Hundreds
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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM Plattenkritik: Hundreds "Aftermath"

Das zweite Album des Hamburger Geschwister-Duos ist seit dem 14. März erhältlich

Mit viel Liebe zur Musik

2010 nahmen Eva und Philipp Milner eine feine Indie-Platte auf und betitelten sie nach ihrem Bandnamen "Hundreds". Eine kleine Platte, die nach und nach immer mehr Fans für sich gewinnen konnte – nicht nur im heimatlichen Deutschland, sondern auch im restlichen Europa. Schlussendlich führte die Musik die Geschwister sogar zum "South by Southwest"-Festival nach Texas. Ein beachtlicher Erfolg für ein Duo, das quasi aus dem Nichts im Musikbusiness erschien. Und ein Erfolg, der sich mit dem zweiten Album festigen und erweitern dürften.

Wo "Hundreds" noch einen düster-melancholischen Grundton in die Welt hinaus trug, ist "Aftermath" wesentlich entspannter, gelöster und experimentierfreudiger. Eva und Philipp Milner wagen sich mit ihren zwölf neuen Songs in verschiedene Sphären und spinnen aus den unterschiedlichsten Genres ausgeklügelte wie atmosphärische Klanggerüste. 

Als roter Faden nimmt uns eine zunehmende Verdunkelung der Soundatmosphäre auf dem Weg durch "Aftermath" an die Hand. Im titelgebenden Opener werden zu Beginn die Kräfte entfesselt. Nuanciert treffen hier Instrumente, Synthesizer und Stimme aufeinander. Mit "Circus" schenken uns Hundreds dann eine schlichtweg bezaubernde Pop-Perle, die sich unwiderstehlich ans Ohr schmiegt. Es folgen Songs wie "Ten Headed Beast" oder Form Born", die mit zarten wie treibenden Harmonien spielen. Spätestens bei Track Nummer 8, "Rabbit on the Roof", wandelt sich die Stimmung, es wird düster, geheimnisvoll.

Man merkt Hundreds in jedem Ton ihre Liebe zur Musik an. Das Duo überlässt nichts dem Zufall, sondern setzt jede Note, jeden Break, jedes Instrument bewusst. Dabei wirken die Tracks dennoch organisch gewachsen. Die Lieder auf "Aftermath" machen auf einer sehr emotionalen Ebene Sinn und berühren im Kopf und Herzen. Dazu trägt auch Evas Stimme bei, die mal zart, mal energisch, dann wieder ganz behutsam klingt. In ihrer Eindringlichkeit erinnert ihre Klangfarbe an die großer Sängerinnen wie etwa der Portishead-Frontfrau Beth Gibbons.

Hundreds bleiben die ganze Zeit ihren Wurzeln in der elektronischen Musik treu, verbinden diese aber verstärkt mit dem Einsatz von Piano, Bass, Schlagzeug und – wie beim Schlusssong "Stones" – eines Chors. Damit runden sie die Vielfältigkeit ihrer Musik ab und schaffen ein stimmiges Gesamtbild. So klingt die Indie-Musik der Moderne.

Aftermath

Hundreds

Sinnbus Records / Rough Trade

VÖ: 14.03.2014

Anspieltipps: Circus, Foam Born, Aftermath, Rabbit on the Roof

www.hundredsmusic.com

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