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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM hört: Max Prosa "Rangoon"

Das zweite Album des deutschen Pop-Poeten ist ab dem 19. April im Handel erhältlich

Track by Track

  • Der ClownDa erklingt sie wieder, Max Prosas charismatische Stimme: rau, rotzig, leicht gequält. Als würde er mit seinen Anfang 20 die Erfahrung eines ganzen Lebens in sich tragen. Auf dem Opener positioniert er sich als Erzähler und Dramaturg, begleitet so die Melodie, die immer mehr an Spannung gewinnt.
  • CharlieEine trotzige Verliererballade mit viel Gefühl. Treibende Drums und ein sich wiederholender Bassloop münden in einem durchschlagenden Finale, das in hypnotischen, fast Jazz-mäßigen Takten seinen Abschluss findet. Ein Song wie ein schwarz-weißes Bild einer zerfurchten Großstadt.
  • Zwei FalterSchon auf dem Cover von "Rangoon" scheint Max Prosa mehr zu schweben als festen Schrittes auf dem Erdboden zu stehen. Dieses Selbstbild zieht sich durch alle Songs. So tänzelt er auch fast entrückt durch Track Nr. 3, einem sehnsüchtigen Liebeslied, dessen Basis eine fast schon süße Melodie und bezauberndes Songwriting ist: "Selbst wenn der Wind dich mit sich nimmt, ist das, was bleibt, die schönste Zeit."
  • Der ZaubererDie erste Single-Auskopplung (VÖ. 12. April) kommt wieder etwas leichter daher. Mit seinen Stammmusiker Joda Foerster (Drums), Erez Frank (Bass), Stefan Ebert (Keyboards) sowie Alex Binder und Magnus Olsen (beide Gitarre) hat Max Prosa hier ein einnehmendes und toll arrangiertes Stück aufgenommen.
  • C'est la vieLiebe, Sehnsucht, Abschied: Diese Themen gehören einfach zum Repertoire eines Singer-Songwriters. Gesang und Musik erzählen hier gleichberechtigt eine tieftraurige Geschichte: "Sie ließ mich alleine mit den Geistern, die sie rief". Ein wunderbarer Song – doch so langsam wünscht man sich bei der Hälfte des Albums, dass Max aus seiner gequälten Künstlerhaltung ausbricht und endlich mal ein fröhliches Lied anstimmt.
  • ChaossohnDer Titel verheißt einiges: Der Bass dröhnt dumpf, dazu gesellen sich galoppierende Beckenschläge. Alles deutet auf eine Gefühlsexplosion hin, die spät, aber dann mit einem Gitarrengewitter erfolgt. Dennoch bleibt Max selbst dabei in seiner Poetenrolle - mehr Chaos wäre wünschenswert gewesen.
  • Verlorene SöhneJetzt aber: Ein unbekümmerter Takt, rhythmische Gitarren: Track Nr. 7 ist der Ausreißer der Platte. Dank einiger netter Breaks im Songverlauf geht's hier fast schon beschwingt zu.
  • HallelujahDie Überraschung des Albums: Max Prosa singt eine von Misha Schoeneberg (u.a. Ton Steine Scherben, Rio Reiser) ins Deutsche übertragene und von Leonhard Cohen persönlich genehmigte Version des Klassikers. Das passt!
  • RangoonMit Donnerschlägen gespickt kommt der titelgebende Song daher. Man merkt: Dieser Track ist Max' Herzensangelegenheit. Er besingt darin das Massaker an den Mönchen der Safran Revolution in Myanmar. "Rangoon steht für mich als Symbol der Gegensätze und Widersprüche: Sehnsucht und Realität, ferne Strände und Verlust der Natur, heile Welt und blutiger Krieg, Kampf und Ohnmacht, Kunst und Politik. Genau das fasziniert mich, darum geht es in allen Songs," so der Sänger.
  • So lang ich darfVon diesem kleinen Zwischenspiel (2:28 Min.) hätte es ruhig mehr sein dürfen. "So lang ich darf" ist eine zärtliche Liebesbekundung mit lieblichen Beats und Gitarren und hellt die dunklen Wolken ein wenig auf.
  • Café NoirIn der über sieben Minuten langen Stadtballade entfaltet Max Prosa sein volles Geschick als Beobachter und Erzähler einer lebendigen Urbanität. Ein sommerliches Kleinod, eine vertonte Geschichte.
  • HeimkehrZum Abschied schenkt uns Max eine unverfälschtes Klavierstück. Wie aus der Zeit gerissen klingt. Schön.
  • Fazit

    Dass Max Prosa keine Musik für die Massen macht, ist klar. Als Singer-Songwriter lechzt er nicht nach schmeichelnden Melodien oder Songzeilen zum Mitsingen. Wer aber erzählenden Pop, deutsche Texte mit Inhalt und Gefühl sowie lyrischen Folk mag, dürfte mit "Rangoon" gut beraten sein. 

    Max Prosa

    Rangoon

    Sony Music

    VÖ: 19.04.2013

    Anspieltipps: C'est la vie, Hallelujah, So lang ich darf, Café Noir, Heimkehr

    www.maxprosa.de

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