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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM hört: Justin Timberlake "The 20/20 Experience"

He's bringing sexy back: Das neue Album des Superstars ist ab dem 15. März erhältlich

Reinhören, Eingrooven

Schon mit dem Opener "Pusher Love Girl" macht Justin Timberlake deutlich, wohin die musikalische Reise auf The 20/20 Experience  gehen soll. Ein Orchester sorgt für Retro-Feeling, dazu gesellen sich Hip-Hop, R'n'B, Soul. Der erste Song wird direkt zum Statement: Superstar Timberlake macht, wozu er Lust hat und orientiert sich nicht an dem allgegenwärtigen Dance-Pop-Hype, der von Acts wie David Guetta oder Rihanna derzeit in die Charts getragen wird. Und er pfeift auf die Radiotauglichkeit seiner Songs: Immerhin bewegen sich alle Tracks auf The 20/20 Experience zwischen 5 bis 8 Minuten Länge. "Wenn Pink Floyd, Led Zeppelin und Queen 10-minütige Lieder aufnehmen können, warum dann nicht wir?" soll Timberlake dazu angemerkt haben.

Der Vergleich mit den drei großen Bands der Musikgeschichte kommt sicherlich nicht von irgendwoher: Justin Timberlake hat mit The 20/20 Experience durchaus ein ziemlich zeitloses Album geschaffen. Es steht für sich und den Künstler. Fans seiner Hits wie "Cry me a River", "Señorita" oder "SexyBack" werden sich aber damit anfreunden müssen, dass JT diesmal größtenteils auf die ganz offensichtlichen Hits verzichtet. The 20/20 Experience ist ein Werk zum Reinhören und Eingrooven. Das wird auch an der ersten Single-Auskopplung "Suit & Tie" (feat. Jay-Z) deutlich: Erst ein wenig sperrig, entwickelt der Track nach und nach seine volle Ohrwurm-Qualität. 

Spätestens am Ende von Lied Numero Drei ist man dann aber wieder verliebt in Timberlake. Das düstere "Don't Hold the Wall" erinnert mit seinem Flow an die alten Songs. Der ehemalige *NSYNC-Sänger bedient sich hier eines musikalischen Drehs: Etwas nach einem 3/4 der Laufzeit gibt es einen Break, Beats setzten ein, die Musik sucht sich einen anderen Weg. Diesen Twist nutzt Justin nur eben in fast allen anderen Songs auf The 20/20 Experience auch. Der Abnutzungseffekt tritt leider wie vorprogrammiert ein. 

Ein sehr gutes, wenn auch kein grandioses Album

Ist man erst einmal gefangen in The 20/20 Experience, versüßen Tracks wie "Tunnel Vision", das treibende "Let the Groove in" oder die zweite Auskopplung "Mirrors" – quasi ein "Cry me a River" mit positiver Message – das Timberlake'sche Comeback. Und mit "That Girl" lässt Justin alte Motown-Zeiten wieder auferstehen, Anspieltipp.

Justin Timberlake hat das Musikmachen während seiner Pause definitiv nicht verlernt. Doch auf seinem dritten Album zündet nicht jeder Song, so lässt sich z.B. "Spaceship Coupe" mit einem Wort beschreiben: langweilig. Beim 8-minütigen "Strawberry Bubblegum" lockt der "The Social Network"-Darsteller uns dann zwar erst mit einer Barry-White-Stimme ins Schlafzimmer, doch hört man auf den Text, vergeht es einem ein wenig. JT ist sicherlich nicht der Songwriter vom Herren, aber eine Passage wie "If you'll be my strawberry bubblegum, I'll be your blueberry lollipop. I'll love you till I make you pop!" ist fast schon unfreiwillig komisch.

The 20/20 Experience  ist leider nicht das großartige Album, das man erwartet hat. Doch dafür war die Erwartungshaltung nach "FutureSex/LoveSounds"  einfach zu groß. Justin Timberlake meldet sich eindrucksvoll zurück und präsentiert sich auf seinem neuen Werk als selbstbewusster, entspannter Künstler, der weiß was er will. The 20/20 Experience  setzt viele Glanzpunkte, ist aber an einigen Stellen deutlich zu lang. Die zehn Tracks balancieren zwischen smoothe Sounds und wummernden Beats. Auch Produzent Timbaland hinterlässt seine typischen Spuren. Ein sehr gutes, wenn auch kein grandioses Album. Aber vielleicht entwickelt sich die Genialität von The 20/20 Experience  erst, wenn man sich noch weiter reingehört hat.

Justin Timberlakes The 20/20 Experience  gibt es übrigens nicht nur in der Standard-Ausführung mit zehn Songs, sondern auch in der Deluxe-Version mit den Bonus-Tracks "Dress On" und "Body Count".

Justin Timberlake

The 20/20 Experience

Sony Music

VÖ: 15.03. 2013 

Anspieltipps: Suit & Tie, Don't Hold the Wall, That Girl, Let the Groove in, Mirrors 

justintimberlake.com

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