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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Little Thirteen

-ARCHIV-

Das ungeschönte Sozialdrama ist ab dem 04. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich

Keine Aussicht auf ein Happy End

"Ich will das nicht!" – Bestimmt, aber wenig schockiert stellt sich Sarah (Muriel Wimmer) gegen ihre Mutter. "Aber wir teilen doch immer alles", entgegnet ihr die junggebliebene Doreen (Isabell Gerschke). Diesmal geht es um Lukas (Joseph Konrad Bundschuh), den Sarah im Chat kennengelernt hat und den Doreen im Tausch gegen einen Vibrator ebenfalls gerne verführen würde.

Es sind Szenen wie diese, die den Zuschauer verblüfft und erschüttert fast schon den Kopf schütteln lassen – an der Glaubwürdigkeit der Bilder mag man indes nicht zweifeln. Einfühlsam, aber dennoch mit klarem Blick begleitet der deutsche Filmemacher Christian Klandt seine jungen Hauptdarsteller durch ihr Leben. Während da auf der einen Seite Sarah mit ihrer antiautoritären und übersexualisierten Mutter ringt, muss sich auf der anderen Seite ihre beste Freundin Charly (Antonia Putiloff) um zwei kleinen Geschwister kümmern. Charlys Mutter kann kaum Energie und Lebenswillen aufbringen und verbringt stattdessen die Tage mit Schlafen und Puzzeln. 

Gesellschaftliche Verrohung und emotionale Kälte bestimmen den Alltag der beiden Teenager – ohne Perspektive und Vorbilder flüchten sie von Party zu One-Night-Stand, von Drogen zu Quickies. Dann verliebt sich Sarah zaghaft in Lukas und Charly wird ungewollt schwanger – ein Happy End kann es für sie alle aber nicht geben.

Eine packende Sozialstudie

"In 'Little Thirteen' passiert nichts zum ersten Mal, kein Gedanke ist für die Figuren neu. Somit wird alles, was von außen betrachtet spektakulär oder schockierend sein könnte, zur Normalität einer Lebenswelt. Das Erschütternde liegt also nicht in einer Handlung selbst, sondern in der Diskrepanz zwischen unserem Blick und dem Umgang der Figuren damit", erklärt Drehbuchautorin Catrin Lüth den Schlüssel zur Handlung. Tatsächlich haben sie und Regisseur Christian Klandt in ganz Deutschland mit Jugendlichen und Sozialpädagogen gesprochen und in Filmworkshops Anregungen für ihren Film gesucht. Diese Authentizität ist in "Little Thirteen" spürbar und emotional greifbar.

Glaubwürdigkeit erreicht der Film auch durch die talentierten Jungdarsteller, die wie etwa Joseph Konrad Bundschuh mal viel Erfahrung mit der Schauspielerei vorweisen können oder wie Antonia Putiloff zum ersten Mal eine große Rolle ausfüllten. Sie alle verleihen ihren Figuren eine Natürlichkeit, die bewegt. 

Dass "Little Thirteen" in letzter Konsequenz aber nicht auf ganzer Linie überzeugt, liegt sicherlich an den vielen Handlungssträngen, die miteinander verwoben wurden. Da wird nicht nur die Liebesgeschichte zwischen Sarah und Lukas erzählt oder Sarahs und Charlys Probleme mit ihren Müttern thematisiert. Es geht zudem noch um Charlys kleinen Bruder, Drogengeschäfte, Charlys Suche nach dem möglichen Vater ihres Kindes und auch Lukas' Elternhaus wird angerissen. So finden alle Storylines am Ende von "Little Thirteen" zu keinem Ende. Ein Stilmittel, das sicherlich in einigen Fällen funktionieren und eine düstere Stimmung erzeugen mag, hier aber eher eine gewisse Enttäuschung hinterlässt.

So ist "Little Thirteen" eine interessante wie packende Sozialstudie, die zwar dem gerne zitierten Vergleich zum Kultfilm "Kids" nicht standhalten kann, aber dennoch in ihrer Ehrlichkeit sehenswert ist.

Little Thirteen

Drama, D 2011

Regie: Christian Klandt

Darsteller u.a.: Antonia Putiloff, Muriel Wimmer, Joseph Konrad Bundschuh, Isabell Gerschke, Philipp Kubitza

Verleih: Capelight Pictures

VÖ: 04. Oktober 2013

www.littlethirteen.x-verleih.de

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