Szene aus "Dein Wille geschehe"
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Dein Wille geschehe

-ARCHIV-

Leben hinter Klostermauern: Staffel 1 ab dem 11. April auf DVD und Blu-ray

Ob Werbeprofi („Mad Men“), Physiker („The Big Bang Theory“) oder sogar Tatortreiniger. Die Serienhighlights der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass so ziemlich jede Berufsgruppe im Fernsehen Spaß machen kann, wenn gute Schauspieler und gute Drehbücher aufeinandertreffen.

Die Wahl der Serienhelden in „Dein Wille geschehe“ ist dennoch, nun ja, sagen wir mal: mutig! Denn die fünf jungen Männer, die wir über acht Folgen begleiten, haben sich gerade entschlossen, Priester zu werden. Und das aus den unterschiedlichsten Gründen und mit den unterschiedlichsten Vorgeschichten. Ob religiös erweckt frisch aus dem Knast, Unternehmerkind aus gutem Hause oder verklemmter Pfadfinder aus der Provinz. Emmanuel, Yann, Guillaume, José, und Raphaël, die jungen Novizen im Pariser Kapuzinerseminar könnten nicht unterschiedlicher sein. Wir erleben sie in ihrem ersten Semester beim schwierigen Versuch, den Kapuzinerorden und ihr Leben in der realen Welt miteinander in Einklang zu bringen.

Auf einer zweiten gut verknüpften Handlungsebene erleben wir parallel wie der charismatische Abt des Priesterseminars, Etienne Fromenger, ein hemdsärmeliger Priestertyp, den jeder gerne als nächsten Chef hätte, in die Mühlen vatikanischer Machtkämpfe gerät. Spätestens hier wird sogar dem  ARD-Zuschauer, der Priester bisher nur aus Talkrunden bei Günther Jauch oder als schmückendes Beiwerk in Serien um patente Nonnen kannte, die Erkenntnis kommen: Priester sind auch nur Menschen. Und zwar mit den gleichen Themen und Problemen wie bei uns auch: Liebe, Verrat, Zweifel, Freundschaft, Loyalität, Intrigen und Machtspielchen.    

Eine Priesterserie, geschrieben von Atheisten

Das ganze haben sich mit David Elkaïm und Vincent Poymiro ausgerechnet zwei bekennend atheistische Drehbuchschreiber ausgedacht. Ein Himmelfahrtskommando? Nein. Denn die Serie kommt auf hohem Niveau daher: authentische Dialoge, spannende Charaktere, guter Spannungsbogen, wenig Klischees. Dass die exzellenten und klug ausgewählten französischen Darsteller hier wohl niemand kennen wird, ist kein Makel, sondern beschleunigt sogar die Identifikation. Persönliche Messdienererfahrung erleichtert vielleicht den Einstieg, ist aber zum Verständnis und Genuss der Serie nicht erforderlich. Aber, und das merkt man „Dein Wille geschehe“ auch an, es ist eben gerade keine Serie aus dem US-Kabelfernsehen, sondern eine Arte-Produktion. Schnitt- und Erzähltempo sind ruhiger, sexy Frauenrollen fehlen fast völlig, und nach acht Folgen a 40 Minuten ist es auch schon wieder vorbei.

„Dein Wille geschehe“ ist wie eine charmante und intelligente Mischung aus französischem Arthaus-Film, Dan Brown und „Desperate Housewives“. Nur eben ohne Frauen. Eine Serie, bei der die Macher es am Ende schaffen, dass einem eine Gruppe von Priestern ans Herz wächst. Eins muss man dem Produzententeam allerdings ankreiden: „Und führe uns nicht in Versuchung“ heißt es im „Vater unser“ weiter, zu spät, denn wir wollen wissen, wie „Dein Wille geschehe“ weitergeht. Aber die zweite Staffel ist ja schon in Arbeit. Gott sei Dank!

Dein Wille geschehe – Staffel 1

TV-Serie, Frankreich 2012

Regie: Elizabeth Marre, Olivier Pont, Rodolphe Tissot

Darsteller u.a.: Jean-Luc Bideau, Thierry Gimenez, David Baïot

Verleih: Sunfilm Entertainment

VÖ.: 11. April 2013

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