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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM spielt: Puddle

-ARCHIV-

Verzwicktes Physikspielchen

Ich ärgere mich ab und zu bei Spielen, wenn etwas nicht sofort klappt oder ich an einer bestimmten Stelle hängen bleibe. Ich neige dazu, lieber eher als später aufzugeben, wenn mich etwas frustriert, und die Herausforderung Herausforderung sein zu lassen. Doch bei Puddle ist es anders. Stunde um Stunde schlage ich mir um die Ohren, um die kniffligen Physik-Rätsel endlich zu knacken. Dabei fing doch alles so harmlos an.

Der Grundgedanke von Puddle ist nämlich sehr simpel. Man bewegt eine Flüssigkeit durch einen Level zu einem Zielpunkt, indem man die L- und R-Trigger am Controller mehr oder weniger fest drückt und so den Level nach rechts oder links neigt. Zu Beginn muss man Kaffee aus einem Kaffeebecher herausschwappen lassen, um ihn durch ein Gerüst von Röhren hindurchfließen zu lassen. Schwerkraft, Beschleunigung und Trägheit wirken auf den Kaffee ein. Kommt er einmal in Schwung, lässt er sich gar nicht mehr so leicht kontrollieren, Feingefühl ist also angebracht.

Aber wenn man den Dreh einmal heraus hat, kann man die komplette Flüssigkeit mit ins Ziel retten und wird mit einer Goldmedaille belohnt. Das war doch aber viel zu leicht, denke ich mir – und werde sofort für diesen Gedanken bestraft, denn schon ab Level 2 erlebe ich, dass Puddle genau das Gegenteil von leicht ist. Ich muss den Kaffee über Feuerflächen fließen lassen, möglichst schnell, damit mir keine Flüssigkeit verloren geht. Aber das ist gar nicht so leicht, denn an der nächsten Ecke wartet schon eine fiese Falle - ein Feuerchen, das so platziert ist, dass meine Flüssigkeit mit Volltempo darauf fließt und umgehend verdampft. Ich muss den Level wiederholen und bemerke kurz die große 2 auf dem Bildschirm.

Als daraus eine 3, 4 und auch 5 wird, steht fest: Das Spiel zählt meine Anzahl an Versuchen mit und schmiert mir diese deutlich mit jedem Neustart aufs Brot. Ich spüre leichten Zorn in mir aufsteigen und quäle mich durch die nächsten Level. Ich muss zum Beispiel leicht auseinander fließenden Pflanzendünger an gefährlichen Venusfliegenfallen vorbei bewegen und gleichzeitig Knollen transportieren, um sie an bestimmten Orten zum Blühen zu bringen. Ich versuche es immer wieder, aber nach Dutzenden gescheiterter Versuche habe ich es satt - ich muss wohl oder übel „jammern“. 

Nerven wie Drahtseile erforderlich

So heißt die Option, den Level zu überspringen und den nächsten anzupacken. Wieder legt Puddle den Finger in die Wunde, weil ich nicht hartnäckig genug bin, um die Herausforderung erfolgreich zu beenden. Und Medaillen habe ich sowieso schon eine Weile nicht mehr errungen, aber Level lassen sich auch ohne Edelmetallbelohnung abschließen, sie werden dann einfach abgehakt. Dass meine Versuchanzeige inzwischen immer zweistellige Dimensionen erreicht, daran habe ich mich längst gewöhnt.

Als ich meinen zweiten Jammer-Joker verbraucht habe, stehe ich vor einem Problem. Denn jetzt komme ich nur noch weiter, wenn ich die Level irgendwie überstehe. Innerlich fluche ich, schalte das Spiel erst einmal aus. Ein paar Stunden später packt mich mein Ehrgeiz, auch wenn er sich einen großen Kampf mit diesem nagenden Frustgefühl in mir liefert. Letztendlich siegt die große Neugier in mir, denn je weiter ich bei Puddle spiele, umso interessantere Aufgaben erwarten mich. Ich hantiere im Labor mit hochexplosivem Nitroglycerin, das ich äußerst vorsichtig bewegen muss; bewege auf einmal die Umgebung selbst oder Gefäße mit Flüssigkeit. Zum Beispiel muss ich eine mit Wasser gefüllte Glaskugel vorsichtig über holprige Wege lenken. Sobald in Sprung im Glas ist, verliere ich permanent Wasser und die Zeit arbeitet gegen mich.

Schließlich lande ich im menschlichen Körper, wo ich Blut durch die Gefäße pumpen lasse. Nachdem ich Tinte über Papier fließen lasse, katapultiert mich das nächste Kapitel in eine Rakete, wo ich den Treibstoff an sein Ziel bringen muss. Schwerelosigkeit und Schwerkraft sind da noch die geringsten Übel, die mich behindern. Und kaum bin ich nach meinem Ausflug im All gewesen, finde ich mich auf der Erde in einer Gießerei wieder und muss flüssiges Metall manövrieren, ohne dass es abkühlt und erstarrt.

Eines muss man Puddle also wirklich lassen: Das Arcade-Spiel ist enorm abwechslungsreich - trotz der nüchternen Optik und der anfangs monotonen musikalischen Untermalung. Doch gerade die Musik lebt in späteren Leveln deutlich auf. Das eigentlich für den PC von französischen Studenten entwickelte kostenlose Spiel erlebt als Umsetzung für Xbox Live und PSN einen wahren Höheflug. Die Steuerung über die Trigger-Buttons geht intuitiv von der Hand. Wer auf knackige Herausforderungen steht, bei denen man erst einmal eine Menge ausprobieren muss, um erfolgreich zu sein, und Nerven wie Drahtseile hat, wird hier sehr viel Spaß haben. Alle anderen sollten lieber die Finger von dem Titel lassen.

 

 

Puddle

Publisher: Konami

Getestet für:Xbox Live

Auch erhältlich für Playstation Network

Preis: ca. 800 Microsoft Points / 10 Euro

Artikel-Bewertung:

3.22 von 5 Sternen bei 77 Bewertungen.