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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Kinotipp: Silver Linings

-ARCHIV-

Oscar-reife Tragikomödie mit charmantem Humor und viel Gefühl

ZWEI VERRÜCKTE, EIN TRAUM

Wenn Bradley Cooper einen Müllsack über den Sportklamotten tragend die Straße lang joggt, könnte man meinen, er hätte schon wieder einen "Hangover". Doch das ist erst Ende Mai 2013 wieder der Fall, wenn der dritte Teil des Roadmovies in die Kinos kommt. Tatsächlich ist es diesmal eine Spur schlimmer.

In Silver Linings, dem hochgelobten Film von David O. Russel, spielt er Pat, einen impulsiven, aber im Grunde liebenswürdigen Kerl, der gerade aus einer Nervenklinik entlassen wird. Schuld an dem Aufenthalt war ein Ausraster, als er seine Frau in flagranti mit einem anderen unter der Dusche erwischt hat. Deswegen kann er auch nicht in sein altes Leben zurück, sondern zieht wieder bei seinen Eltern (Jacki Weaver und Robert De Niro) ein. Mit Pillen und gelegentlichen Besuchen bei seinem indischen Psychiater soll er sein Leben wieder in den Griff bekommen. Sein zwangsneurotischer Vater, der im heimischen Wohnzimmer illegale Football-Wetten abschließt und selbst wegen einer Schlägerei Stadionverbot bei seinen geliebten "Eagles" bekommen hat, verhilft ihm nicht gerade zur Normalität. Anders schaut es mit der jungen Witwe Tiffany (Jennifer Lawrence) aus. Die beiden teilen nicht nur ein ähnliches Schicksal, sondern passen auch von ihrer ruppigen Art her bestens zusammen. Tiffanys Traum ist, an dem jährlichen Tanzwettbewerb der Stadt teilzunehmen. Da ihr bislang der richtige Partner fehlt, schließt sie mit Pat einen Deal ab: Wenn er mit ihr tanzt, überreicht sie seiner Ex einen Brief von ihm.

COOPER UND LAWRENCE ÜBERZEUGEN

Von Beginn an – und nicht erst beim großen Finale à la "Dirty Dancing" – glänzen die beiden Hauptdarsteller, indem sie ihren Rollen den nötigen Tiefgang verleihen. Tiffanys und Pats trockene und direkte Art sorgt schon allein in den Dialogen für den einen oder andern großartigen Lacher. Hinzu kommen Szenen, in denen Hemingway mit einem herzhaften "F*** dich" aus dem Fenster fliegt oder Tiffany eine einminütige Kurzzusammenfassung von "Der Herr der Fliegen" liefert. Die Gags funktionieren dabei, ohne dass man das Gefühl haben muss, sich einfach nur über zwei Verrückte lustig zu machen. Denn gerade ihre Spleens machen die beiden so liebenswürdig. Noch so absurde Szenen wie plötzliche Wutausbrüche im Diner beim "Nicht-Date" mit Müsli bleiben realistisch und wirken nicht zu aufgesetzt.

FAZIT

Silver Linings  bewegt sich auf Messer Schneide zwischen Komödie und Psychodrama, zwischen Mainstream und Special Interest. Auch wenn der Film ein Stück weit ein Tabu-Thema anspricht und zum Nachdenken anregt, benutzt David O. Russel wichtige Zutaten für einen typischen Hollywood-Feelgood-Movie. In der Gesamtheit ist der Film mit zwei Stunden Spielzeit vielleicht etwas langatmig. Trotzdem: Silver Linings hält, was der Titel verspricht. Er ist tatsächlich ein Silberstreif am Kinohimmel.

Silver Linings - Wenn du mir, dann ich dir

Tragikomödie USA, 2012

Regisseur: David O. Russel

Darsteller u. a.: Jennifer Lawrance, Bradley Cooper, Robert De Niro, Jacki Weaver, Chris Tucker, Julia Stiles

Verleih: Senator Film

Deutscher Kinostart: 3. Januar 2013

www.silverlinings.senator.de

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