Foto:

09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Filmkritik: Drecksau

-ARCHIV-

Die Irvine Welsh-Verfilmung erscheint am 25. Februar auf DVD und Blu-ray

Lust auf einen kleinen Psycho-Trip?

Irgendwann im Film kommt der Punkt, an dem man denkt, dass Bruce Robertson (James McAvoy) seinen Gemeinheiten nicht noch einen obendrauf setzen kann. Doch er kann. Und wie er kann. Es lässt sich nicht anders formulieren: der schottische Polizei-Sergeant ist einfach ein riesengroßes Arschloch. Zwischen Korruption, Drogenexzessen und Sexpartys versucht er seine Kollegen gegeneinander auszuspielen, um an eine Beförderung zu gelangen. Die Chancen stehen tatsächlich gut, und so erhält Robertson den Auftrag, den Mord an einem asiatischen Austauschstudenten aufzuklären. Doch der Fall gleitet ihm mehr und mehr aus den Händen – ebenso wie sein ohnehin schon kaputtes Leben ...

Als leichte Kost kann man die Romane von Irvine Welsh nun nicht gerade bezeichnen. Auch Filmemacher tun sich oft schwer, seinen eigensinnigen Schreibstil auf die große Leinwand zu übertragen. Dass eine solche Umsetzung dennoch gelingen kann, beweist nach wie vor "Trainspotting" aus dem Jahre 1996. Und nun "Drecksau": Regisseur und Drehbuchautor Jon S. Baird hat die Vorlage ordentlich abgespeckt und konzentriert sich stattdessen auf die wichtigsten Elemente des Romans. Dabei gelingt es ihm, die Story mit ordentlich Schwung und Witz zu erzählen, ohne dabei die Dramatik aus den Augen zu verlieren. 

Daneben ist es Hauptdarsteller James McAvoy ("Abbitte", "Wanted", "Trance") der "Drecksau" mit seiner Performance ins Rennen um den würdigsten "Trainspotting"-Nachfolger schickt. Der Schotte spielt absolut ungehemmt auf und vermag es sogar, seiner absolut unsympathischen Figur positive Facetten abzugewinnen. Am Ende tut einem Bruce Robertson leid – nach allem, was man zuvor gesehen hat. Auch der Rest des Cast ist handverlesen: Jamie Bell ("Billy Elliot") trumpft als junger Arbeitskollege von Bruce aus, Eddie Marsan ("21 Gramm", "Sherlock Holmes") gibt den naiven Kumpel und Jim Broadbent ("Harry Potter") wütet als durchgedrehter Psychiater.

"Drecksau" ist ein starker und absolut empfehlenswerter Psychotrip mit brillanten Darstellern. Doch wer hier vor dem Bildschirm sitzt, sollte sich auf einiges gefasst machen. An dieser Stelle sei nicht zu viel verraten, nur: der Titel ist Programm! Unser Tipp: Alle, die noch mehr Irvine Welsh-Vibe erleben wollen, sollten sich für die Originalversion entscheiden. Doch am besten mit Untertiteln, denn der breite schottische Dialekt der Darsteller ist zwar absolut authentisch, aber für ungeübte Ohren teilweise ziemlich unverständlich.

Drecksau

Drama/Komödie, GB 2013

Regie: Jon S. Baird

Darsteller u.a.: James McAvoy, Jamie Bell, Eddie Marsan, Jim Broadbent

Verleih: Ascot Elite Home Entertainment

VÖ: 25. Februar 2013

www.drecksau-derfilm.de

Artikel-Bewertung:

2.96 von 5 Sternen bei 135 Bewertungen.