Need for Speed: The Run im Test
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM spielt: Need for Speed: The Run

-ARCHIV-

Illegale Autorennen waren von je her das Markenzeichen der Need for Speed (NfS) Reihe. Wer träumt schließlich nicht davon, in einem Porsche Carrera 4S oder Audi R8 mit halsbrecherischem Tempo über die Straßen der Welt zu brettern und sich dabei wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei zu liefern? In der Realität kommt das selten vor oder geht, wie im Fall des Böse Onkelz-Sänger Kevin Russell, böse aus. 

Zum Glück gibt es Videospiele – und NfS. Seit dem ersten Teil aus dem Jahr 1994 erschienen 18 Spiele der Marke. Über die Jahre verlor der Kultracer aber den Anschluss. Gran Turismo, Forza Motorsport oder die Arcade-Racer-Reihe Burnout stellten die Rennspiele aus dem Hause EA in den Schatten. Nach einem erfolgreichen Ausflug ins Terrain der Rennsimulation (NfS: Shift, 2009), war es das Remake von NfS 3, Hot Pursuit im Jahr 2010 (das vom Burnout-Studio Criterion Games programmiert wurde), das die Serie wieder in die Erfolgsspur brachte.

Racer mit Handlung

Need for Speed: The Run versucht abermals andere Wege zu gehen und erweitert das Renngeschehen mit einer Rahmenhandlung: Jack Rourke hat Schulden. Gangster wollen ihr Geld zurück. Jack kann nicht bezahlen. Wie das Leben so spielt, wollen die bösen Buben, dass er seine Schulden mit seinem Leben bezahlt. Glücklicherweise kommt ein illegales Straßenrennen von Küste-zu-Küste dazwischen, das mit einem 25-Millionen-US-Dollar-Preisgeld lockt. Auf dem Weg von San Francisco nach New York muss Jack 250 Konkurrenten überholen, die Polizei abschütteln und vor seinen Verfolgern fliehen.

Über die Idee einer Rahmenhandlung bei einem Rennspiel lässt sich sicherlich streiten. Angesichts des großen Erfolgs der Fast & Furious Filme scheint die Entscheidung aber logisch. Leider sind die Storyelemente derart überzogen inszeniert, dass sie förmlich lächerlich wirken. Mal springt Jack über Häuserdächer, während aus einem Helikopter auf ihn geschossen wird, mal muss er sich aus seinem zerstörten Rennwagen befreien, um nicht von einem nahenden Zug zerquetscht zu werden. Zurücklehnen ist während dieser Sequenzen aber nicht drin. Sie laufen interaktiv ab, sprich, ihr müsst im richtigen Moment die eingeblendete Taste drücken. Diese sogenannten Quick Time Events (QTE) sind bei Spielern so beliebt wie Radarblitzer auf der Autobahn. Entsprechend nervig sind die QTEs auch, da ihr bei jedem falschen Tastendruck die Sequenz wiederholen müsst.

Gummiband deluxe

Das eigentliche Renngeschehen macht da schon mehr Spaß. 120 Wagen, von amerikanischen Muscle Cars wie dem Ford Mustang, über Straßensportwagen wie dem Lamborghini Murcielago, bis hin zu Experimentalwagen á la MacLaren MP4-12C, stehen zur Auswahl. Exoten wie der Einser Golf GTI und ein BMW M3 von 1990 sind auch dabei. Das Handling entspricht der Arcade-Tradition, die Wagen kleben also unabhängig vom Untergrund auf der Straße. Es ist zwar nicht realistisch, wie auf Schienen mit 250 Sachen über verschneite Bergpässe der Rocky Mountains zu brettern, macht aber einen Heidenspaß. Gleich doppelt, wenn die Landschaften dann auch noch so abwechslungsreich sind wie bei NfS: The Run. Die Frostbite 2 Engine, die zuvor beim Shooter Battlefield 3 für offene Münder sorgte, macht auch hier eine gute Figur. Einzig die Stadtkurse und die Zwischensequenzen fallen grafisch deutlich ab. 

Während das Streckendesign durchweg gelungen ist, sorgt die Gummiband-Ki permanent für Wutanfälle. Bei großem Rückstand scheinen die Computerfahrer vergessen zu haben, wo das Gaspedal ist; umgekehrt bekommt die Ki wenn sie zurückliegt einen unerklärlichen Geschwindigkeitsschub. Gerade gegen Ende des Rennens sorgen so kleinste Fehler für ein Abschneiden auf den hinteren Plätzen. Das Spiel bietet zwar eine Rückspulfunktion, die immer dann zum Zuge kommt, wenn ihr einen Unfall baut, zu weit von der Strecke abkommt oder es nicht schafft, einen vorgeschriebenen Gegner zu überholen. Doch leider dauert ein Reset zwischen zehn und 15 Sekunden, ein ganzer Rennneustart sogar eine halbe Minute. Da Neustarts, beziehungsweise Resets bei Rennspielen an der Tagesordnung sind, nerven die Ladezeiten doppelt und dreifach.

Ein weiteres Ärgernis ist die Polizei. Während die Verfolgungsjagden zu den Highlights von Hot Pursuit gehören, ziehen sie The Run deutlich runter. Grund: Die Ordnungshüter attackieren nur den Spieler und lassen die Computerfahrer unbehelligt. Zum Ende des Spiels steht der Spieler dann auch noch unter Beschuss. Apropos Ende: Das kommt viel zu schnell. Der Abspann flimmert bereits nach knapp zwei Stunden über den Bildschirm. Das erhoffte Gumball 3000 Erlebnis bleibt aus. Der Multiplayer-Modus kann da auch nicht mehr viel retten. Er bietet Standard-Rennen auf den Strecken der Einzelspielerkampagne ohne große Variation. Immerhin ist das aus Hot Pursuit bekannte Autolog wieder dabei: Es blendet die Bestzeiten von Freunden ein und sorgt für einen ordentlichen Motivationsschub.

Fazit

Frostbite Engine 2, Gumball-Atmosphäre und unbezahlbare Sportwagen – die Vorzeichen standen so gut. Leider versemmelt Need for Speed: The Run die Kerndisziplinen Gegner-Ki, Umfang und Multiplayer. Eine Spieldauer von zwei Stunden grenzt an Unverschämtheit, die Ladezeiten an Arbeitsverweigerung.  Die Rahmenhandlung ist ein nettes Gimmick, wenn auch die QTEs nerven. The Run hat seine lichten Momente, an denen sich aber höchstens Die-Hard Rennspielfans erfreuen werden. Alle anderen sollten das Spiel mal übers Wochenende ausleihen.

 

Need for Speed: The Run

Plattform: Playstation 3, XBOX 360, Wii, Nintendo 3DS, Windows PC, 

Altersfreigabe: Ab 12

VÖ: 17.11.2011

Preis: Ca. 50 Euro

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3.19 von 5 Sternen bei 68 Bewertungen.