Blau ist eine warme Farbe
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Filmkritik: Blau ist eine warme Farbe

-ARCHIV-

Das Liebesdrama ist gibt's ab dem 09. Mai auf DVD, Blu-ray und als Video on Demand

Ganz nah am Herzen

Viel wurde 2013 bei den Filmfestspielen in Cannes über "Blau ist eine warme Farbe" diskutiert. Die einen erhitzten sich über die expliziten Sex-Szenen, welche die Figuren minutenlang und hautnah beim Liebesspiel begleiten. Die anderen gingen regelrecht vor der Schauspielleistung der beiden Hauptdarstellerinnen in die Knie. Doch beide Lager waren sich letztendlich einig: Der Film des Franzosen Abdellatif Kechiche ist schlichtweg ein Meisterwerk.

"Blau ist eine warme Farbe" nimmt den Zuschauer fast drei Stunden lang mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt und fährt ganz nah am Herzen den Lebenszyklus einer Partnerschaft nach: Die junge Adèle (Adèle Exarchopoulos) merkt früh, dass sie sich von ihren Mitschülerinnen unterscheidet. Während die anderen Mädchen für das andere Geschlecht schwärmen, fühlt sich der Literatur-Fan irgendwie unvollkommen, unverstanden. Auch die Treffen und ersten sexuellen Erfahrungen mit dem umschwärmten Thomas (Jérémy Laheurte) hinterlassen bei Adèle mehr ein Gefühl der Leere als der Liebe. 

Kurz vor ihrem 18. Geburtstag trifft Adèle dann sprichwörtlich der Schlag. An einer Ampel erblickt sie zum ersten Mal die blauhaarige Emma (Léa Seydoux), die ihr Arm in Arm mit einer anderen Frau entgegenschlendert. Ihre Blicke treffen sich, folgen einander, verlieren sich. Adèle erhascht einen ersten kurzen Schimmer Glücksgefühl – und wird neugierig. In einem Club trifft sie die ältere Kunststudentin Emma wieder. Es folgt die Geschichte einer sehr persönlichen Liebe, die die beiden Frauen regelrecht verschlingt und die Adèle und Emma nicht nur auf Wolke Sieben hebt, sondern gleichwohl in die tiefsten Abgründe stürzt.

Überwältigende Emotionalität

"Blau ist eine warme Farbe" fesselt mit einer ungemeinen Intimität. Hautnah erleben wir jede Regung, jede Errötung, jede kleine Geste der beiden Hauptdarstellerinnen mit. Die Kamera fängt die Gesichter meist in Nahaufnahme ein, dennoch fühlt man sich nie wie ein Voyeur, sondern wird als Beobachter fast mehr zum Teil der Beziehung, taucht hinein in die Seele Adèles. So entsteht gleichzeitig bei den schlichtweg tabulosen Sex-Szenen kein Gefühl der Hemmung. Ganz natürlich fügt sich dieser Part ein in das große Ganze – wie in einer normalen Beziehung. Das Liebesspiel wird zum Spiegel der Leidenschaft, die Adèle und Emma füreinander empfinden. Besonders deutlich wird dies direkt zu Beginn: Zwischen Adèles verkrampften Sex mit Thomas und der Erotik zwischen ihr und Emma liegen (Gefühls-)Welten.

Diese Natürlichkeit resultiert zum großen Teil aus der nuancierten und furchtlosen Darstellung der beiden Schauspielerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos, die sich spürbar mit ganzer Körperlichkeit und vollstem Empfinden in ihre Figuren hineinleben. Die Chemie zwischen den beiden Frauen ist überwältigend, man sieht förmlich die Funken wie die Fetzen fliegen. Ganz großes Kino!

Dies empfanden im Übrigen die Juroren der Filmfestspiele in Cannes genauso: "Blau ist eine warme Farbe" wurde 2013 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Als besondere Ehrung aller Beteiligten wurde der Hauptpreis des Festivals nicht wie sonst üblich nur an Regisseur Kechiche verliehen, sondern eben auch an Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos. Vollkommen zu Recht – so einen unfassbar authentischen, unbändigen wie inbrünstigen Film bekommt man nur selten zu sehen.

Blau ist eine warme Farbe

Drama, F 2013

Regie: Abdellatif Kechiche

Darsteller u.a.: Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos

Verleih: Alamode Film

VÖ: 09. Mai 2014

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