Meryl Streep, Julia Roberts und Julianne Nicholson am Tisch
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Kinotipp: Im August in Osage County

-ARCHIV-

Das starbesetzte Familiendrama startet am 6. März 2014 im Kino

Familiendrama deluxe

Die Story lässt sich ganz kurz fassen: Der Familienvater Beverly Weston (Sam Shepard) wird vermisst und deshalb kommt die ganze Familie in Osage County zusammen. Doch dahinter steckt ein gigantisches Gespinst aus Lügen, Konflikten und Geheimnissen. Violet Weston (Meryl Streep), die Matriarchin der Familie, ist stark tablettensüchtig. Ihre Tochter Ivy (Julianne Nicholson) liebt heimlich ihren Cousin Little Charles (Benedict Cumberbatch). Tochter Barbara (Julia Roberts) lebt von ihrem Mann Bill (Ewan McGregor) getrennt. Ihre Tochter Karen (Juliette Lewis) bringt ihren Verlobten Steve (Dermot Mulroney) mit, der bereits dreimal geschieden ist.

"Im August in Osage County" ist ein guter Film, ein richtig guter. Mit einem Cast, der seinesgleichen sucht. Das gilt selbst für die Nebenrollen. Mit Meryl Streep und Julia Roberts werden zwei Oscar-Gewinnerinnen aufeinander losgelassen. Meryl Streep ist in der Rolle der Violet Weston die dramatische, exaltierte, ungekrönte Königin. Julia Roberts setzt ihr eine ruhige, kraftvolle Spielweise entgegen. Nur in den entscheidenden Momenten holt sie mit voller Wucht aus.

Aber es ist auch ein Film, der an die Grenzen des Humors geht. Tiefschwarze Komik wird kombiniert mit brutaler Offenheit. Das tut manchmal weh, mitanzusehen, wie einer den anderen vorführt. Aber gleichzeitig ist es so berührend und erschütternd, dass man gebannt das Geschehen verfolgt. Die ganze Zeit schwankt der Zuschauer zwischen Lachen, Schock und Weinen, wenn Gefühlsausbrüche, Exzesse und gnadenlose Schuldzuweisungen im Minutentakt erfolgen. Die feinen Dialoge lassen den Film glänzen.

Für eine der bewegendsten Szenen des Films sorgt Chris Cooper als Schwager von Violet, Charles Aiken. Wenn er seine Frau – die grandiose Margo Martindale – zurechtweist. Zuvor war er der Trottel, der seine Familie mit einem endlosen Dankesgebet vor dem Essen nervt. Doch dann zeigt er in diesem Moment wahre Größe, nimmt seinen Sohn in Schutz und bringt uns zum Weinen.

Das Theaterstück "August: Osage County" von Tracy Letts gewann bereits den Pulitzer Prize und einen Tony Award. Ein Vergleich mit dem Film bietet sich an, aber Theater und Film zu vergleichen, ist, als ob man Äpfel mit Birnen vergleicht. Geht nicht. Sollte man auch nicht, denn der Vergleich hinkt. Auch wenn Tracy Letts das Drehbuch für den Film geschrieben hat. Die Möglichkeiten sind jeweils komplett andere. Der Regisseur John Wells fängt im Film die Atmosphäre am Originalschauplatz ein. Osage County, das ist: Große Weite. Leere Flächen. Drückende Hitze. Beschaulichkeit. Stille.

Wer das Theaterstück nicht kennt, auf den warten einige Wendungen in der Geschichte. Knallhart werden diese dem Zuschauer serviert, der bei diesem Film sowieso zum Mitdenken angehalten ist. Es ist überwältigend, wie viele schöne, melancholische Wahrheiten über Liebe, Leben und Familie darin zu finden sind. An "Im August in Osage County" werden nicht nur Frauen Gefallen finden, auch Männer. Denn Familie geht uns allen nah!

Im August in Osage County

Drama, USA 2013

Darsteller u.a.: Meryl Streep, Julia Roberts, Ewan McGregor, Chris Cooper, Juliette Lewis

Verleih: Tobis Film

Kinostart: 6. März 2014

www.tobis.de/film/im-august-in-osage-county

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