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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Life of Pi

-ARCHIV-

Das visuelle Meisterwerk von Ang Lee erscheint am 26. April auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D

Der Roman "Schiffbruch mit Tiger" des Kanadiers Yann Martel erschien 2001 und hat sich seitdem weltweit mehr als 7 Millionen Mal verkauft. Darum geht's: Pi Patel (Suraj Sharma) ist der Sohn eines indischen Zoodirektors. Seine Familie will mitsamt all ihrer Tiere auswandern, doch bei der Schiffsfahrt Richtung Kanada kommt es zur Katastrophe. Der Frachter sinkt, Pi schafft es auf ein kleines Rettungsboot – doch er hat gefräßige Gesellschaft.

Regisseur Ang Lee findet für die philosophische Abenteuergeschichte die passenden Bilder und erzählt sie mit viel Leidenschaft und Hingabe. Absolut sehenswert – ein Meisterwerk der jüngsten Filmgeschichte!

Hauptdarsteller Suraj Sharma im Interview

Suraj, du musstest viele schwierige Aufgaben für den Film meistern – u.a. musstest du auch schwimmen lernen.Suraj Sharma: Ja, aber das war nicht besonders schwer. Ich hatte tolle Leute, die mir das beigebracht haben. Dafür hatten wir auch anfangs viel Zeit. Wir haben drei Monate lang für den Film trainiert und jeden Tag drei bis vier Stunden im Wasser verbracht. So lernt man, wir man schwimmt.

Fühlst du dich mittlerweile wohl im Wasser?Yeah, und wie!

Und wie war das in der ersten großen Sturmszene, die in "Life of Pi" zusehen ist?Die Szene hat sich sehr real angefühlt. Mit dem Sturm haben wir am vierten oder fünften Drehtag begonnen. Auf der einen Seite war es schon merkwürdig, so früh so intensiv durchzustarten, auf der anderen Seite hat es sehr geholfen. Man bekommt in solchen Szenen ein Gefühl für die Kamera, ohne viel schauspielern zu müssen. Man gewöhnt sich daran, wie alles läuft. Wir waren auf diesem großen Ding, das sich die ganze Zeit bewegte und rutschten herum. Über uns ergoss sich wahnsinnig viel Regen, dazu der Wind – alles war so realistisch. Danach wurden die Dreharbeiten nicht einfacher, aber definitiv milder.

Du hast also alle Stunts selber gemacht?Ja, und das war auch gut so.

Steve Callahan, der selbst 76 Tage verschollen auf einem Boot im Atlantik überlebte, hat dir wertvolle Überlebenstipps gegeben. Die Begegnung mit ihm war sicherlich sehr interessant, oder?Ja, war es. Er ist ja wirklich einer dieser Leute, die den Ozean überlebt haben. Die Sachen die er erzählt – macht glaubt nicht, dass man dies auch so einmal verinnerlichen wird. Er berichtet vom größten mentalen, emotionalen und körperlichen Schmerz. In so einer Situation macht man alles, um zu überleben. Aber er sagt auch: "Wenn ich nun zurückblicke, sind es diese Erinnerungen, die ich am meisten wertschätze." Er liebt er nun, doch damals war sein Blickwinkel natürlich anders. Er erzählt von den unglaublichen Sachen, die er da draußen gesehen hat: "Du siehst Sachen, die du sonst nie zu Gesicht bekommen hättest. Doch du bist so beschäftigt damit, zu überleben, dass du sie noch nicht einmal beachtest." Ich denke, er ist glücklich damit, dass er dies erleben musste. Steve Callahan redete mit mir auch über Gefühle. Man empfindet nicht die normalen Emotionen, nur Extreme. Man ist nicht nur traurig, sondern vollkommen hoffnungslos und hilflos. Man ist nur nur glücklich, man ist ekstatisch. Aber diese Gefühle dauern nur kurz an. Die meiste Zeit befindet man sich in einem Überlebensmodus. Man konzentriert sich nur darauf, zu leben. Dafür hat man viel zu viel Zeit.

