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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Kinotipp: Voll und ganz und mittendrin

-ARCHIV-

Das feinfühlige Familiendrama ist seit dem 05. September im Kino zu sehen

Kleine Independent-Filmperle – nicht nur für Irland-Fans

Auf einmal steht Conor (Edward MacLiam) dem Leben hilflos wie ein Kind gegenüber: Nach einem Schlaganfall lag der Familienvater monatelang im Koma. Nun wird er endlich wieder in sein Zuhause entlassen – doch was bedeutet dieses Zuhause dem geistig angeschlagenen Schreiner überhaupt noch? Conors lebensfrohe und impulsive Ehefrau Vanetia (Maxine Peake) versucht, die Normalität zu wahren, doch auch sie erkennt schnell, dass sich ihr Mann nach dem Schicksalsschlag nicht mehr wie ein gleichberechtigter Partner, sondern vielmehr wie ein weiterer Heranwachsender verhalten kann. 

Die ohnehin schon schwierige Situation wird durch die Anwesenheit des US-Arztes Ted Fielding (Will Forte) noch verzwickter: Der Neuropsychologe hat sich bei der irischen Familie eingenistet, um sein "Forschungsobjekt" Conor Tag und Nacht beobachten und filmen zu können. Zu Beginn noch auf Distanz bedacht, lockert der pedantische Wissenschaftler zunehmend auf. Es entspinnen sich zarte Bande zu allen Familienmitglieder – und ganz besonders zu Vanetia ...

Okay, aus diesem Stoff ließe sich bestimmt auch prima eine "Rosamunde Pilcher"-Schmonzette stricken, doch zum Glück gelingt es Regisseurin Steph Green ganz hervorragend, Kitsch und Klischee aus ihrem ersten Spielfilm zu verbannen. Mit leisen Tönen und feinen Nuancen erzählt sie stattdessen von einer starken Familienmutter, die sich nicht unterkriegen lässt, und von einem eingefahrenen Arzt, der endlich das Leben zu schätzen lernt.

Kleine Gesten, intime Szenen, humorvolle Momente, subtile Emotionen: "Voll und ganz und mittendrin" ist bis zur letzten Sekunde glaubwürdig – hier wirkt nichts aufgesetzt oder dramatisiert. Dafür sorgt auch das Ensemble: Der englische TV-Star Maxine Peake liefert ebenso eine herzerwärmende wie überzeugende Performance ab wie Will Forte. Forte kennt man eigentlich eher als Komiker, z.B. aus "Saturday Night Live", "Der Chaos-Dad" oder als Marshalls Arbeitskollege in "How I met your Mother". Hier kann der Amerikaner aber endliche eine andere, gefühlvollere Seite von sich zeigen.

Dazu gesellen sich noch tolle Aufnahmen der irischen Landschaft und ein wunderbarer Gitarren-Soundtrack: "Voll und ganz und mittendrin" ist ein charmantes Stück über Optimismus und Zuversicht. Wer kleine Independent-Filmperlen sucht, wird hier fündig.

Voll und ganz und mittendrin

Drama, Irland 2013

Regie: Steph Green

Darsteller u.a.: Maxine Peake, Will Forte, Edward MacLiam

Verleih: Senator Filmverleih

VÖ: 5. September 2013

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