Der Horror-Thriller The Sacrament
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Filmkritik: The Sacrament

-ARCHIV-

Ab 06. November 2014 auf DVD, Blu-ray und als Video on Demand erhältlich

Das Paradies Eden auf Erden?

Patrick (Kentucker Audley) ist alamiert: In einem Brief beteuert seine Schwester, eine ehemalige Drogenabhängige, zwar, dass es ihr gut geht, aber so ganz kann der Mode-Fotograf nicht daran glauben. Schließlich hält sich Caroline (Amy Seimetz) auf dem Gelände einer vermeintlichen Sekte auf.

Gemeinsam mit Journalist Sam (AJ Bowen) und Kameramann Jake (Joe Swanberg) vom Vice Magazin reist Patrick an einen nicht näher definierten Ort mitten im Regenwald. Kaum angekommen, werden sie von bewaffneten Wächtern empfangen, die das Trio nur widerwillig zur "Gemeinde Eden" führen. Gerade noch rechtzeitig entschärft Caroline die Situation und heißt die Besucher in der Kommune willkommen. Auf dem weiträumigen Gelände scheinen Jung und Alt in Frieden und Harmonie zu leben. Alle wirken glücklich – auf den ersten Blick. Doch schon bald werden die Reporter von einer dunklen Vorahnung eingeholt.

Dann kommt es zur Begegnung mit "Vater" (Gene Jones), dem Gründer und alleinigen Anführer der Gemeinschaft, der unmissverständlich zu erkennen gibt, dass er nichts von neugierigen Besuchern hält.

Nach einer wahren Begebenheit

Horror-Regisseur Ti West ("Cabin Fever 2") lehnt "The Sacrament" eng an ein reales Ereignis an: 1978 besucht der US-Kongressabgeordneten Leo Ryan mit einem Kamera-Team die von der Sekte "Peoples Temple" gegründete Kommune "Jonestown". Heimlich wird der Politiker von einigen Bewohner angefleht, sie zurück in die USA zu bringen – daraufhin kommt es auf dem Gelände im südamerikanischen Guyana zu einer Katastrophe von unmenschlichem Ausmaß.

In der ersten Filmhälfte gelingt es West gut, eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Gemeinsam mit den drei Reportern erlebt der Zuschauer auf der einen Seite ein "Eden", das einfach zu schön und harmonisch ist, um wahr zu sein. Auf der anderen Seite: Warum braucht eine Gemeinschaft, in der jeder frei sein darf, bewaffnete Aufpasser? Mit dem Blick durch die Kamera fängt die Fassade der glückseligen Gemeinde langsam an zu bröckeln.

Leider wird die "Found-Footage" genannte Machart von Beginn an nicht konsequent umgesetzt: Viel zu oft wirken die Aufnahmen zu glatt, die Einstellungen zu inszeniert. Selbst in Momenten großer Aufregung wackeln die Bilder nur minimal – das ist leider nicht sehr glaubwürdig. Das schmälert leider den Filmgenuss, ebenso wie die teilweise schwachen Darsteller-Leistungen und die unnötigen Logik-Fehler. Die Journalisten benehmen sich gerade zum Ende von "The Sacrament" wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen, ihre Handlungen sind streckenweise einfach nicht nachvollziehbar. 

Schade, denn "The Sacrament" hätte großes Potential gehabt, das beweist u.a. der Auftritt von Gene Jones als "Vater" der Gemeinschaft. Charismatisch, gönnerhaft und herzlich schafft er es, selbst den Zuschauer von der Vision der Sekte zu überzeugen – nur um kurze Zeit später sein wahres Gesicht zu zeigen. Von dieser Figur hätte man gerne mehr gesehen! Ebenso eindrucksvoll wie Jones' Darbietung ist das große Finale, bei dem Ti West in die Horroreffekt-Kiste greift. Diese Bilder sind nichts für schwache Nerven.

The Sacrament

Thriller/Horror, USA 2013

Regie: Ti West

Darsteller u.a.: Joe Swanberg, AJ Bowen, Kentucker Audley, Amy Seimetz, Gene Jones

Verleih: Constantin Film

VÖ: 06. November 2014

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