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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM spielt: GTA V

-ARCHIV-

Gangster's Paradise: Grand Theft Auto V im Test

Size does matter!

Rasante Action, brüllende Motoren, Sex, schräge Charaktere, eine Prise rohe Gewalt und der Reiz, vornehmlich gesetzeswidrig zu handeln – das ist es, womit sich die GTA-Reihe spätestens seit dem dritten Teil weltweit eine gigantische Fangemeinde aufbauen konnte. Und – so viel sei bereits verraten – auch der fünfte Teil stellt keine Ausnahme dar. Vielmehr setzt das Entwicklerstudio Rockstar Games in fast jedem Punkt noch einen drauf.

Der Schauplatz des Geschehens hat gigantische Ausmaße angenommen: Das idyllische Los Santos (die GTA-Variante von L.A.) samt Umland bietet mit seinen unterschiedlichen Facetten wie dem niemals schlafenden City-Kern, einem "Redneck-Outback" sowie den bewaldeten Berglandschaften im Norden genügend Gründe, ausgedehnte Spazierfahrten zu unternehmen. Umso mehr, da die grafische Umsetzung für ein Sandbox-Game dieser Größe unsere Kinnlade Richtung Schoß stürzen lässt. Sei es das reizüberflutende Lichterspiel der pulsierenden Metropole, die illustre Freizeit-Atmosphäre am Pier oder das beruhigende Naturschauspiel jenseits des urbanen Rummels – hübscher war ein Open-World-Game selten.

Leider hat diese Superlative auch ihre Schattenseite: starkes Kantenflimmern, aufpoppende Objekte und nachladende Texturen sind in Los Santos an der Tagesordnung und reißen uns zuweilen aus der sonst extrem dichten Atmosphäre.

Der Veteran, sein Schüler und ein Psychopath

Auch was das Storytelling angeht, hat der Entwickler noch eine Schüppe draufgelegt. Schließlich verhelfen wir in GTA V nicht mehr bloß einem Protagonisten zu kriminellen Ruhm, sondern lassen gleich drei schwere Jungs auf Los Santos los – und diese könnten unterschiedlicher kaum sein: Michael, Profi-Gangster im Ruhestand, vegetiert im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms des FIB in der Villengegend von L.S. vor sich hin. Wenn er nicht gerade mit Alkohol und Tabak an seiner ausgeprägten Sinnkrise arbeitet, brüllt er seinen profitorientierten Therapeuten zusammen oder versucht, den verzogenen Nachwuchs und die ehebrecherische Gattin zu ertragen.

Franklin entstammt der Ghetto-Gegend von Los Santos, wo vor allem Drogen und Bandengewalt auf dem Tagesplan stehen. Gemeinsam mit seinen Homies, die sich gegenseitig liebevoll in den unterschiedlichsten Varianten von "Nigga" anfahren, hält er sich mit gängigem Thug-Business über Wasser. Dann wäre da noch Trevor, ein cholerischer, Gewalt liebender Psychopath, der seit einem Raubüberfall vor neun Jahren im Hinterland zwischen allerlei Hillbillys und Rockerbanden untertaucht. Währenddessen verfolgt er kein geringeres Ziel, als das hiesige Drogen- und Waffengeschäft an sich zu reißen, globale Geschäftskontakte zu knüpfen und nebenbei jedwede Konkurrenz möglichst gewaltsam aus dem Weg zu räumen.

