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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM hört: Tim Bendzko "Am seidenen Faden"

Das neue Album des "Nur noch kurz die Welt retten"-Sängers erscheint am 24. Mai

Track by Track

  • Ich steh nicht mehr stillMit dem Opener liefert der 1985 geborene Berliner einen gefälligen Einstieg in sein zweites Album. Ein stampfender Beat, dazu Klavieruntermalung und ein etwas schlager'esker Refrain. Eher ein leichtes Warm-up, denn ein Knaller.
  • Am seidenen FadenBeim zweiten und titelgebenden Song entfaltet sich dagegen direkt der Zauber der Bendzko'schen Musikwelt: Die melancholische und gefühlvolle Ballade wurde vollkommen zu Recht als erste Single-Auskopplung ausgewählt, birgt sie doch enormes Hitpotenzial. Der Echo-Gewinner weiß, wie man Emotionen mittels Texte vermittelt. Und mit einer einzigen Zeile schafft er es gar, den Wunsch aller wettergeplagten Deutschen auf den Punkt zu bringen: "Ich will keine Winter mehr."
  • Ohne zurück zu sehenWollte Tim Bendzko 2011 noch kurz die Welt retten, singt er nun "Ich wär so gern dein Held." Eines der poppigsten Stücke auf dem ganzen Album.
  • Auch wenn es gelogen istAkustikgitarre raus, Sommer an: Ein locker-leichter Song, der ins Ohr geht, dessen Text allerdings einige Fragen aufwirft. Anworten mag Bendzko nicht liefern, außerdem: "Es geht auch nicht um die Fragen, sondern um das Fragen an sich", so der Musiker im Interview.
  • Vergessen ist so leichtEin dramatisches Klavierintro, gefolgt vom Einsatz der Streicher und einer seelenvollen Stimme. Ein Song, der den Hörer gefangen nimmt – absolut gelungen. Beim Schreiben fehlten Tim Bendzko auch nicht die Worte: "Ich weiß nicht, wie ich darauf gekommen bin. Der Song war dann einfach da! Manchmal sind Texte ein wenig wie Bilder von MC Escher, mit Treppen die immer wieder zurück zu sich selbst führen – aber ich könnte so etwas nie absichtlich schreiben. Das passiert einfach!"
  • Die Geier kreisen schonNach so viel gefühlsbetonter Zurückhaltung folgt mit Track Nummer Sechs ein musikalischer Break. Aber auch der fordernde Bass kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Die Geier kreisen schon" eher zu den schwächeren Stücken des ansonsten beachtenswerten Albums gehört.
  • Durch die NachtZu den großen Stärken von Tim Bendzko gehört es, in einfachen, aber doch sorgfältig ausgewählten Worten ganz bestimmte Gefühlwelten zu erzeugen. Gefühlswelten, in die sich der Hörer leicht reinversetzen kann. In "Durch die Nacht" besingt der ehemalige "Weltretter" gekonnt das Durchstreifen der nächtlichen Stadt, verbunden mit der Hoffnung auf einen Neuanfang und der Sehnsucht nach dem Leben.
  • Es geht wieder vorbeiUm den großen Hoffnungsmoment geht's auch hier. Das Lied ist zwar durchaus gut gemacht, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck und bleibt in seiner Gesamtheit leider etwas zu beliebig.
  • Nur einen HerzschlagEines der ruhigsten Lieder auf "Am seidenen Faden" – und eines der schönsten obendrauf. Der Song hat eine, im besten Sinne des Wortes, schlichte Ehrlichkeit. Tim Bendzko liefert damit endgültig den Beweis: Es bedarf keiner großen Worte und komplizierten Methapern, um ein zu Herzen gehendes Liebeslied zu schreiben. Mit Textzeilen wie "Ich bin nur einen Herzschlag entfernt, auch wenn ich dich aus den Augen verlier. Du bist nur einen Herzschlag entfernt, warum bin ich nicht immer bei dir" gelingt ihm dies auf eine viel glaubwürdigere Weise. Dazu das Arrangement aus Gitarre und Geige – perfekt!
  • Ich will zu DirDas Sehnsuchts-Motiv wird hier in einem etwas poppigeren Gewand erneut aufgegriffen: "Egal, wohin ich geh, am Ende werde ich bei dir sein". Ein solider Song mit Verve.
  • ProgrammiertBendzko besingt in einem der schnelleren Songs auf "Am seidenen Faden" die vom Internet beherrschte Welt. Der eingängige Refrain verleiht dem Track Radiohit- und Ohrwurm-Potenzial.
  • Leicht sein"Manchmal ist es ein Geschenk nicht zu wissen was ich tu": Ein mitreißendes Lied über das Verlangen nach Unbeschwertheit und Freiheit. "Ich muss frei sein, das geht hier alles so schnell vorbei", singt Bendzko. Oder auch: "Ich fokussiere meine Sinne und lebe nur noch im Hier und Jetzt." Das Gefühl überträgt sich – gelungen!
  • Wo sollen wir nur hinEin Protestsong à la Tim Bendzko. "Wir haben es satt, in eurem Takt zu marschieren", singt der Berliner darin. "Doch wo sollen wir hin?", fragt er direkt im Anschluss. Die Wut hinter dem Song bricht leider nicht wirklich aus, zum Mitsingen animiert der Track aber allemal.
  • Alles was du wissen musstBeim Abschluss-Song spielt der Musiker noch einmal alle seine Stärken aus: Klavier trifft Streicher trifft einen tollen Text trifft eine ergreifende Message trifft einen eingängigen Refrain. Eines der stärksten Stücke auf dem Album.
  • Fazit

    Tim Bendzko legt nach seinem Debütalbum "Wenn Worte meine Sprache wären" gekonnt nach und etabliert sich mit seinem zweiten Werk als einer der vielversprechendsten deutschen Musiker. Gerade mit seinen Balladen weiß der Berliner zu überzeugen, den meisten Eindruck hinterlässt "Am seidenen Faden" in den ruhigen Momenten. Bendzko braucht sich keine Sorge machen, den Erfolg von "Nur noch kurz die Welt retten" nicht wiederholen zu können. Die 14 Tracks auf seinem neuen Longplayer sind allesamt gelungen, selbst die etwas schwächeren Songs kann man nur schwerlich als Lückenfüller bezeichnen.

    "Am seidenen Faden" dürfte alle alten Fans glücklich stimmen, neue Anhänger dürften sich ebenfalls schnell einstellen. "Am seidenen Faden" ist ein Album, um das alle, die deutschen gefühlvollen Pop mögen, nicht herumkommen werden.

    Tim Bendzko

    Am seidenen Faden

    Sony Music

    VÖ: 24.05.2013

    Anspieltipps: Am seidenen Faden, Vergessen ist so leicht, Durch die Nacht, Nur einen Herzschlag, Alles was du wissen musst

    timbendzko.de

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