Mumford & Sons mit "Wilder Mind"
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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM Plattenkritik: Mumford & Sons "Wilder Mind"

Auf ihrem dritten Album wenden Mumford & Sons dem Folk den Rücken zu

Stadionrock statt Lagerfeuer-Romantik

Mit ihren ersten beiden Alben "Sigh No More" (2009) und "Babel" (2012) kamen Mumford & Sons nicht nur bei den Fans gut an, sondern auch bei den Kritikern. So wurde "Babel" bei den Grammy Awards 2013 mit dem Titel "Album des Jahres" ausgezeichnet. Äußerst erfolgreich ritten sie auf der großen Folkwelle mit Bands wie den Fleet Foxes, Laura Marling oder Johnny Flynn mit.

Folk-Rock, der rein akustisch funktionierte und den Grundstein für ihren Erfolg bildete. Fast alle Markenzeichen, die für den Sound der Band um Marcus Mumford standen, fehlen auf "Wilder Mind": Banjo, Kontrabass und die stampfende Fußtrommel. Eingetauscht wurden sie gegen E-Gitarre, Synthesizer und Schlagzeug. Mumford & Sons klingen nun nach Mainstream-Stadionrock und Bands wie Kings of Leon oder Coldplay. Das liegt auch an der Zusammenarbeit mit Aaron Dessner (The National-Gitarrist) und Produzent James Ford (Florence & The Machine, Arctic Monkeys). Das Ekstatische von Titeln wie "Little Lion Man" weicht einem glatten, schwermütigen und zugleich pompösen, fast pathetischen Sound.

Schon die erste Single "Believe" zeugt davon: Flirrende E-Gitarren unterlegen den Gesang von Marcus Mumford, ein Klavier setzt ein und wird um das Schlagzeug ergänzt. Etwa in der Mitte explodiert das Stück und man hört, dass doch nicht alles anders ist. Der treibende Rhythmus der Trommeln und der hymnische Gesang verweisen auf die alten Erfolgsmuster. Nach einem ruhigen Beginn folgt eine allmähliche Steigerung bis hin zur finalen Ektase. Auf Dauer wirkt das leider zu sehr wie ein Abziehbild alter Zeiten mit neuem Instrumentarium. Nur noch gelegentlich klingen die "alten" Mumford & Sons durch. Etwa bei der Ballade "Broad-shouldered Beasts", wenn für kurze Zeit wieder die Akustikgitarre angeschlagen wird.

Wirklich schlecht ist das Album nicht, es bleibt jedoch keiner der zwölf Tracks im Gedächtnis hängen. Dafür klingt die Musik einfach zu sehr wie jede x-beliebige Rockband, die täglich im Radio gespielt wird.

Wilder Mind

Mumford & Sons

Universal Music

VÖ: 01.05.2015

Anspiel-Tipps: The Wolf, Cold Arms, Broad-shouldered Beasts

Mehr Infos: http://www.mumfordandsons.com/ & http://facebook.com/mumfordandsons

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