UNICUM Kinotipp: 7 Tage in Havanna
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Kinotipp: 7 Tage in Havanna

-ARCHIV-

Der Episodenfilm läuft ab dem 11. Juli 2013 in den deutschen Kinos

Regie: Benicio Del Toro

Der Amerikaner Teddy (Josh Hutcherson) ist zu Besuch in Havanna. Direkt nach seiner Ankunft lernt er den Taxifahrer Angelito (Vladimir Cruz) kennen, der ihm die Stadt zeigen will. Zerfallene Gebäude und chaotische Zustände in den Häusern prägen das Bild. Als die beiden jedoch in das Nachleben eintauchen, dominieren Rum, Zigarren und schöne Frauen. Bei den Frauen ist Teddy sehr beliebt und bekommt eindeutige Angebote. Aber er hat zu wenig Geld für ihre Dienste dabei. Ziemlich betrunken geht er dann doch mit einer, in seinen Augen atemberaubenden, Frau ins Hotel. Aber der Schein trügt!

"El Yuma" schildert den Zauber der Stadt, der Teddy beim Eintauchen in das Nachtleben erfasst. Zuerst hat er nur kaputte Häuser und Chaos auf den Straßen und in den Wohnungen erlebt, die wahre Schönheit blieb ihm verborgen. Aber Havanna ist vielseitig und das in jeder Hinsicht.

Regie: Pablo Trapero

Beim Filmfest in Havanna soll Regisseur Emir Kusturica (wird von ihm selbst gespielt) ausgezeichnet werden. Doch der hat keine Lust mehr auf den Ruhm. Seinen Kummer ertrinkt er in Alkohol. Noch kurz vor der Preisverleihung ist er völlig besoffen in seinem Hotelzimmer. Nur durch die Hilfe seines Chauffeurs (Alexander Abreu) schafft er es rechtzeitig auf die Bühne. Die beiden freunden sich an und Kusturica überredet seinen Fahrer, ihn nicht mehr zu öffentlichen Terminen zu bringen. Die Zeit mit dem Chauffeur tut ihm gut und er findet immer mehr zu sich selbst. Dieses kommt besonders in einer Jam Session zum Ausdruck, bei der der Regisseur bemerkt, was für ein hervorragender Trompeter sein Fahrer ist.

"Jam Session" verdeutlicht die Schattenseite des Ruhms. Der schöne Schein ist nicht alles und macht die Menschen dahinter oft kaputt. Erst die Bekanntschaft mit dem einfachen, sehr begabten Fahrer und die kubanischen Jazzklänge, die pure Lebensfreude ausstrahlen, holen Kusturica aus seinem Tief heraus.

Cecilias Versuchung – Mittwoch

Regie: Julio Medem

Der reiche Spanier Leonardo (Daniel Brühl) verliebt sich in die Sängerin Cecilia (Melvis Estévez) und möchte sie mit nach Spanien nehmen, damit sie Karriere machen kann. Cecilia wohnt mit ihrem Freund José (Leo Benitez), einem zurzeit erfolglosen Sportler, in ärmlichen Verhältnissen. Sie ist zwischen der Chance auf Reichtum und Erfolg in einem fremdem Land mit Leonardo und ihrem gewohnten Leben mit José in hin und hergerissen. Als sie sich für einen Neuanfang entscheidet, funkt José dazwischen und holt seine Freundin zurück. Schafft sie es wirklich sich von ihm loszureißen oder hängt sie zur sehr an ihrer gewohnten Umgebung?

In dieser Episode wird der Kontrast zwischen Armut und Reichtum besonders deutlich. Cecilia kennt beide Seiten, da sie in einem vornehmen Hotel als Sängerin arbeitet, mit ihrem Freund aber in einer Wohnung in schlechtem Zustand wohnt. An ihrem Beispiel wird klar, dass Reichtum nicht immer auch Glück bedeuten muss.

Tagebuch eines Neuankömmling – Donnerstag

Regie: Elia Suleiman

Regisseur Elia Suleiman (spielt sich selbst) ist in Havanna mit dem Präsidenten Fidel Castro verabredet. Während er auf den Termin wartet, erkundet er als Fremder die Stadt. Egal ob in Bars, an der Küste, im Hotel, im Park oder vor dem Fernseher – Suleiman steht einfach nur da und schaut sich andere Menschen aus dem Hintergrund da. Gesprochen wird nicht. Auch ein Gespräch mit Fidel Castro kommt nicht zustande. Die Reden des Präsidenten erklingen nur über einen Fernseher im Hotel.

Das Leben in Kuba sieht bei Touristen und Einheimischen ganz locker und leicht aus. Suleiman steht emotionslos daneben und wirkt die ganze Zeit etwas deplatziert. Durch die verschiedenen Eindrücke schafft er es aber, Havanna von einer anderen Seite zu zeigen, als die ersten drei Episoden. Das Leben pulsiert nicht immer, sondern kann auch sehr gemütlich und ruhig sein.

