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03. Dez 2015

Barbara Kotzulla

Entertainment

Slow West

-ARCHIV-

Bildgewaltiger Neo-Western – seit dem 03. Dezember auf DVD, Blu-ray und als VoD

Liebe und Tod im Wilden Westen

"Es gibt Tausend Arten zu sterben – wähle eine aus!": An der rauen schottischen Küste hatte sich der schüchterne Adelige Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee) einst in den morbiden Humor und den betörenden Charme der Bauerstochter Rose Ross (Caren Pistorius) verliebt. Doch zwischen den unterschiedlichen Familien kam es zum Streit mit tödlichem Ende. Rose und ihr Vater (Rory McCann, "The Hound" aus "Game of Thrones") flüchteten daraufhin in den Wilden Westen der USA.

Jetzt – wir schreiben das Jahr 1870 – wandert Jay einsam durch die Prärie des fremden Kontinents. Getrieben von Hoffnung und Sehnsucht hat er es weit gebracht, wird dann jedoch in einem Wald von Gesetzlosen aufgehalten. Zu Jays Glück taucht aus dem Nichts Silas Selleck (Michael Fassbender, "Steve Jobs") auf. Der ehemalige Kopfgeldjäger rettet den jungen Schotten nicht nur, sondern bietet ihm auch seine Hilfe bei der Suche nach Rose an.

Was Jay nicht weiß, dafür aber der Rest des Wilden Westens: Das Vater-Tochter-Gespann wird steckbrieflich gesucht, lebendig oder tot, mit einer Belohnung von 2.000 US-Dollar. Es beginnt ein Rennen mit der Zeit.

Ein Film, so rau und schön wie der Wilde Westen

Atmosphärisch dicht, episch gefilmt: Mit seinem ersten langen Spielfilm hat Regisseur John Maclean eine fast schon surreale Indie-Western-Perle auf die Leinwand gebracht. Vor der Kulisse Neuseelands gedreht, folgt der Zuschauer gebannt in knackigen 84 Minuten Jays nicht enden wollendem Glauben an die Liebe. 

Dabei finden trotz der betörenden Bilder Romantik wie Helden keinen Platz in "Slow West". Jays Sehnsucht geht Hand in Hand mit dem allgegenwärtigen Tod. Große Gefühle haben in dieser Welt keinen Platz, daran wird auch die Naivität des jungen Ausländers nichts ändern.

Kodi Smit-McPhee ist diese Rolle wie auf den Leib geschnitten: Mit seinem schlaksigen Schritt und seinem arglosen Wesen muss er sich immer mehr der rauen Realität der neuen Welt stellen. Zu dieser gehört auch Silas, den Michael Fassbender als irgendwie undurchsichtigen, irgendwie vertrauenswürdigen, irgendwie mysteriösen "Lonesome Cowboy" darstellt. Das Duo entwickelt auf dem Weg durch die Prärie eine zarte Freundschaft, deren Entwicklung durch einen blutigen Showdown je unterbrochen wird.

Begleitet wird die Story, in der gleichsam nicht viel, aber mehr als genug passiert, von einer tragischen Leitmelodie, die dem Film eine gewisse Schönheit verleiht und gleichsam als düstere Prophezeiung fungiert. "Slow West" ist ein melancholischer Neo-Western voller Bildgewalt, Blut und bittersüßem Witz. Vollkommen zu Recht gab es dafür auf Sundance Film Festival 2015 den begehrten Grand Jury Prize.


UNICUM Filmtipp

Slow West

Western, GB/NZ 2015

Darsteller u.a.: Michael Fassbender, Kodi Smit-McPhee, Caren Pistorius, Ben Mendelsohn

Verleih: Prokino Home Entertainment

VÖ: 03. Dezember 2015

www.slow-west.de

Online bestellen (Amazon): Slow West

Artikel-Bewertung:

3.4 von 5 Sternen bei 108 Bewertungen.

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