Le Weekend
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Filmkritik: Le Weekend

-ARCHIV-

Die Komödie des "Notting Hill"-Regisseurs ist seit dem 28. Mai auf DVD und als VoD erhältlich

(Kein) Happy End in der Stadt der Liebe

Vor 30 Jahren führte ihre Hochzeitsreise Nick (Jim Broadbent) und Meg (Lindsay Duncan) nach Paris, nun wollen der Uni-Dozent und die Lehrerin ihrer Ehe in der Stadt der Liebe neuen Schwung verleihen.

Doch der Kurztrip in die französische Hauptstadt wird mehr und mehr zum Desaster: Das damals liebenswürdige Hotel entpuppt sich in der Jetzt-Zeit als Bruchbude, Meg mäkelt und meckert an allem herum und auch Nick lässt der heimatliche Alltagsfrust nicht zur Ruhe kommen.

Als es fast so aussieht, als würden sich die Eheleute trennen, erscheint auf einmal Nicks ehemaliger Kommilitone Morgan (Jeff Goldblum) auf der Bildfläche. Der berühmte Schriftsteller führt im Gegensatz zum biederen britischen Paar ein Luxusleben, inklusive einer jungen Frau und New Yorker Appartment.

Beim überraschenden Wiedersehen lädt Morgan seinen alten Freund samt Gemahlin zu einer kleinen Feier ein. Eine Party mit Folgen – für Nick und Meg.

Gute Darsteller, verpasste Chancen

Während sich in früheren Jahren Kino-Romanzen fast ausschließlich dem "Verlieben" widmeten, flimmern in letzter Zeit immer mehr Filme über die Leinwand, die zum einen den Alltag gestandener Paare als auch das Liebesleben der älteren Generation beleuchten.

Dass solche Filme durchaus ein jüngeres Publikum ansprechen können, beweist etwa das kluge "Before Midnight", in dem Regisseur Richard Linklater meisterhaft Julie Delpy und Ethan Hawke die (Un-)Tiefen ihrer jahrelangen Verbindung auskundschaften lässt. Geschliffene Dialoge, feine Nuancen und eine wunderbare Kulisse machen die Romanze auch für diejenigen sehenswert, die noch weit von dem Hafen der Ehe entfernt sind.

Schlagfertigkeit. Lebensweisheit. Verbundenheit. Daran mangelt es leider "Le Weekend". "Notting Hill"-Macher Roger Michell kann sich nicht recht entscheiden, in welche Richtung er mit seinen Figuren Nick und Meg will. Mal käbbeln sie sich in bester "Screwball"-Tradition, mal gleitet die Geschichte in nur allzu tragische Episoden. Nicht nur an der Erzählweise hapert es in "Le Weekend", das größte Manko der Tragikomödie: Als Zuschauer entwickelt man überhaupt keine Verbindung zu den Figuren. Zumindest als Zuschauer, der sich nicht in der gleichen Lebenswelt wie diese befindet.

Während Meg die ganze Zeit als nervtötende, spitzfindige und ständig meckernde Ehefrau daherkommt, enttäuscht Nick als allzu unterdrückter und devoter Gefährte. Natürlich rauft sich das Paar immer wieder um der Vergangenheit willen zusammen, dennoch bleibt die Figurenzeichnung viel zu eindimensional.

Dass der Film dann doch noch einen gewissen Unterhaltungswert hat, liegt vor allem an den versierten Darstellern: Jim Broadbent ("Drecksau", "Harry Potter") meistert eigentlich jede Rolle mit Bravour, Jeff Goldblum ("Jurassic Park", "Independence Day") beweist einmal mehr, dass er ein grandioser Schauspieler ist und Lindsay Duncan ("Alles eine Frage der Zeit") verleiht ihrer Figur die nötige Authentizität.

"Le Weekend" verpasst trotz einer vielversprechenden Story und gestandener Darsteller den Sprung von seichter Unterhaltung zu berührendem Kurzweil. Roger Michell traut sich als Regisseur nicht genug und lässt seine Figuren zwar durch Paris und ihr Innenleben irren, aber sich nicht in unsere Herzen verlaufen.

Le Weekend

Tragikomödie, GB 2013

Regie: Roger Michell

Darsteller u.a.: Jim Broadbent, Lindsay Duncan, Jeff Goldblum

Verleih: Prokino

VÖ: 28. Mai 2014

www.leweekend-derfilm.de

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