"Es fühlte sich so an, als wäre der Tiger wirklich da gewesen"

Als Pi musstest du eine Menge Gewicht verlieren. Hast du während der Dreharbeiten nicht auch die ganze Zeit ans Essen gedacht?Naja, Pi hat ja auch ans Essen gedacht, man muss so sehen. Ich habe die ganze Zeit an Gewicht verloren, war die ganze Zeit am Schwimmen und war deswegen immer extrem erschöpft – aber auf der anderen Seite, war Pi ja auch immer exakt an diesem Punkt. Er war alleine und so jeden Tag dieselben Dinge. Er versuchte zu überleben, war extrem hungrig und super müde. Das waren wir beide. Das hat tatsächlich beim Schauspielern geholfen.

Was dich anbetrifft hat Regisseur Ang Lee einen wahren Beschützerinstinkt entwickelt ...Ja, er ist definitiv auch zu einer Art Vaterfigur geworden. Anfangs war alles einfach, aber irgendwann kamen wir zum sogenannten "Isolationszeitraum". Ang Lee hat die Crew angewiesen, nicht mehr mit mir zu reden. Das passierte zeitgleich zu dem Moment, an dem Pi anfängt wahnsinnig zu werden und sich selbst zu verlieren. Er fängt an, Spiritualität zu erreichen. Auf eine Art und Weise ist auch mir das passiert, aber zu diesem Zeitpunkt habe kaum mit jemandem darüber gesprochen. Ich habe viel meditiert, und viel "Gottesmusik" gehört, wie Ang Lee es nennt. Ich kann das gar nicht so einordnen. Die Musik ist schwer zu beschreiben, sie bringt dich in einen anderen Zustand. Ich weiß nicht, was es war, aber es war düster.Die Spiel mit deinem "Co-Star" Richard Parker ist einfach grandios. Wie war es mit einem Tiger zu interagieren, der gar nicht da war?Naja, anfangs war es natürlich schwer, sich vorzustellen, dass ein Tiger vor einem sitzt. Wir hatten vier Tiger, die für Richard Parker Pate standen und ich schaute ihnen immer beim Training zu, beobachtete, wie sie sich bewegten und reagierten. Wie sie auch auf Wasser reagierten. Ich sah mir auch viele Videos und so Sachen an. Wir haben dann jeden Tag so viele Stunden lang gedreht, dass es sich irgendwann so anfühlte, als wäre Richard Parker wirklich auf dem Boot.

Und wie war es für dich, den Tiger im fertigen Film zu sehen?Ich weiß echt nicht, wie sie das hinbekommen haben. In allen anderen Filmen konnte ich immer die animierten Tiere auf Anhieb erkennen, bis jetzt zumindest. Aber dieser Tiger ... Ich weiß, er war nicht auf dem Boot, aber die Effekte sind einfach umwerfend. Es ist großartig.

Du warst also genauso beeindruckt von dem Film wie alle anderen im Publikum?Yeah, yeah! Denn schau: Ich erinnere mich an die Dreharbeiten. Da war dieses Boot, so viel Wasser, so viel Blau. Im Film gibt es kaum noch Blau, sondern Farben so strahlend und wunderschön. Und da ist dieser Tiger, von dem man wirklich glaubt, er sei ein echter Tiger. Es war wirklich schwer für mich, mir vorzustellen, wie das alles so entstanden ist. Das Team hat einfach einen verdammt guten Job gemacht.

Life of Pi

Abenteuer, USA 2012

Regie: Ang Lee

Darsteller u.a.: Suraj Sharma, Irrfan Khan, Rafe Spall, Adil Hussain

Verleih: 20th Century Fox Home Entertainment

VÖ: 26. April 2013

www.lifeofpimovie.com

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