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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Die Vermessung der Welt

-ARCHIV-

Verfilmung des gleichnamigen Weltbestseller von Daniel Kehlmann. DVD-Start: 28. März 2013

eine Produktion auf hohem Niveau

In seinem Erscheinungsjahr 2005 konnte sich "Die Vermessung der Welt" sage und schreibe 37 Wochen lang auf dem obersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste festsetzen. Allein in Deutschland gingen bis zum letzten Jahr über zwei Millionen Exemplare des Romans über den Ladentisch. Auch international feierte Daniel Kehlmanns Werk große Erfolge. So war es letztendlich nur konsequent, sich endlich filmisch der fiktiven Doppelbiografie anzunehmen. 

Detlev Buck ("Rubbeldiekatz", "Männerpension") ging als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor ans Werk. Auch "Die Vermessung der Welt"-Verfasser Daniel Kehlmann arbeitete selbst am Filmskript mit. Gedreht wurde in aufwändiger 3D-Technik und an exotischen Schauplätzen. Der Erfolg sollte nicht dem Zufall überlassen werden: eine Produktion auf hohem Niveau.

Und ja, teilweise schafft es die Verfilmung von "Die Vermessung der Welt" sich auf einer Ebene mit Hollywood-Abenteuern zu bewegen. Die Kamera liefert beeindruckende Bilder, das Setting ist grandios, die Kostüme detailgetreu. Egal, ob Mathematiker Gauß im heimischen Deutschland am Unvermögen seiner Mitmenschen scheitert oder Forscher Humboldt unverdrossen am anderen Ende der Welt den Amazonas bereist: Als Zuschauer reist man von der Optik gebannt mit den Figuren von Ort zu Ort.

Die Darsteller überzeugen

An anderen Stellen enttäuscht "Die Vermessung der Welt" dagegen leider – vor allem, wenn man Fan der Vorlage ist. Die Geschichte der beiden Wissenschaftler, die in der literarischen Vorlage meisterhaft verwoben wurde, wird hier etwas zu brachial verknüpft. Schon als Kinder treffen Gauß und Humboldt im Film aufeinander, nur um sich dann Jahrzehnte später, auf einem Kongress wiederzusehen. Das Drehbuch dichtet den Roman neu um, lässt Sachen weg, erfindet neue Figuren, stellt andere Zusammenhänge her. Das ist nichts, was andere Buchverfilmungen nicht auch machen würden, doch "Die Vermessung der Welt" verliert dabei an Witz. Obwohl es sicherlich sowieso schwierig ist, einen Text, der von seiner geschliffenen Sprache lebt, in Bilder umzuwandeln. 

Leider bleiben dabei auch die Figuren blass, was allerdings weniger an den Darstellern liegt. Irgendwie hat man das Gefühl, dass den beiden Hauptcharakteren trotz der 118 Minuten Laufzeit nur wenig Zeit zur Entfaltung gelassen wird. Albrecht Abraham Schuch spielt seinen Alexander von Humboldt mit einer unermüdlichen Begeisterung, die allerdings kaum Platz für Schattierungen lässt. Florian David Fitz gibt seinen verkopften Carl Friedrich Gauß da schon nuancierter und glaubwürdiger und geht dabei im Zusammenspiel mit Katharina Thalbach (als Gauß' Mutter) und Vicky Krieps (als Johanna Gauß) auf. Andere Figuren wie der Herzog von Braunschweig (Michael Maertens) und ein unnötiger Militäroffizier (Max Giermann) kommen wie reine Karikaturen daher und wirken in dem Film, der sich selbst ernst nimmt, deplatziert.

Lässt man seine Erwartungshaltung und den Vergleich zur Vorlage außer Acht, wird einem bewusst, dass "Die Vermessung der Welt" zu den besten deutschen Filmen der jüngsten Kinogeschichte gehört. Detlev Buck und sein Team wagten sich mit spürbarem Herzblut an einen schwierigen Stoff und setzten ihn optisch opulent und dramaturgisch einwandfrei um. Eine Komödie, die ohne Schenkelklopfer auskommt, und gerade deswegen für kurzweiliges Vergnügen sorgt.

UNICUM sprach mit Florian David Fitz über seine Rolle in "Die Vermessung der Welt" und eigene Genie-Streiche. Das Interview findet ihr auf unicum.de/entertainment

Die Vermessung der Welt

Komödie, D 2012

Regie: Detlev Buck

Darsteller u. a.: Albrecht Abraham Schuch, Florian David Fitz

Verleih: Warner Home Ent.

VÖ: 28. März 2013

wwws.warnerbros.de/dievermessungderwelt/

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