James Franco in Palo Alto
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Filmkritik: Palo Alto

-ARCHIV-

Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichtensammlung von James Franco

Porträt einer verlorenen Generation

In "Palo Alto" stehen mit April (Emma Roberts) und Teddy (Jack Kilmer) zwei Highschool-Schüler stellvertretend für ihre Generation: In dem ständigen Wirrwarr aus Entscheidungen, Verantwortung, Zukunft, sexuellem Aufblühen und der Suche nach Liebe gleiten sie in ein uferloses Erwachsenwerden. Eltern, Lehrer, Freunde – niemand bietet ihnen Halt. Und auch einander können sie nur schwer ihre Gefühle offenbaren.

April schwärmt für Teddy, doch muss sie auf einer Party mitansehen, wie dieser betrunken mit Emily (Zoe Levin) auf ein Zimmer verschwindet. Gleichzeitig werden die Avancen ihres Fußball-Trainers Mr. B. (James Franco) immer eindeutiger. Teddy wiederum gerät an der Seite seines besten Freundes Fred (Nat Wolff) immer weiter in einen Strudel aus Drogen und Selbstzerstörung, den er erst nach einer Anklage wegen Trunkenheit am Steuer und durch seine Sozialstunden scheinbar hinter sich lassen kann. Fred kennt dagegen keine Grenzen – und nutzt Emily psychisch wie physisch aus.

Beeindruckendes Regie-Debüt

Gia Coppola tritt mit ihrem Debüt in große Fußstapfen: Immerhin ist ihr Großvater Regie-Altmeister Francis Ford Coppola ("Der Pate", "Apocalypse Now") und ihre Tante Sofia Coppola ("The Virgin Suicides", "Lost in Translation") ebenfalls eine gefeierte Filmemacherin.

Doch die US-Amerikanerin meistert diese Aufgabe mit Bravour: "Palo Alto" beeindruckt mit präziser Beobachtungsgabe, einem gelungenen Soundtrack und hervorragend fotografierten Szenen. Coppola schafft es, eine bedrückende Grundstimmung spürbar werden zu lassen. Der Zuschauer entgleitet regelrecht in den dunklen Bildern, dem teilweise surrealistischen Setting und den zerstörerischen Beziehungsgeflechten.

Die Kamera ist nah an den Figuren, lässt ihre Emotionen – trotz weniger Worte – erlebbar werden. "Palo Alto" ist ein anspruchsvoller Film, auch deswegen, weil eben nicht alles gezeigt wird. Auf die Darstellung von explizitem Sex wird etwa verzichtet, dafür sagen dann Blicke und Worte mehr als nackte Schenkel.

Alle jungen Darsteller, allen voran Emma Roberts und Jack Kilmer, liefern eine authentische Leistung ab. Sie geben dem Film noch den letzten Schliff. In einer Nebenrolle ist neben James Franco, Autor der Romanvorlage, übrigens auch Val Kilmer, im echten Leben Vater von Hauptdarsteller Jack, zu sehen.

"Palo Alto" ist ein wunderbar melancholisches und einfühlsames Indie-Filmjuwel. Gia Coppola versteht es, in durchdacht arrangierten Szenen ein ganzes Spektrum an Gefühlen und Möglichkeiten entstehen zu lassen. Und am Ende schwebt über der kalifornischen Kleinstadt tatsächlich ein Hauch Hoffnung.

Palo Alto

Drama, USA 2013

Regie: Gia Coppola

Darsteller u.a.: Emma Roberts, Jack Kilmer, Nat Wolff, James Franco, Zoe Levin

Verleih: Capelight Pictures

VÖ: 10. Juli 2015

Mitmachen und gewinnen!

UNICUM verlost zum Heimkinostart von "Palo Alto" am 10. Juli 2015 2 x 1 Filmpaket bestehend aus je einer DVD und der Romanvorlage von James Franco aus dem Eichborn Verlag.

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