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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: 2 Tage New York

-ARCHIV-

Die Komödie ist seit dem 18. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich

Eine schrecklich nette Familie

Zwei Tage können eine unerträglich lange Zeit sein. Wenn die Familie zu Besuch ist, beispielsweise. Oder wenn man darauf wartet, einen Käufer für seine Seele zu finden. Irgendwo zwischen diesen beiden Umständen befindet sich die in New York lebende Künstlerin Marion (Julie Delpy), die in der Fortsetzung des 2007 erschienenen Filmes "2 Tage Paris" nun zwei Tage im Big Apple überleben muss.

Anlässlich Marions großer Vernissage ist ihre französische Familie inklusive ihres schmierigen Ex-Freunds angereist. Dabei benehmen sie sich, wie es das Klischee über Franzosen wohl will: die schöne Schwester (Alexia Landeau) zeigt sich gerne nackt und verführerisch, der Vater (Albert Delpy) muss sich beim Zoll für geschmuggelten Käse verantworten. Der mitreisende Ex-Freund Manu (Alex Nahon) wird beim Kiffen erwischt und des Landes verwiesen und Englisch wird nur gesprochen, wenn es gerade nötig ist. In großartiger Situationskomik erzählt Julie Delpy dabei von den Querelen des Familienlebens mit so viel Ironie und Sarkasmus, dass sogar Woody Allen amüsiert sein dürfte.

Dieser Humor wird auch durch die Rolle des genervten Mingus (Chris Rock) belebt, der mit Marion zusammen wohnt und eine bisher unkomplizierte Beziehung mit ihr geführt hat. Das ändert sich allerdings, sobald die anstrengende Familie sich in ihrem Apartment breit macht und Marion zur Cholerikerin wird. Es entstehen Szenen, bei denen man mit fremdschäm-verzerrten Gesicht die unangenehme Situation, in der Mingus sich befindet, nachfühlen kann. Wenn sein Schwiegervater ihn zum Beispiel in einem endlos erscheinenden Zeitraum albern kitzelt und das überforderte Opfer sich unangenehm berührt sich zu einem gequälten Lachen zwingt.

Man weiß ganz genau, wie sich es sich anfühlt, das peinliche Verhalten der Familie mit einem tiefen Atemzug durchstehen zu müssen, um nicht vollends durchzudrehen. Das macht den ganzen Film einfach sympathisch. Denn hier handelt es sich um das gleiche Irrenhaus voller liebenswerter Menschen, das man von zu Hause kennt. Dass die Handlung dabei selbst recht flach ist, ist ganz im Sinne des Films. Statt Action und Spannung stehen gewöhnliche zwischenmenschliche Beziehungen im Vordergrund, deren Seltsamkeiten hervorgehoben werden.

Zum Höhepunkt kommt es innerhalb der Geschichte deshalb erst, als sich bei der Eröffnung der Ausstellung von Marions Fotografien ihrer Ex-Freunde im Bett ein anonymer Käufer für ihre Seele gefunden hat. Diese hatte die Protagonistin im Rahmen eines Kunstprojekts für 10.000 Euro angeboten, doch nachdem sie verkauft worden ist, bereut sie es. Sie begibt sich auf die Suche nach dem neuen Besitzer der Seele und lässt dabei einen wütenden Mingus zurück. Dass ihr ganzes Verhalten aber noch einen ganz anderen Grund hat, wird erst zu Ende des Filmes klar – Happy End vorprogrammiert.

2 Tage New York ist ein liebenswerter Film für alle, die verschrobene Figuren schätzen und keinen ausgeprägten Hass auf die französische Sprache oder Filme mit Untertitel haben.

2 Tage New York

Komödie/Drama, USA 2012 

Regie: Julie Delpy

Darsteller u.a.: Julie Delpy, Chris Rock, Albert Delpy, Daniel Brühl

Verleih: Universum Film

VÖ: 18. Januar 2013

www.2tagenewyork.senator.de

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