Im Verlauf des Spiels werden die Schicksale der drei Protagonisten in filmreif inszenierten Story-Missionen immer enger miteinander verwoben. Dabei können wir jederzeit frei wählen, mit welchem der drei Gangster wir Los Santos erkunden möchten. Jeder Charakter verfügt über jeweils eine aktive Spezialfähigkeit sowie eine Reihe passiver Fertigkeiten wie Ausdauer, Treffsicherheit oder Fahrkompetenz. Letztere verbessern sich, je öfter wir in entsprechenden Disziplinen aktiv werden. So beinhaltet GTA V zwar eine ausgeprägtere Charakter-Entwicklung als noch der letzte Teil, ein paar Rollenspiel-Elemente hätten den drei Hauptfiguren jedoch etwas mehr Individualität verliehen.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Neben den mannigfaltigen Herausforderungen, welche das kriminelle Dreiergespann im Verlauf der Geschichte zu bewältigen hat, beläuft sich das "Kerngeschäft" bei GTA jedoch nicht bloß – wie der Titel vermuten lässt – auf das Knacken und Stehlen von Autos. Zu den üblichen Story- und Side-Missionen gesellen sich in GTA V erstmals auch Überfälle und Raubzüge, die sorgsam geplant und vorbereitet werden wollen. Dafür müssen wir den Ort des Geschehens observieren, eine geeignete Crew zusammenstellen und die Abläufe planen. In der Regel stehen dabei zwei Lösungswege zur Auswahl: die Holzhammer-Methode oder das Hintertürchen.

Diese Coup-Missionen sorgen nicht nur für Abwechslung, sondern wirken sich auch positiv auf unser Konto aus. Die Beute können wir anschließend in Waffen, Munition, Kleidung oder Immobilien bzw. verschiedene Geschäftszweige investieren, indem wir Flughäfen, Bars oder Stripclubs erwerben. Dadurch erschließen wir uns entweder ein geregeltes Einkommen oder neue Missionsmöglichkeiten. Wem die betriebswirtschaftliche Schiene zur Kapitalmultiplizierung nicht so liegt, kann selbstverständlich auch an der In-Game-Börse spekulieren.

Aber selbst die geschäftigsten Gangster müssen einmal abschalten. Für Phasen der Rekreation bietet GTA V allerlei unterhaltsame Freizeitaktivitäten an. Warum sollten wir nach einem geglückten Auftragsmord nicht bei einer Runde Tennis oder Golf die Seele baumeln lassen, uns einen neuen Haarschnitt gönnen, an der Strandpromenade joggen, einen Hirsch schießen oder im nächsten Stripclub Hand anlegen? Ja, all diese Möglichkeiten und noch viele, viele mehr stellt GTA bereit. Das alles ist zwar liebevoll inszeniertes Beiwerk, aber Beiwerk bleibt es eben auch. Dem Otto Normalverbraucher werden derlei Nebentätigkeiten nach einmaligem Austesten kaum mehr intensiven Spielspaß bereiten können.

Fazit

Mit GTA V hat Rockstar Games erneut einen Riesenwurf gelandet. Die schiere Größe der Spielwelt, die grandiose Inszenierung sowie die hervorragend geschriebenen Figuren und Dialoge suchen ihresgleichen. Umso ärgerlicher ist es, dass dem Spiel keine deutsche Vertonung vergönnt ist, zumal viele der Gespräche aufgrund von Slang oder starkem Dialekt schwer zu verstehen sind.

Große Freude hingegen bereitet die ständig mitschwingende Gesellschaftskritik, die teils satirisch, teils zynisch mit Klischees und Vorurteilen jonglierend wie ein Vorschlaghammer auf den American Way of Life niedersaust. Auch die zuweilen übertriebene Darstellung von Gewalt demontiert sich in diesem Kontext größtenteils selbst oder wird entschärft. Lediglich bei der bereits viel besprochenen Folterszene vergaloppieren sich die Entwickler in die Geschmacklosigkeit.

Trotz dieses Ausrutschers und kleinerer technischer Mängel ist GTA V jedoch das erhoffte Meisterwerk geworden und somit definitiv Anwärter auf den Titel: Spiel des Jahres!

GTA V – Grand Theft Auto 5

Rockstar Games

Erhältlich für xbox360, PlayStation3

USK ab 18

Mehr Infos unter www.rockstargames.com

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2.87 von 5 Sternen bei 126 Bewertungen.