Stèphanie und Ali aus "Der Geschmack von Rost und Knochen"| Fotos: Wild Bunch Germany
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Der Geschmack von Rost und Knochen

-ARCHIV-

Eine wirklich schöne Liebesgeschichte, ab 19. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich

Ali (Matthias Schoenaerts) und Stèphanie (Marion Cottilard) sitzen im Auto, er hat sie vor einer Kneipenprügelei beschützt und fährt sie nun nach Hause. Sein Blick wandert über ihre wohlgeformten Beine, ihr schönes Gesicht. Sie lächelt und es knistert an diesem Abend. Aber trotzdem passiert nichts und die Begegnung nimmt ein apruptes Ende. Denn zwischen den beiden liegen Welten.

Stèphanie trainiert Killerwale im Marineland an der Côte d’Azur, ist begehrt und erfolgreich. Ali ist soeben mit seinem fünfjährigem Sohn Sam aus dem Norden Frankreichs geflüchtet und sucht nun nach Arbeit beim Sicherheitsdienst, während er die Obhut seiner Schwester Anna in Anspruch nimmt. Erst eine Tragödie bringt die beiden wieder zusammen.

Stèphanie verliert bei einer der Shows ihre beiden Unterschenkel und damit ihren gesamten Lebensmut. In Lethargie und Depression verfallen wendet sie sich an Ali. Der schroffe Bodyguard nimmt sich ihrer ohne Mitleid an. Und nach und nach beginnen die beiden sich gegenseitig zu stützen und das Leben des anderen zu verändern.

Kunst und Poesie

"Der Geschmack von Rost und Knochen" erzählt die Geschichte zweier Verlierer. Auch wenn die beiden Hauptfiguren nicht unbedingt sympathisch sind, fühlt man mit ihnen mit. Stèphanie steht vor den Trümmern ihrer Existenz: Zog die sonst so körperbetonte Frau früher die Blicke aller Männer auf sich, entschwindet sie in ihrem Rollstuhl nun im wahrsten Sinne des Wortes dem Blickfeld selbiger. Ali hat ihr gegenüber keine Zweifel. Er fühlt sich nach wie vor zu ihr hingezogen und bietet ihr Sex an. Stèphanie fühlt sich das erste Mal seit langem wieder bestätigt und begehrt. Nicht wie ein hilfloser Krüppel. Markant ist hier die Szene des ersten Zusammentreffens der beiden nach dem Unfall. Ali möchte an der Küste schwimmen gehen und fragte die Frau im Rollstuhl, ob sie mitkommen wolle. Nach erstem Ärger und Erstaunen stimmt Stèphanie zu, lässt sich zum Wasser tragen und hat dort den besten Moment seit langem.

Die ganze Geschichte der beiden ist gespickt mit Metaphern und poetischen Bildern. Regisseur Jacques Audiard spielt vor allem mit dem Element Wasser und stellt das romantisierte glänzende Meer dem blutigen Walbecken entgegen, in dem Stèphanie ihre Beine verliert. Die Kamera bewegt sich stets wie ein vorsichtiger Zuschauer, der nicht entdeckt werden möchte – manche Szenerien werden nur gestreift, das Bild ist schief oder flackert nur kurz auf. Ganz behutsam wird so das Geschehen verfolgt – genauso behutsam, wie sich Ali und Stèphanie auch nähern.  

Nach "Der Geschmack von Rost und Knochen" möchte man Klamaukliebesfilme am liebsten in die Tonne treten. Denn dies ist eine der schönsten Liebesgeschichten überhaupt.

Der Geschmack von Rost und Knochen

Drama, Frankreich 2011

Regie: Jacques Audiard

Darsteller u.a.: Marion Cottilard, Matthias Schoenaerts

Verleih: Universum Film

VÖ: 19. Juli 2013

www.der-geschmack-von-rost-und-knochen.de

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