Enemy DVD
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Filmkritik: Enemy

-ARCHIV-

Ab dem 10.10. auf DVD, Blu-ray, VoD und als 3-Disc Limited Collector's Edition im Mediabook

Ein bizarres Spiel beginnt

Der Alltag von Geschichtsprofessor Adam Bell (Jake Gyllenhaal) ist von Lethargie und Tristesse geprägt: Immer wieder hält er dieselben Vorträge an der Uni, kehrt dann in seine karge Wohnung zurück, wo er sich zum lieblosen Sex mit Freundin Mary (Mélanie Laurent) trifft. Eines Tages empfiehlt ein Arbeitskollege Adam eine Komödie mit dem Titel "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg". Obwohl der Dozent nicht viel mit Filmen anfangen kann, zieht es ihn dennoch in die Videothek – auf dem Bildschirm daheim entdeckt er in einer kleinen Nebenrolle einen Schauspieler, der ihm bis aufs Haar gleicht. 

Adam begibt sich fieberhaft auf die Suche nach seinem Doppelgänger und trifft letztendlich auf Anthony (ebenfalls Jake Gyllenhaal), der mit seiner schwangeren Ehefrau Helen (Sarah Gadon) den Gegenentwurf zu Bells Leben liefert. Immer wieder kreisen Adam und Anthony umeinander – die Szenerie wird zunehmend bizarrer und bedrohlicher.

Traum oder Wirklichkeit?

Noch vor seinem großen Durchbruch mit "Prisoners" (ebenfalls mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle) drehte der Kanadier Denis Villeneuve mit "Enemy" seinen ersten englischsprachigen Film – und dieser hat es in sich. Villeneuve erspinnt eine albtraumhafte Welt, in der die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, sofern sie denn existiert, verschwimmt. Das Ambiente ist gänzlich in fast farbloses Sepia getaucht; lange, ruhige Kamera-Einstellungen verschärfen die verstörende Atmosphäre. "Enemy" ist in allen filmtechnischen Aspekten minimiert bis zur Schmerzensgrenze und nimmt den Zuschauer an keiner Stelle begleitend an die Hand.

Sind Anthony und Adam dieselbe Person? Sind es Brüder? Ist das Geschehen real? Befinden wir uns nur in einer Gedankenwelt? Und: Was hat es mit dem Symbol der Spinne auf sich? Diese Fragen muss der Cineast für sich beantworten. Die wenigen Dialoge ebenso wie einige wiederkehrende Motive geben zwar grobe Anhaltspunkte, doch eine konkrete Auflösung wird nicht angeboten. Als Zuschauer muss man den winzig kleinen Brotkrumen folgen, die Filmemacher Denis Villeneuve sorgsam dosiert streut.

Fast schon kammerspielartig konzentriert sich die Story auf die Doppelgänger, deren unterschiedliche Rollen Jake Gyllenhaal mit Bravour verkörpert. Nicht von ungefähr erinnert seine Performance in "Enemy" stark an seine Rolle in dem 2001er-Kultfilm "Donnie Darko". Dessen Handlung und Interpretationsmöglichkeiten sind ebenso schwer in wenige Worte zu fassen, wie hier.

Daher muss an dieser Stelle eine reine Filmbesprechung zu "Enemy" enden – ab hier geht es nur noch um den eigenen Interpretationsansatz. Und dieser könnte wohl ganze Semesterarbeiten füllen. Den Psycho-Thriller sollte man sich möglichst unbefangen ansehen – im Idealfall wird man im Gegenzug schnell von ihm gefangen genommen.

Doch Vorsicht: "Enemy" ist ein sehr spezielles Filmstück und ganz sicher Geschmackssache! Fans des modernen surrealen Kinos à la David Lynch, David Cronenberg oder Terry Gilliam dürften regelrecht gefesselt werden. Wer sonst eher auf leicht verdauliche Blockbuster-Kost steht, schaltet hingegen irritiert aus.

Enemy

Thriller, CDN/ES 2013

Regie: Denis Villeneuve

Darsteller u.a.: Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent, Sarah Gadon, Isabella Rossellini 

Verleih: Capelight Pictures

VÖ: 10. Oktober 2014

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