Regie: Gaspar Noé

Der fünfte Teil beginnt mit lauter Musik, Party und wilden Tänzen. Zwei Mädchen kommen sich dabei sehr nahe und wachen am nächsten Morgen in einem Bett auf. Dort werden sie von den Eltern eines Mädchens erwischt. Diese sind so geschockt, dass sie ihre Tochter wieder bereinigen wollen. Direkt am Meer muss sie ein magisches Ritual über sich ergehen lassen.

Obwohl dieser Teil sehr fröhlich beginnt, entwickelt er sich zum bedrückendsten Abschnitt des gesamten Films. Die zuvor gezeigte kubanische Lebensfreude ist verflogen und das Bild der zum Teil zwar ärmlichen aber lebendigen und fröhlichen Stadt wird komplett zerstört.

Regie: Juan Carlos Tabío

Mirtha (Mirtha Ibarra) kreiert Torten auf Bestellung, arbeitet als Psychologin und tritt in einer TV-Show auf. Trotz mehrerer Jobs reicht das Geld nicht für ihre Familie. Ihr Mann (Jorge Perugorria) ist Alkoholiker und arbeitet nicht mehr. Eines Tages läuft alles drunter und drüber. Mirtha hat einen TV-Auftritt, muss spontan eine aufwendige Torte für einen Kunden backen und dann fällt noch der Strom aus. Zu allem Überfluss erfährt sie auch noch, dass ihre Tochter Cecilia (die schon aus dem Mittwochsteil "Cecilias Versuchung" bekannt ist) die Familie verlassen hat, um mit ihrem Freund wegzugehen.

Obwohl es hier in erster Linie um Mirthas Leben geht, steht doch Cecilia im Mittelpunkt. Sie taucht plötzlich auf, verschwindet wieder und klärt dabei noch schnell die Vorgeschichte zum dritten Episodenteil auf.  

Regie: Laurent Cantet

Die religiöse Marta (Nathalia Amore) hat im Traum eine Anweisung der kubanischen Göttin Ochún erhalten. Sie soll in ihrem Wohnzimmer einen Brunnen errichten. Marta setzt alle Bewohner ihres Hauses in Bewegung, um so schnell wie möglich einen Brunnen zu bauen und zwar genau nach den Anweisungen der Göttin. Alte und junge Bewohner helfen mit. Gemeinsam schaffen sie es innerhalb kürzester Zeit einen Brunnen zu errichten und stellen ein rauschendes Fest zur Einweihung auf die Beine.

Mit ihrem Willen setzt Marta alle Menschen in ihrer Umgebung in Bewegung, um etwas Einzigartiges zu schaffen. Ganz selbstverständlich ziehen alle mit und zeigen, dass Zusammenhalt enorm wichtig ist.

Fazit

"7 Tage in Havanna" ist ein Episodenfilm, der die Schönheit Havannas und die Lebensfreude der Menschen einfängt. Ärmliche Verhältnisse, Stromausfälle oder zu wenig Lebensmittel können die Einheimischen nicht von ihrem Glück abhalten. "Der Brunnen", "Bittersüss" und "Cecilias Versuchung" zeigen wie wichtig Zusammenhalt ist. Auch wenn die Umstände nicht die besten sind, kann gemeinsam viel erreicht werden.

Die einzelnen Episoden bauen nicht aufeinander auf, haben aber doch immer wieder kleine Überschneidungen. Zur Einweihung in „Der Brunnen“ wird zum Beispiel eine Torte geliefert, die Mirtha in "Bittersüss" gebacken hat. Rum, Zigarren, alte Autos, fröhliche Musik, zerfallene Gebäude und das Nachtleben spielen immer wieder eine große Rolle. Nur "Ritual" fällt aus Reihe. Die bedrückende Säuberung ist mit bedrohlicher Musik unterlegt und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Auch in Havanna ist nicht immer alles einfach, locker, leicht und fröhlich.

Wer mehr über das Leben in Havanna und die Vielseitigkeit der Stadt erfahren möchte, kommt bei diesem Film voll auf seine Kosten. Die Lebensfreude ist ansteckend und wird von der wirklich tollen Musik unterstützt. Episodenfilme sind allerdings nicht für jeden etwas. Da jeder Teil nur etwa 20 Minuten lang ist, bleiben einige Fragen offen und Handlungen undurchsichtig. Insgesamt vermittelt "7 Tage in Havanna" jedoch einen guten Eindruck der kubanischen Hauptsache -  aus Sicht von Fremden und Einheimischen.  

7 Tage in Havanna

Episodenfilm, 2012

Regie: Benicio Del Toro, Pablo Trapero, Julio Medem, Elia Suleiman, Gaspar Noé, Juan Carlos Tabío, Laurent Cantet

Darsteller u.a.: Daniel Brühl, Josh Hutcherson, Melvis Estévez u.a.

Verleih: Alamode Film

Kinostart: 11. Juli 2013

www.7tageinhavanna.de

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