Foto:

09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM spielt: Sonic Generations

-ARCHIV-

Gamern der alten Schule wird wohlig warm ums Herz, wenn sie an Sonic the Hedgehog denken. In den goldenen Zeiten der 8- und 16-Bit-Konsolen war die Jump 'n‘ Run Reihe das Aushängeschild von SEGA. Sie machte das Master System und später den Mega Drive zu Erfolgsgeschichten für die japanische Spielefirma. Sonic wurde zum Firmenmaskottchen und genoss ähnlich hohes Ansehen wie Super Mario für die Konkurrenz von Nintendo.

Mit dem Ende der 2-D-Ära begann der Niedergang des blauen Igels. Die leistungsstarken 32- und 64-Bit-Konsolen von Sony (Playstation) und Nintendo (N64) ermöglichten dreidimensionales Gameplay. Während Mario der Sprung in die dritte Dimension gelang, kam Sonic ins Stolpern. Abgesehen von Sonic Adventure auf dem Dreamcast, konnten die Spiele nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten. Andere Genres rückten in den Mittelpunkt der Spielergunst (Metal Gear SolidGran Turismo). SEGA verlor den Anschluss und gab 2001 schließlich das Konsolengeschäft auf. Es begann die schmerzlichste Zeit für das Firmenmaskottchen.

Sonic kommt beim Sprung in die dritte Dimension ins Straucheln

Sonic raste fortan exklusiv für Nintendo, ehe sich SEGA entschloss, auch für die Playstation und XBOX zu entwickeln. Mit Ausnahme von Remakes der 2-D-Klassiker konnte aber kein einziger Titel mehr an die glorreichen Zeiten der Mega-Drive-Ära anknüpfen. Das lag weniger an der hinzugekommenen Dimension. Ganz im Gegenteil: Die temporeiche Jagd nach Goldringen und Chaos Smaragden machte- mit ein paar Ausnahmen – auch in 3-D tierisch Spaß. Es waren viel mehr die unnötigen Ausflüge in neue Genres, die der Reihe nicht gut taten. Statt sich auf die klassische Jump 'n‘ Run Formel zu verlassen, wurden Prügel- und Adventure-Abschnitte eingebaut, die den Spielen komplett das Tempo nahmen. Sonic Unleashed für die Wii sticht hier besonders negativ hervor: Ein Drittel großartige klassische Sonic-Action stehen zwei Dritteln Nerven strapazierender Prügeleinlagen und Textadventure-Passagen gegenüber. Sonic ist während dieser nächtlichen Passagen in Gestalt eines behäbigen Wer-Igels (!).

Generations ist der beste Teil der Serie seit zehn Jahren

Doch all der Ärger ist mit Sonic Generations vergessen. Wie der Name erahnen lässt, verbindet das Spiel das 2-D-Gameplay mit den modernen 3-D-Vertretern. Die neun Spielwelten müssen dabei zuerst in der Seitenansicht der ursprünglichen Teile durchlaufen werden. Bei Klassikern wie Green Hill Zone macht sich unweigerlich ein Nostalgiegefühl breit. Perfekt spielbar, wunderschön anzusehen und mit atemberaubendem Tempo prescht Sonic durch die Level. Ist das Ziel erreicht, geht der Spaß von vorne los. Diesmal blickt die Kamera jedoch nicht von der Seite auf das Geschehen, sondern verfolgt Sonic aus Sicht der dritten Person. Dieser Wechsel ist anfangs ein wenig irritierend. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit gehen aber auch die modernen Level gut von der Hand.

Und sie sehen verdammt gut aus. Egal, ob in 2-D oder 3-D – die Level sind knallbunt, hoch aufgelöst, und pfeilschnell. Einzig, wenn das Geschehen mal langsamer wird, werden ein paar matschige Texturen sichtbar. Die lassen sich bei dem hohen Durchschnittstempo und der ruckelfreien Darstellung aber locker verschmerzen. Die kleinen Patzer im Leveldesign sind da nerviger. Ab und an versperren nicht sichtbare Barrieren den Weg, wodurch der Spielfluss abrupt abbricht. Kleine Kameraaussetzer, beziehungsweise unpassende Kameraperspektiven, sorgen zusätzlich für den einen oder anderen unnötigen Bildschirmtod. Der großartige Soundtrack macht diese Detailschwächen aber schnell vergessen. Die bekannten Themen der Reihe sind sowohl im Original als auch in Remixen vertreten und lassen sich frei vor jedem Level wählen. Die größte Überraschung stellt aber die Story dar. Sonic war in der Vergangenheit nicht gerade für seine erzählerische Dichte bekannt. Die absurden Dialoge waren häufig so schlecht, dass sie fast schon wieder lustig waren. Sonic Generations macht daraus keinen Hehl. Die Geschichte rund um ein Dimensionstor, das den klassischen mit dem modernen Sonic vereint, strotzt nur so vor Selbstironie. Der Titel nimmt weder sich selbst, noch die anderen Teile der Reihe wirklich ernst, wodurch ein höchst unterhaltsamer Rückblick auf die Geschichte von Sonic entsteht.

Fazit

Sonic rast nun seit 20 Jahren über den Bildschirm – und er war selten so gut wie in Sonic Generations. Der Titel verbindet gekonnt die Vergangenheit mit der Gegenwart und leistet sich dabei nahezu keine technischen Fehler. Vor allem die Balance zwischen Tempo und Kontrolle ist hier so gut gelungen wie schon lange nicht mehr. Nostalgiker werden vermutlich dennoch ihre Probleme mit den 3-D-Abschnitten haben. Die fantastischen klassischen Abschnitte dürften sie dafür wieder entschädigen. Alle anderen dürfen sich auf ein großartiges Jump 'n‘ Run freuen. Sonic Generations ist zweifelsohne der beste Teil der Reihe seit einer Dekade.

 

Sonic Generations

Plattform: Xbox 360 // PlayStation 3 // Nintendo 3DS // PC

USK: ab 6 Jahren

Preis: ca. 50 Euro

Artikel-Bewertung:

3.05 von 5 Sternen bei 110 Bewertungen.