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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM spielt: SSX

-ARCHIV-

Wie die Zeiten sich ändern. Sucht man heute nach dem dominierenden Genre auf der XBOX 360 und Playstation 3, lautet die Antwort eindeutig: Ego-Shooter. Call of Duty: Modern Warfare, Battlefield und Co. verkaufen sich wie geschnitten Brot. Sie gehören zu den Titeln, die am häufigsten Online gespielt werden. Doch das war nicht immer so. Auf der Playstation 1 und vor allem auf der PS 2 gaben Funsportspiele wie Tony Hawk's Skateboarding und SSX den Ton an. Mit der Neuauflage von SSX versucht EA das angestaubte Genre wieder aus der Versenkung zu holen.

Und das ist auch gut so. Es dauert keine fünf Minuten, bis SSX einen packt – vorausgesetzt, man nimmt es mit dem nicht vorhandenen Realismus des Spiels nicht zu ernst. Snowboarden heißt hier in erster Linie auf absurden Strecken (beispielsweise bei völliger Dunkelheit im lavagefüllten Inneren des Kilimandscharo) noch absurdere Tricks auszuführen, um den Boost aufzufüllen. Das führt in der Praxis zu kilometerweiten Sprüngen, die mit unzähligen Saltos, Schrauben und Grabs verfeinert werden. Je besser die Tricks sind, desto schneller lädt sich der Tricky-Modus auf, der unbegrenzten Boost und noch absurdere Tricks ermöglicht (siehe Bildergalerie).

Nervige Trial & Error-Passagen

Die Kampagne teilt sich in drei Teile auf. In der World Tour macht ihr auch auf, die neun „Deadly Descents“ zu erobern. Die reichen von den Rockys über die Alpen bis zum Himalaya. Auf drei bis vier Bergen macht ihr euch in Race- und Trick-Events mit den unterschiedlichen Begebenheiten der Strecken vertraut, ehe es auf die finale Abfahrt geht. Jede tödliche Abfahrt wartet dabei mit einer Besonderheit auf. Mal gilt es mit einem „Wing Suit“ gefährliche Abgründe zu überwinden, mal einer Lawine zu entkommen und ein anderes Mal in einem Schneesturm (White Out) die Abfahrt zu überleben.

Besondere Ausrüstungsgegenstände sollen euch auf dem sicheren Weg nach unten helfen. Panzerungen für die scharfen Klippen der Alpen, eine Sonar-Brille für den White Out in Neuseeland oder ein Sauerstoffgerät für die luftige Abfahrt auf dem Mount Everest. Diese Survive It Events sorgen für einen ordentlichen Adrenalinschub, nerven teilweise aber auch durch ihr Streckendesign. Ohne ausreichende Streckenkenntnis enden sie nämlich regelmäßig im virtuellen Tod eures Extremsportlers. Da hilft auch nicht die aus Prince of Persia bekannte Zurückspul-Funktion. Drei Mal pro Lauf dürft ihr mit ihr versuchen, Fahrfehler wieder auszubügeln. Während die Zeit für euch zurückläuft, fährt die Konkurrenz jedoch in Echtzeit weiter. Das führt vor allem in den Race-Events zu vielen Neustarts. Und die dauern durch die recht langen Ladezeiten eine gefühlte Ewigkeit. Selbst wenn ihr kurz nach Rennbeginn neu startet, müsst ihr gut 30 Sekunden warten.

Ordentlicher Umfang, RiderNet sei Dank

Sind die neun Deadly Descents überwunden (die 50 Drops der Kampagne dienen als verlängertes Tutorial), könnt ihr die Strecken im Explore Modus in aller Ruhe gründlich erkunden. Eure Punkte und Zeiten werden dabei gespeichert und im RiderNet genannten Online-Modus gespeichert. Er aktualisiert live die Zeiten eurer Freunde und informiert euch über ihren Fortschritt. Aus der gegenseitigen Punktehatz ergibt sich schnell ein motivierendes Katz-und-Maus-Spiel, das einen lange bei der Stange hält. Darüber hinaus warten mehr als 150 sogenannte Global Events. Hier werden die Abfahrten der Deadly Descents mit anderen Spielarten vermischt. Das Ergebnis sind Trick-Events während einer Lawinenabfahrt, Rennen auf Trickstrecken, usw. Darüber hinaus gibt es versteckte Geo Tags zu sammeln und Ausrüstungsgegenstände freizuschalten. Nur die klassische gemeinsame Abfahrt mit mehreren Freunden fehlt. 

Perfektes Spielgefühl

Bei einem Spiel wie SSX sind zwei Faktoren natürlich besonders wichtig: Performance und Steuerung. Bei beiden gibt es nichts auszusetzen. Die Grafik ist ansehnlich, wenn auch nicht bahnbrechend, läuft aber völlig ruckelfrei. Vor allem bei vollem Boost kommt ein tolles Geschwindigkeitsgefühl auf, das nur von den fantastischen Animationen der zehn Snowboarder übertroffen wird.

Die Steuerung gibt sich erstaunlich flexibel. Mit dem linken Stick wird gesteuert, der rechte (oder wahlweise die vier Facebuttons) übernehmen die Tricksteuerung. R2 (XBOX: RT) zündet auf dem Boden den Boost und löst in der Luft Trickvariationen aus. L1 aktiviert die Rückspul-Funktion, R1 die Zusatzausrüstung (wie die Wing Suit oder die Sauerstoffflasche). SSX-Veteranen können im Optionsmenü aber auch die klassische Steuerung auswählen. 

Fazit

SSX ist perfekte Arcade-Snowboard-Action, die die Gravitation vergessen macht und durch seine absurden Tricks, das irre Geschwindigkeitsgefühl und die wahnwitzigen Deadly Descents ein Dauergrinsen im Gesicht des Spielers hervorruft. Der motivierende Online-Modus und die stimmige Präsentation lassen dabei über die nervigen Trial & Error-Passagen und die langen Ladezeiten hinwegsehen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Zeiten einmal mehr ändern und sich mehr Entwickler ein Beispiel an SSX nehmen. Bis dahin bleibt SSX der Funsport-König dieser Konsolengeneration.

 

SSX

Publisher: EA Sports

Getestet für: PS3

Preis: ca. 59 Euro

Artikel-Bewertung:

3.08 von 5 Sternen bei 83 Bewertungen.