Grand Budapest Hotel DVD
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Filmkritik: Grand Budapest Hotel

-ARCHIV-

Der Wes Anderson-Film ist ab 5. September als Blu-ray und DVD erhältlich

Ein typischer Anderson

Kaum ein anderer Filmemacher hat es in den vergangenen Jahren geschafft, seinen Namen so eng mit einem ganz eigenen Regie-Stil zu verknüpfen wie Wes Anderson. Und so stürmen Fans des Texaners allein aufgrund der Tatsache, dass es sich um ein neues Anderson-Werk handelt, begeistert in die Kinos.

Wer "Die Royal Tenebaums", "Darjeeling Limited" oder "Moonrise Kingdom" zu seinen Lieblingsfilmen zählt, kann erahnen, was ihn in "Grand Budapest Hotel" erwartet. Alle anderen seien "vorgewarnt": Einmal mehr entfaltet Wes Anderson eine märchenhaft anmutende Welt voller skurriler Figuren, liebevoller Details, einem atemberaubenden Setting, superbem Wortwitz und einer fabelhaft kauzigen Geschichte.

Willkommen im Grand Budapest Hotel

Szene Eins: Eine junge Frau nähert sich voller Ehrfurcht der Büste eines Autors. Sie schlägt dort das von eben jenem Schriftsteller verfasste Buch "Grand Budapest Hotel" auf.

Szene Zwei: 1985. Der Autor (Tom Wilkinson) von "Grand Budapest Hotel" spricht uns Zuschauer direkt an und beginnt, die Hintergrundgeschichte seines Romans zu erläutern.

Szene Drei: 1968. Der weiterhin namenlose, von einer Schreibblockade geplagte Schriftsteller (nun: Jude Law) reist ins Bergdorf Nebelsbad im fiktiven Staat Zubrowka und checkt im Grand Budapest Hotel ein. Die Unterkunft ist fast menschenleer und hat ihre besten Tage hinter sich. Ein älterer Herr erweckt die Aufmerksamkeit des Autors und stellt sich ihm alsbald als Zéro Moustafa (F. Murray Abraham) vor. Es handelt sich um den Hotelbesitzer, der seinen Gast kurzerhand zum Abendessen einlädt. Moustafa will dem Autor seine Geschichte erzählen.

Diese führt ins Jahr 1932. Zéro Moustafa (nun: Tony Revolori) erhält im damals ruhmreichen wie glamourösen Grand Budapest Hotel eine Anstellung als Lobby Boy. Schnell nimmt der von den Gästen über alle Maße verehrte Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes) ihn unter seine Fittiche. Gustave ist ein Charmeur, ein Casanova, gleichermaßen ein strenger wie gerechter Chef. Stets trägt er Unmengen seines Lieblingsdufts "L’Air de Panache", rezitiert Gedichte und wärmt älteren Damen das Bett.

Als die 84-jährige Madame D. (kaum zu erkennen: Tilda Swinton), eine seiner wohlhabenden Gespielinnen, verstirbt, macht sich Monsieur Gustave samt Zéro auf den Weg zur Beerdigung nach Lutz. Durchaus mit der Aussicht auf ein Stück vom Erbe. Bei der Testamentsvollstreckung im Schloss Lutz erweist sich diese Hoffnung als berechtigt: Dem Concierge wird das unbezahlbare Gemälde "Jüngling mit Apfel" zugesprochen – sehr zum Ärgernis der grimmigen Kinder der Verstorbenen (u.a. Adrien Brody).

Weil sich zudem der Verdacht erhärtet, Madame D. wäre ermordet worden, stehlen sich Gustave und Zéro mit dem Kunstwerk davon. Es folgt eines der irrwitzigsten Katz-und-Maus-Spiele der Filmgeschichte, bei der das Duo vor unzähligen Schergen (u.a. Willem Dafoe, Edward Norton) und einem ausbrechenden Krieg flüchten und um ihr Leben und die Liebe kämpfen muss.

Feuerwerk der Fantasie

In einem faszinierenden, quietschbunten und bis ins Einzelne ausgearbeiteten Ambiente entfaltet Wes Anderson ein modernes Märchen, das förmlich alle Grenzen sprengt. Hier wird der Fantasie einfach komplett freie Fahrt gewährt. "Grand Budapest Hotel" ist schräg, originell, staunenswert, exzentrisch, über- wie abgedreht – und daher ausdrücklich Geschmackssache. Denn wer nichts mit dem speziellen Stil Andersons anfangen kann, dürfte sich spätestens nach den ersten Minuten ob des geballten Feuerwerks an Dekor, Farbe und Extravaganz verwundert am Kopf kratzen.

Wer sich jedoch darauf einlässt, erlebt erstklassige Unterhaltung und Überraschungen am laufenden Band. Und natürlich eine großartige Schauspielriege, die mit sichtbarer Freude aufspielt. Wes Anderson versammelt mal wieder seine Lieblingsakteure um sich: So haben neben den bereits genannten auch Bill Murray, Jeff Goldblum, Jason Schwartzman und Owen Wilson ihren Moment im "Grand Budapest Hotel". Über allem steht aber Anderson-Debütant Ralph Fiennes, der den Film mit einer geradezu magischen Aura trägt. Er wechselt mühelos von aristokratischer Würde zu manischem Wutausbruch – eine mehr als sehenswerte Leistung.

"Grand Budapest Hotel" ist ein wahrer Augenschmaus, eine visuelle Reise in eine andere Welt. Wer sich auf diesen Trip wagt, wird mit einer Überdosis Charme, Zucker und Fantasie belohnt.

Grand Budapest Hotel

Komödie, USA 2014

Regie: Wes Anderson

Darsteller u.a.: Ralph Fiennes, Toni Revolori, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Tilda Swinton

Verleih: Twentieth Century Fox Home Entertainment

VÖ: 05. September 2014

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