Interaktive Serie
Interaktive Formate könnten schon bald die Serienlandschaft aufmischen | Foto: Thinkstock/anyaberkut

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26. Sep 2017

Nina Weidlich

Serien

Gelangweilt? Dieses neue Format könnte dich aus deinem Serien-Tief herausholen

Zwei Möglichkeiten, eine Entscheidung

Kennt noch jemand "Mats und die Wundersteine?" Das Kinderbuch von Marcus Pfister, dem wir unter anderem auch den Regenbogenfisch zu verdanken haben, erschien im Jahr 1997.

Ab einem bestimmten Punkt des Buches hatten wir die Wahl: Oben weiterblättern für das glückliche Ende, unten blättern für das traurige Ende. Zu dieser Zeit – und wenn man vier Jahre alt ist – war das schon krass interaktiv.

Und, was würdest du machen?

Die spanische Serie "Si fueras tú" (deutsch: "Was würdest du tun?") funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Nur ein bisschen mehr 2017 und ein bisschen weniger 1997. In der interaktiven Serie, die momentan auf dem Online-Portal des spanischen TV-Senders RVTE ausgestrahlt wird, geht es um die 17-Jährige Alma Ruiz (María Pedraza), die mit ihrem Onkel in eine neue Stadt zieht. Ihre Eltern sind für den Job nach Neuseeland ausgewandert. Dahin kann sie allerdings erst gehen, wenn sie in Spanien ihr letztes Schuljahr absolviert hat.

Als Alma zum ersten Mal ihre neue Schule betritt, fühlt sie sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Jeder starrt sie an. Schüler, Lehrer, alle. Fast schon normal, wenn man die Neue ist. Aber schnell wird klar, warum sie wirklich die Blicke auf sich zieht. Alma sieht fast genauso aus wie Cris – ein Mädchen, das auf ihre Schule ging und vor einem halben Jahr spurlos verschwunden ist.

Das Prinzip der Serie ist simpel, aber ungewöhnlich: Am Ende jeder Folge werden die Zuschauer vor die Entscheidung gestellt, wie Alma in einer bestimmten Situation handeln soll. Dabei kann via Facebook oder Instagram zwischen zwei Optionen gewählt werden. Erst dann gehen die Schauspieler ans Set, um die neue Folge nach den Wünschen der Zuschauer zu drehen.


Info"Si fueras tú" online schauen

Du kannst spanisch und bist sowieso noch auf der Suche nach einer Serie, mit der du deine Sprachkenntnisse aufbessern kannst? Jeden Montag kannst du dir die neue Folge von "Si fueras tú"  in der RTVE-Mediathek anschauen.

Danach hast du 24 Stunden Zeit, auf der Facebook-Seite oder dem Instagram Account mitzuentscheiden, wie es weitergehen soll. Praktisch: Die komplette Serie wird spanischen Untertitel gezeigt. Also keine Sorge, wenn du mit der schnellen Aussprache der Spanier anfangs noch Probleme hast.



"Si fueras tú": Altes Konzept in neuer Aufmachung

Den Auftakt machte "Si fueras tú" am 11. September dieses Jahres, seitdem wird jeden Montag eine neue Folge ausgestrahlt. Bei der zweiten Entscheidung haben bereits über 30.000 Personen abgestimmt. Aber nicht nur mit der Möglichkeit zur Mitbestimmung versuchen die Serienmacher, das junge Publikum abzuholen. Auch die Länge einer Folge ist auf den Medienkonsum der jungen Zielgruppe abgestimmt: Die Pilotfolge dauerte 20 Minuten, aller weiteren Folgen sollen jeweils nur zehn Minuten lang sein.

Das Konzept ist nicht neu: Die Spanier haben Idee und Plot aus Neuseeland übernommen. Dort wurde das Original "Reservoir Hill" bereits 2009 ausgestrahlt und bekam dafür ein Jahr später sogar den "International Digital Emmy". Heute, wo wir Social Media und damit das Swipen, Liken und Teilen  fest in unseren Alltag integriert haben, macht so ein Format vermutlich aber viel mehr Sinn als damals.

Interaktive Formate in Deutschland

In Deutschland kennen wir so ein Format bisher nur aus dem einmaligen Projekt "Terror – Ihr Urteil", das im letzten Jahr in der ARD zu sehen war. Fast sieben Millionen Menschen schalteten ein, als Florian David Fitz in seiner Rolle als Luftwaffen-Major Lars Koch auf der Anklagebank saß, weil er ein von Terroristen entführtes Passagierflugzeug mit 164 Insassen abschießen ließ.

Die gekaperte Maschine nahm Kurs auf die Münchener Allianz-Arena, in der 70.000 potentielle Opfer saßen. 164 Menschenleben gegen 70.000. Es war an uns zu entscheiden, ob der Major schuldig war –  knapp 87 Prozent stimmten damals für Freispruch.

Zieht Netflix bald nach?

Auch Netflix hat die interaktiven Serien jetzt für sich entdeckt, allerdings stehen erst einmal nur Kinderserien mit Wahlmöglichkeit auf dem Programm: In "Der gestiefelte Karte und das magische Buch" können Kinder per Klick auf die Fernbedienung entscheiden, wie es weitergehen soll.

Theoretisch ist es möglich, dass  in Zukunft auch Serien wie "Orange is the New Black" oder "House of Cards" mit interaktiven Zusatzfunktionen ausgestrahlt werden. Wir könnten dann zum Beispiel mitentscheiden, ob Kevin Spacey als Präsident den nächsten korrupten Coup starten oder doch lieber mal an sein Gewissen appellieren soll. Oder, ob die Inhaftierten des Frauenknasts sich einer Gang anschließen sollen – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Mit den ersten Versuchen im Kinderserien-Bereich wollen die Netflix-Macher laut Angaben der britischen Tageszeitung Daily Mail aber erst einmal testen, wie das Angebot bei den Zuschauern ankommt. Denn: Die Produktion von interaktivem Content ist aufwändig. Die Schauspieler müssten für viele zusätzliche Sequenzen vor der Kamera stehen, um alle möglichen Wendungen in der Geschichte abzudecken. Möglich ist auch, dass Netflix das interaktive Angebot erst einmal an komplett neuen Serien ausprobiert. Wir dürfen also gespannt sein.


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