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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Kinotipp: WE STEAL SECRETS: Die WikiLeaks Geschichte

-ARCHIV-

Die spannende Dokumentation läuft ab dem 11. Juli in den deutschen Kinos

Eine Doku, die für brisanten Gesprächsstoff sorgen wird

Wie sehr würden sich die US-amerikanischen Behörden eine weitere Verbindung wünschen: Angeblich wurden Manning Hafterleichterungen oder ein geringeres Strafmaß versprochen, wenn er nur zugebe, von Assange zu seinen Tätigkeiten angestiftet worden zu sein. Doch auch "We steal Secrets" von Alex Gibney verdeutlicht: Diese komplett unterschiedlichen Charaktere sind keine Verbündeten, keine Komplizen. Julian Assange ist lediglich der Mann hinter WikiLeaks, einer Veröffentlichungsplattform, die Manning anonym genutzt hat.

Bradley Manning hat sich persönlich nur einem Menschen offenbart: Auch Adrian Lamo kommt in der Dokumentation zu Wort und berichtet von der ersten Kontaktaufnahme, dem Aufbau einer Vertrauensbasis – und seinem persönlichen Verrat. Denn der Hacker war es, der den befreundeten Soldaten hat auffliegen lassen. Neben diesem Interview nimmt in den Szenen um Manning vor allem auch das Chatprotokoll der beiden "Freunde" viel Raum ein. Gibney zeichnet dadurch und durch weitere Gespräch mit Freunden und ehemaligen Armee-Kollegen das Psychogramm des Whistleblowers.

Die Aufnahmen Mannings stammen alle aus den Archiven, genau wie die von Julian Assange. Anders als der ehemalige Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg stand der Australier nicht für Interviews zur Verfügung, bzw. wollte ein Gespräch nur gegen eine horrende Bezahlung wahrnehmen. Dafür kommen noch weitere Wegbegleiter zu Wort, die – soweit es möglich ist – Einblick in das Denken Assanges geben. Besonders interessant sind da die Worte eines seiner mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer. Die Blondine, die in der Doku unerkannt bleibt, nimmt nicht nur zu den Vorwürfen Stellung, sondern bringt einen wichtigen Gegensatz auf den Punkt: Während Manning unter widrigen Verhältnissen gefangen gehalten wird, versteckt sich Assange im Hinterzimmer einer Botschaft.

Alex Gibneys Film wird zudem durch weitere interessante Gesprächspartner wie Michael V. Hayden, dem ehemaligen Direktor der CIA, bereichert, der auch angesichts der aktuellen Debatte einige der aufsehenerregendsten Kommentare von sich gibt. Etwa: "Schauen Sie, jedermann hat Geheimnisse. Einige der staatlichen Aktivitäten, die durchgeführt werden, um die Freiheit und Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren, müssen geheim sein, um Erfolg zu haben. Wenn sie allseits bekannt wären, könnten sie nicht durchgeführt werden. Ich will also ganz offen sein: Wir stehlen Geheimnisse. Wir stehlen die Geheimnisse anderer Nationen. Legal lässt sich das nicht bewerkstelligen, wenn man über lange Zeit Erfolg haben will."

Dazu gesellen sich noch zahlreichen Film- und Fotoaufnahmen, die man so in dieser Zusammenführung noch nicht gesehen hat, wie Aufnahmen vom Angriff eines amerikanischen Kampfhubschrauber auf irakische Zivilisten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters im Jahr 2007. 

"We steal Secrets: Die WikiLeaks Geschichte" ist eine sehenswerte Dokumentation, die – auch angesichts der jüngsten Entwicklungen – für brisanten Gesprächsstoff sorgen dürfte. Zwar ist der Film mit 130 Minuten etwas ausufernd geraten, dafür erhält man einen tiefgreifenden Einblick in die Historie um Whistleblower Bradley Manning und die Person Julian Assange.

We steal Secrets: Die WikiLeaks Geschichte

Dokumentation, USA 2013

Regie: Alex Gibney

Protagonisten u.a.: Julian Assange, Bradley Manning, Adrian Lamo, Daniel Domscheit-Berg 

Verleih: Universal Pictures Germany

VÖ: 11. Juli 2013

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