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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Magic Mike

-ARCHIV-

Ab dem 04. Dezember werden auf DVD und Blu-ray die Hüllen fallen gelassen

Nicht nur für Frauen

Ein Job als Dachdecker, der Verkauf von Autoteilen: Mike (Channing Tatum) verdient sich tagsüber mit einigen Anstellungen etwas dazu. Doch das richtige Geld winkt erst nachts – dann verwandelt sich das Muskelpaket im Club Xquisite in Tampa, Florida in den Stripper "Magic Mike" und heizt dem hysterischen weiblichen Publikum richtig ein. In diese Welt aus Sex, Drogen und Männerfreundschaft gerät auch der 19-jährige Adam (Alex Pettyfer), der sein Football-Stipendium verloren hat und nun bei seiner bodenständigen Schwester Brooke (Cody Horn) auf dem Sofa schläft. Doch wo Mike strippt, um sich das nötige Startkapital für sein eigenes Möbeldesign-Business anzusparen, gibt sich Adam, nunmehr "The Kid" genannt, ganz der dunklen Seite des Milieus hin. Als Stripclub-Besitzer Dallas (großartig: Matthew McConaughey) den Umzug der "Cockrocking Kings" nach Miami plant, steht Mike ganz allein vor seiner wichtigsten und schwersten Entscheidung: Wohin will er eigentlich im Leben?

Mit kleinem Budget realisiert, entwickelte sich Magic Mike in diesem Sommer zu einem der Kino-Überraschungshits des Jahres. Das mag an der knapp bekleideten Männerschar gelegen haben, die da einladend vom Filmplakat hinunterlächelte – aber sicherlich auch an der Tatsache, dass sich hinter der vordergründigen Anrüchigkeit eine unerwartet charmante Story mit Tiefgang versteckt. Von einem Regisseur wie Steven Soderbergh ("Erin Brockovich", "Oceans Eleven", "Contagion") kann aber auch niemand ernsthaft Hollywood-klischeemäßiges Popcorn-Kino erwarten. Und so ist Magic Mike eben ein typischer "Soderbergh" geworden: Die eingefärbten Bilder, die mal langen, mal ungewöhnlichen Kameraeinstellung, die episodische Erzählweise geben der Sozialkomödie ein eigenes Gesicht und heben sie von übrigen Tanzfilmen – und vor allem gegenüber Filmen mit weiblichen Strippern wie "Striptease" oder "Showgirls" – ab.

Der langsame Abschied Mikes von seinem Stripper-Alter Ego sowie die Versuchungen, denen Adam nicht widerstehen kann, werden dem Zuschauer glücklicherweise nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Nase gebunden. Vielmehr müssen die Figuren sich ihren eigenen Weg durchs Leben bahnen, der 30-jährige Mike ist einfach an einem anderen Punkt als der 19-jährige Adam. Neben der düsteren Thematik in der zweiten Filmhälfte steht in Magic Mike aber tatsächlich der Spaß im Vordergrund.

Channing Tatum, vor seiner Schauspielkarriere selbst einige Monate als Stripper tätig, zeigt bei seinen Tanzszenen erstaunliche Moves und begeistert mit einer charismatischen Präsenz. Alex Pettyfer kommt dagegen gerade bei den Tanzeinlagen nicht an, ihm nimmt man den jugendlichen Übermut und die Sehnsucht nach Verlockungen aber glaubhaft ab. Allen voran erstrahlt Matthew McConaughey als exzentrischer Strip-Unternehmer über dem Ensemble. Sein Dallas ist so selbstbewusst und durchgedreht, dass es schon wieder grotesk ist – man zweifelt aber kaum daran, dass es solche Personen nicht doch in der US-amerikanischen Sex-Industrie gibt.

Für Serienfans gibt es zudem ein freudiges Wiedersehen mit einigen TV-Darstellern, die zwar nicht viel sagen dürfen, aber immerhin schön anzusehen sind, wie etwa Matt Bomer ("White Collar"), Joe Manganiello ("How I met your Mother", "True Blood") oder Adam Rodríguez ("CSI: Miami"). Auch alle Wrestling-Fans sollten zweimal hinsehen: WWE-Kämpfer Kevin Nash ist in Magic Mike als Stripper "Tarzan" zu sehen.

Fazit: Magic Mike beleuchtet mal kritisch, mal augenzwinkernd (Stichwort: Penis-Pumpe ...) eine Geschichte aus dem Chippendale-Milieu. Eine bunte, kreischende Komödie ist der Film nicht, dafür aber ein ansprechendes wie kurzweiliges Filmvergnügen – das ganz sicher auch etwas für Männer ist.

Magic Mike

Komödie/Drama, US 2012

Regie: Steven Soderbergh 

Mit u.a.: Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matthew McConaughey, Cody Horn

Verleih: Concorde Home Entertainment

VÖ: 04. Dezember 2012

www.magicmike-derfilm.de

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