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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Die Wand

-ARCHIV-

Die Bestseller-Verfilmung ist seit dem 16.05. auf DVD und Blu-ray erhältlich

Was, wenn man auf einmal nicht mehr zurück kann?

Kaum trägt eine Romanvorlage das Prädikat "unverfilmbar", ist sie scheinbar besonders reizvoll für Filmemacher. Dass Marlen Haushofers Roman "Die Wand" aus dem Jahr 1963 bisher als unverfilmbar galt, ist nachvollziehbar – die Robinson-Crusoe-ähnliche Geschichte lebt weniger von einem Plot als eher von packenden Bildern und Emotionen. Die Isolation der namenlosen Protagonistin bringt außerdem mit sich, dass es quasi keine Dialoge gibt.

Dass die Protagonistin aus "Die Wand" niemanden zum Reden hat, liegt an einer unsichtbaren Wand, die sie plötzlich während eines Gebirgsurlaubs vom Rest der Zivilisation trennt. Alles Leben jenseits dieser Wand scheint erstarrt, auf ihrer Seite der Wand findet die Protagonistin neben dem von ihren Bekannten mit in der Urlaub genommenen Hund Luchs eine Kuh, zwei Katzen und eine weiße Krähe, zu denen sie eine enge Beziehung aufbaut. Kaum vorstellbar, wie ein Leben ohne Strom, Supermärkte oder Infrastruktur funktionieren sollte. Zumindest für eine Person, die im 20. Jahrhundert lebt. Aber die Verantwortung ihren Tieren gegenüber lässt die Isolierte über sich hinauswachsen – sie pflanzt Kartoffeln, erntet Heu und schießt Wild. Die größte Umstellung ist aber das Fehlen menschlicher Sozialkontakte. Ohne die Möglichkeit zu haben, Dialoge zu führen oder mit menschlicher Kultur konfrontiert zu sein – etwa über Musik oder Bücher – verschwimmt die Ich-Wahrnehmung der Protagonistin mit ihrer Umwelt. Und damit auch die Grenzen zwischen ihr und den Tieren. Bald bezeichnet sie den Hund als Freund, die Kuh als Schwester.

Ist die Buchvorlage schon ergreifend und emotionsstark, so gelingt es Regisseur Julian Pölsler dieses bedrückende Gefühl der Isolation und der Einsamkeit mindestens mit der Intensität der Romanvorlage umzusetzen. Das bedeutet vor allem, dass "Die Wand" harter Tobak für Sensibelchen ist. Eine heitere Sonntagabendunterhaltung sieht anders aus und Fans actionreicher Filme werden nicht ganz auf ihre Kosten kommen – aber der kunstvoll umgesetzte Film lohnt sich allemal. Idyllische Bergszenarien wirken teils zauberhaft, teils bedrückend und verstörend. Die musikalische Untermalung lässt den Zuschauer teilhaben an der Situation der Protagonistin: sie ist minimal gehalten, manchmal dröhnt die Stille oder einzig ein Cello begleitet surreale Momente. Martina Gedeck spielt mit überzeugender Unaufgeregtheit und Intensität. "Unverfilmbar" ist der Roman, der sich so sehr als Kammerspiel anbietet, also nicht – im Gegenteil: Die Verfilmung ist ganz wunderbar gelungen.

Die Wand

Drama, D 2012

Regie: Julian Pölsler

Darsteller: Martina Gedeck

Verleih: Arthaus

VÖ: 16.05.2013

www.diewand.studiocanal.de

 

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