wo wir wohnen. In der Woche versuchen wir wirklich jeden Tag ordentlich und genug zu schlafen. Aber manchmal, wenn wir tagsüber einen Slot auf einem Festival und nachts ein Booking in einem Club haben, bleibt sehr wenig Zeit zum Schlafen. Das ist dann ein bisschen anstrengend.

Was würdet ihr Nachwuchs-DJs mit auf den Weg geben? Habt ihr Tipps?
Gregor: Machen, machen, machen.

Tobias: Genau. Wenn man Bock hat, was in diesem Segment zu reißen, muss man einfach immer am Start sein. Ich lege auf, seit ich 17 bin, und habe in meinem Leben schon 400 oder 500 Gigs gespielt, gefühlt jedenfalls. Vielleicht auch etwas weniger. Aber man entwickelt sich die ganze Zeit weiter. Man muss dran bleiben und vorbereitet sein für den Moment, in dem sich eine Chance bietet. Und die muss man dann ergreifen.

Gregor: Man muss sein Handwerk beherrschen, sodass man in dem Moment, in dem sich eine Chance bietet, dann auch wirklich liefern kann.


Hier kannst du in die Musik von Younotus reinhören!

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