Brad Pitt tötet zärtlich | Fotos: Wild Bunch Germany
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Killing them softly

-ARCHIV-

Schöner sterben – ab dem 17. Mai auf DVD und Blu-ray

America is a business

Kleinganove Frankie (Scoot McNairy) und sein heroinabhängiger Kumpel Russel (Ben Mendelsohn) wollen an das große Geld kommen – und zwar möglichst schnell. Der Geschäftsmann Johnny Amato (Vincent Curatola) bringt die beiden auf die glorreiche Idee, ein Pokerturnier des Untergrundes von New Orleans auszurauben. Dessen Veranstalter Markie Trattman (Ray Liotta) hat schon selbst einmal einen solchen Raubzug durchgeführt und würde die beiden Gangster somit als Hauptverdächtiger decken. Gesagt getan, doch die Spieler und vor allem Trattman wollen diese Schmach natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Er heuert den Auftragskiller Jackie Cogan (Brad Pitt) und seinen Komplizen Mickey (James Gandolfini) an, um Frankie und Russel um die Ecke zu bringen. Die beiden müssen sich warm anziehen – vor allem Cogan nämlich hat, was das Töten angeht, ein paar besondere Tricks drauf.

Ein Killer wird auf zwei Looser gehetzt – was wird da nur passieren? Von der Handlung her ist Killing them softly weitgehend vorhersehbar. Wie es sich nach dem Überfall auf die Pokerrunde bis zum Ende hin aber noch über eineinhalb Stunden ziehen kann, bleibt die Frage. Größtenteils wird die Zeit mit äußerst unterhaltsamen Gangstergequatsche gefüllt. Denn gerade die Beziehungen zwischen den Figuren sind das, was Killing them softly so interessant macht. Die beiden Gangster Frankie und Russel sind herrlich erbärmlich. Der eine starrt vor Dreck, der andere mutiert im Angesicht drohender Gefahr zum absoluten Muttersöhnchen. So baut man während des Filmes sogar einen gewissen Grad an Mitleid auf und möchte die beiden Idioten vor einem nahenden Ende beschützen. Dann wäre da natürlich noch Steckenpferd Brad Pitt, der als softer Auftragskiller auf den Plan tritt.

Dieser hasst es, wenn seine Opfer das Weinen oder Flehen anfangen und erledigt sie deshalb lieber aus der Ferne – ganz sanft und ohne große Emotionen eben. Regisseur Andrew Dominik verliert sich hier in fast poetischen Bildern, wenn die tödliche Kugel aus der Kammer der Waffe fällt, in größter Slow Motion durch das Glas der Autoscheibe schlägt und den Kopf des Opfers trifft. Dazu Musik, die schon fast gute Laune machen könnte.

Nicht zuletzt kann es Dominik nicht lassen, hier und da immer noch eine Prise Politik und Gesellschaftskritik einzustreuen. Killing them softly spielt zur Wahlkampfzeit von McCain und Obama und im Angesicht der drohenden Weltwirtschaftskrise. Immer wieder streut Dominik zynische Kommentare ein, die darauf hinweisen, was aus dem altbekannten amerikanischen Traum geworden ist: Amerika ist nun nur noch ein Land, in dem Stärkere überleben und Schwächere einfach weggedrückt werden – und das Töten nur ein Geschäft ist wie alles andere auch.

Langer Atem für den Film, kurzer Atem für die Ganoven – ein gesellschaftskritischer Thriller im Gangstergewand.

 

Killing them softly

Regie: Andrew Dominik

Darsteller: Brad Pitt, Richard Jenkins, Scoot McNairy, James Gandolfini, Ben Mendelsohn

Verleih: Wild Bunch Germany

VÖ: 17.Mai

www.killing-them-softly.de

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