Prisoners
Thriller
DVD
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Prisoners

-ARCHIV-

Nichts für schwache Nerven: Der Psycho-Thriller startet am 13. Februar auf DVD und Blu-ray

Schuld und Unschuld, Verbrechen und Verlust

Mit zweieinhalb Stunden Laufzeit fordert "Prisoners" von uns Zuschauern zuallererst eines ein: Zeit. Doch diese Zeit ist nicht verschwendet – im Gegenteil. In seinen 153 Minuten entfaltet der superbe Thriller einen packenden Reigen aus Verbrechen, Verdacht, Schuld, Verlust und Hoffnung. 

Es ist Thanksgiving in einer friedlichen US-Kleinstadt. Die Familie Dover wandert einige Häuser weiter zu ihren Nachbarn, den Birchs, um gemeinsam den Nachmittag und Abend zu verbringen. Doch während die Erwachsenen scherzen, wird es den Kindern schnell langweilig. Vor allem die beiden 6-Jährigen Anna (Erin Gerasimovich) und Joy (Kyla Drew Simmons) quengeln und wollen lieber im Haus der Dovers spielen. Mit der Zusicherung, sich den Teenagern Ralph (Dylan Minnette) und Eliza (Zoe Borde) anzuschließen, dürfen die Mädchen das Haus verlassen. Doch als das Ehepaar Keller (Hugh Jackman) und Grace (Maria Bello) daheim nach dem Rechten sieht, finden sie zwar die Jugendlichen vor dem Fernseher wieder, von den Kleinen fehlt jede Spur.

Panisch durchforsten die Eltern die Umgebung. Da merkt Ralph an, dass am Tag ein fremdes Wohnmobil auf der Straße parkte. Die alamierte Polizei kann dieses schnell an einer Tankstelle ausfindig machen – doch als der leitende Detective Loki (Jake Gyllenhaal) sich dem Fahrzeug nähert, schießt dessen Fahrer auf einen Baum zu. Der mutmaßliche Täter Alex Jones (Paul Dano) überlebt – doch Anna Dover und Joy Birch bleiben weiterhin verschwunden. Zudem scheint der geistig zurückgebliebene Jones vollkommen unschuldig zu sein und wird so nach 48 Stunden aus der Untersuchungshaft entlassen.

Doch Keller Dover glaubt weiterhin an die Schuld von Alex Jones und sieht nur einen Ausweg, um das Leben seiner Tochter zu retten: Er entführt den vermeintlich Schuldigen und bringt ihn in ein Versteck. Dort will er nun mit allen Mitteln den Aufenthaltsort der beiden Mädchen aus Jones herausbekommen. Dabei fehlt im vor allem eines – Zeit.

Wie weit würdest du gehen?

Nach dem üblichen Hollywood-Schemata würde nun ein klassischer Selbstjustiz-Thriller folgen, in dem die heroische Hauptfigur entgegen aller Prognosen und mit unkonventionellen Methoden das Leben der vermissten Personen rettet. Ein Glück, dass Filmemacher Denis Villeneuve und Drehbuch-Autor Aaron Guzikowski ganz offensichtlich wenig von einer 08/15-Lösung der Thematik halten. Stattdessen setzten sie vielmehr auf eine vielschichtige Erzählung und lassen sowohl die Figuren als auch die Zuschauer lange im Dunkeln tapsen.

Während Keller Dover erst skrupellos seine brutale Rachetaktik verfolgt, bricht der entkräftete Familienvater im Laufe der Story immer mehr ein. Sein Handlungsbogen stellt den Zuschauer mehr als einmal vor die Frage: Wie weit würdest du gehen? Für Keller steht fest: Bis zum Äußersten. Für Joys Vater Franklin Birch (Terrence Howard) ist die Antwort dagegen nicht so klar. 

Mit einer anderen Art der Verzweiflung kämpft gleichzeitig Detective Loki, der im Laufe seiner Ermittlungen immer mehr hinter die scheinbar heile Fassade des Örtchens blickt und dort düstere Geheimnisse entdeckt. Die anfängliche Schwarz-Weiß-Malerei, an die auch wir als Zuschauer uns nur allzu gerne klammern würden, verliert sich immer mehr ins Grau; Gut und Böse verschwimmen zu einer Melange aus Wut, Gram, Frust und Resignation.

In der düsteren, trostlosen Atmosphäre agieren die Darsteller mit voller Wucht. Hugh Jackman verausgabt sich als Familienvater, dem von heute auf morgen der Boden unter den Füßen gezogen wird. Das Perfide: Trotz aller Grausamkeit kann man sein Handeln in gewisser Weise nachvollziehen, im Angesicht der ausweglosen Situation wirken seine Taten zwar nicht entschuldbar, aber doch verständlich. Als Gegenpol fungiert Jake Gyllenhaal dessen Charakter Loki nach und nach die Fassung verliert. Tritt dieser zu Beginn als abgeklärter und cooler Cop auf, wird er bald selbst durch sein eigenes Gefühlschaos aus der Bahn geworfen. Je mehr sich die Ereignisse überschlagen, um so verlorener wirken die Figuren. Und selbst Momente der scheinbaren Sicherheit entpuppen sich als Trugbild. 

"Prisoners" bietet Spannung von der ersten bis zur allerletzten Sekunde. Ein hochkarätiger Thriller, den man mit Fug und Recht zu den besten Filmen der letzten Jahre zählen kann. Spannend, vielschichtig und klug lässt er uns einen Blick auf unsere Moral werfen, fesselt uns gleichzeitig mit Suspense und ist einfach brilliant gemacht. Und selbst die letzte Szene liefert so viel Nervenkitzel wie andere Filme über die gesamte Laufzeit nicht. Einfach sehenswert!

Prisoners

Thriller, USA 2013

Regie: Denis Villeneuve

Darsteller u.a.: Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal, Maria Bello, Terrence Howard, Viola Davis, Paul Dano

Verleih: Tobis

VÖ: 13. Februar 2014

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