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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM hört: Sido "#Beste"

15 Jahre Karriere als böser Bub des deutschen HipHop - da kann man sich ja mal ein Best-Of-Album gönnen

Fast wie im Märchen

In den 15 Jahren ist viel passiert und Sidos Geschichte ist fast eine klassische Aschenputtel-Geschichte und passt somit wunderbar in die märchenvernarrte Weihnachtszeit. Von ganz unten musste er sich durchbeißen, kein Poptitan nahm sich ihm an. Die Umstände im Berliner Stadtteil Wedding, damals ein 1A-Ghetto, boten alles, was ein junger Mann braucht, um Ideen für Texte mit vielen, vielen bösen Ausdrücken zu finden. 

Das Gefluche, Gemobbe und Geschimpfe auf klare, nüchterne Beats kommt gut an, Sido wird berühmt. Sogar richtig berühmt, zig Chartplatzierungen und Auszeichnungen folgten. Irgendwann legt er seine Maske ab und ergründet neue Tätigkeitsfelder wie Moderation,  Jurytätigkeiten, Rotzlöffel-Erzieher beim Privatsender und Schauspiel. Sogar einen eigenen Kinofilm bekommt der Rapper, dessen Namen Eltern so ungern im CD-Regal der Kinder sehen. Dabei entspannt irgendwann auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, weil Sido ganz vernünftig wird und Schwulen und Frauen nicht mehr ganz so verachtend gegenüber steht. Er bereut sogar vieles. Zum Beispiel, dass er gar nicht mal so nett zur Mutter seines Sohnes war. Oder dass Gott in seinem Leben doch häufig zu kurz kam.

Und bei all dem trägt er sein Herz auf seiner stets leicht zischenden Zunge. Sido singt am liebsten über sich selbst und mit seiner Biografie ist somit auch der Plot von #Beste erzählt. 40 Tracks, angeordnet nach dem Entstehungsdatum, zieren die leider unfassbar schlecht lesbare Rückseite des Albums. Natürlich fehlt keiner seiner Kracher  wie „Mein Block“ oder „Schlechtes Vorbild“ und obendrauf gibt’s sechs neue Tracks, unter anderem mit Bass Sultan Hengzt, MoTrip und ChiddyBang. Die gefallen. Vor allem, weil Sido heute auch ohne Stuss-Phrasen mit Schwulen-Bashing oder Nutten-Diss kann.

Was man Sido wirklich zugutehalten muss, ist seine Kontinuität. Unterlegen andere Rapper ihre Beats heute nur zu gerne mit Dubstep-Bässen oder anderem aktuellen Schnickschnack, bleibt Sido seinem altbewährten Konzept treu. #Beste macht schon Spaß.

Sido

#Beste

Universal Music

VÖ: 14.12.2012

Für Fans von: Deutschem aggro-Rap ohne großartig intelligente Texte aber mit feinen Kopfnick-Beats, Drama und Selbstironie

www.sido.de

 

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