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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Anleitung zum Unglücklichsein

-ARCHIV-

Die fantasievolle Liebeskomödie ist seit dem 04. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich

Komödie mit hohem Charme-Faktor

"Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist" – dieses Zitat des großen russischen Schriftstellers Dostojewski wird nicht nur in Paul Watzlawicks "Anleitung zum Unglücklichsein" zitiert, es passt auch wie die Faust aufs Auge auf die Hauptfigur in der gleichnamigen Verfilmung. Tiffany Blechschmidt (Johanna Wokalek) ist zwar verschroben, abergläubisch und alleinstehend, doch die Berliner steht gleichzeitig – etwas wackelig, aber immerhin – mit beiden Beinen im Leben und betreibt einen erfolgreichen Delikatessenladen in Kreuzberg. Dieser ist nicht nur für die besten Bratkartoffeln der Stadt bekannt, sondern zudem Hort allzu liebendwerter Figuren wie etwa der Kellnerin Rita (Katharina Marie Schubert), die großherzigen Köchin Luise (Margarita Broich) und ihres autistischen Neffen Benno (David Kross), der am liebsten aus Karotten Blumendeko schnitzt. 

Eines Tages zieht ins Haus gegenüber Tiffanys ehemaliger Klavierlehrer Hans Luboschinski (Richy Müller) ein und weckt ungute Erinnerungen in der neurotischen Gastronomin. Immerhin hatte sie das Instrument nach der Trennung ihrer Eltern komplett aufgegeben. Gerade der Gedanke an ihre verstorbene Mutter (Iris Berben) bringt Tiffany regelmäßig an den Rand des Wahnsinns. Nicht nur hat die schicke Mama ihr zu Lebzeiten immer das Gefühl der Mittelmäßigkeit gegeben, auch jetzt taucht sie neunmalklug aus dem Jenseits auf, um die unpassendsten Momente mit Ratschlägen zu bombardieren.

Darauf kann Tiffany gerade in ihrem Liebesleben gut verzichten, denn auch was das Herz angeht, kommt die Großstädtlerin auf keinen grünen Zweig – und das, obwohl sowohl der machohafte Polizist Frank Henne (Benjamin Sadler) als auch Tier-Fotograf Thomas (Itay Tiran) ein Auge auf sie geworfen haben.

"Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren": Diese Aussage Paul Watzlawicks gehört zur Allgemeinbildung. In seinem Sachbuch "Anleitung zum Unglücklichsein" stellte er humorvoll eine weitere Theorie auf: "Der Mensch kann nicht nicht unglücklich sein". Denn gerade unser Negativdenken wirkt wie eine selbsterfüllende Prophezeiung – da hat das Glück einfach keine Chance. Regisseurin Sherry Hormann treibt diesen Ansatzpunkt in ihrer Verfilmung auf die Spitze. Ihre Tiffany Blechschmidt hat Watzlawicks goldene Unglücksregeln zutiefst verinnerlicht, ist geradezu die Personifikation derer. Das ist in vielen Momenten charmant und urkomisch, in anderen fehlen aber die Ironie und das Augenzwinkern. Wo das Buch sich selbst nicht zu ernst nahm, bleibt der Film an einigen Punkten doch zu bieder und ernst. 

Johanna Wokalek spielt aber auch in schwachen Szenen stark auf und gibt mit Bravour und Kulleraugen eine deutsche Version der französischen Amelie ab. Auch die anderen Charaktere sind durchweg liebevoll gezeichnet und gut gespielt. Vor allem Iris Berben in der Gastrolle als Tiffanys verstorbene, aber immer noch glamouröse Mutter sorgt für Glanzpunkte.

Alles in allem ist "Anleitung zum Unglücklichsein" eine sympathische Komödie mit schrulligen Figuren und liebevoller Atmosphäre. Neben den vielen amüsanten Momenten fehlt aber in der Gesamtheit die Leichtigkeit und Esprit einer "Fabelhaften Welt der Amelie". Dennoch: Gute, kurzweilige Unterhaltung mit hohem Charme-Faktor.

Anleitung zum Unglücklichsein

Liebeskomödie, D 2012

Regie: Sherry Hormann

Darsteller u.a.: Johanna Wokalek, Iris Berben, Richy Müller, David Kross, Benjamin Sadler, Itay Tiran, Michael Gwisdek

Verleih: Studiocanal

VÖ: 04. Juli 2013

www.anleitungzumungluecklichsein.studiocanal.de

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